Dienstag, 14. Februar 2012

"Erneuerung"?

catocon stellt in seinem Kommentar zum Interview von Paul Badde mit Pater Schmidberger in der WELT fest:
    Problem der Zweideutigkeit: Erneuerung hat eben in der modernen Sprache immer die Bedeutung von "Altes durch Neues ersetzen", und darum geht es bei der Erneuerung der Kirche eben nicht. Es geht darum, den Wahren Glauben wieder im Vollmaß anzunehmen.
Sehe ich ähnlich.

Streng genommen kann man den Glauben nicht erneuern, denn es ist ja stets und immer und ewig derselbe Glaube. Man kann allerdings darauf hinarbeiten, daß der Glaube wieder von mehr Menschen angenommen und gelebt wird. Mit Blick auf Europa, welches dem wahren Glauben der Heiligen Kirche in der Tat etwas leidenschaftlicher anhängen könnte, sollte man vielleicht weg von der Wendung "Erneuerung des Glaubens/der Kirche" und hin zu so etwas wie "Wiederauffüllung des Glaubens/der Kirche", wobei es natürlich nicht so mechanisch klingen soll und klarwerden muß, daß es sich bei dem Auffüllen nicht um eine rein quantitative Geschichte handelt.

** grübel... **

Hat sonst jemand 'ne Idee?

Kommentare:

MC hat gesagt…

Für manche Gegenden beantrage ich die Formulierungen "Wiederbelebung"

Cassandra hat gesagt…

"Abstauben des Glaubens"

so eine dicke Staubschicht, vermischt mit dem, was sic über Wochen/Monate oder gar Jahre sonst so ansammelt (Kinder gehen mit Schokopfoten an die Scheibe etc) kann das glänzende, strahlende und helle Licht des Glaubens ganz schön muffig machen und verdunkeln.

Abstauben.

Anonym hat gesagt…

In protestantischen freikirchlichen Kreisen hieß das immer "Erweckung" aka (englisch) "revival" (Wiederbelebung). Allerdings sind die Begriffe durch eben diese Kreise schon inhaltlich belegt und werden auf bestimmte Weise gedeutet.

"Radikalisierung" würde es - wörtlich verstanden - treffen (zurück zur radix, der Wurzel), wäre aber missverständlich.

Wie wäre es mit "neu entdecken?" - nicht im Sinne von "zum ersten Mal sehen", sondern im Sinne von "die wirkliche Dimension und Größe wahrnehmen"?

Curious Traveller

Stephanus hat gesagt…

Die Zweideutigkeit sehe ich gar nicht so unbedingt. Bei der Erneuerung des Taufversprechens denkt doch auch niemand an das Ersetzen eines alten durch ein neues. Demgemäß würde sich "Wiederauffrischung/Regeneration des Glaubens" anbieten.

Anonym hat gesagt…

Bei den Protestanten heißt das: "Erweckung"...

thysus hat gesagt…

Erneuerung ist schon richtig, meine ich. Es geht ja um eine Erneuerung des Bekennens, nicht des Bekenntnisses, und damit verbunden um eine Erneuerung der unserer Kirchlichkeit und nicht der Kirche an sich.

Catocon hat gesagt…

Der Satz, in dem das Zweideutigkeitsproblem konkret auftrat, lautete:
"Wenn wir nicht zu einer wirklichen Erneuerung des Glaubens finden, werden alle strukturellen Reformen wirkungslos bleiben."

Das würde ich so formulieren:
"Wenn wir nicht wirklich zum Glauben zurückfinden, werden alle strukturellen Reformen wirkungslos bleiben."

Wie man das Wort Erneuerung an dieser konkreten Stelle jedoch 1:1 ersetzen könnte, weiß ich nicht.

Allgemein könnte man von Restauration, Rückgewinnung, Rückkehr, Besinnung auf..., Umkehr, Hinwendung zu..., Wiederbelebung, Wiederherstellung usw. sprechen, je nach Kontext.
Ein einziges wirklich passendes Wort kenne ich nicht. Vielleicht Auffrischung? Klingt aber auch unglücklich.

Alipius hat gesagt…

@ thysus: Stimmt. Aber im Zitat hieß es exakt "Erneuerung des Glaubens" und ich habe mich ein wenig an dieser Formulierung gerieben.

gerd hat gesagt…

Erneuerung trifft es eigentlich ganz gut. Denn der Glaube ist für die meisten Zeitgenossen hierzulande wirklich was "Neues"! Etwas von dem sie noch nie was gehört haben. Das sehe und höre ich bei meinen Nichten und Neffen.

Lauda Sion hat gesagt…

Wie wäre es mit Renaissance des Glaubens?