Montag, 30. Januar 2012

Stimmt!

Man kann einfach nicht eindringlich genug vor Polizeigewalt warnen. Am besten auf groß angelegten Demonstrationen, bei denen Autos brennen, Fensterscheiben zu Bruch gehen, ein wenig geplündert wird und... ähh... 50 Polizeibeamte verletzt werden...

Schnell! Her mit mehr Personal und Geldern im Kampf gegen rechts!

Kommentare:

Severus hat gesagt…

Touché !!

Bastian (Sierra Victor) hat gesagt…

Ich denke, wir dürfen uns niemals in ein Aufrechnen linksradikal gegen rechtsradikal einspannen lassen.
Zum einen tun wir damit immer jemandem Unrecht. Und zum 2. ist es eine Diskussion Böse gegen Böse. Da haben wir nichts drin verloren.

Alipius hat gesagt…

@ Bastian: Stimmt. Aber die Reaktionen auf linksradikal/rechtsradikal aufzurechnen ist hin und wieder schon interessant...

Bastian (Sierra Victor) hat gesagt…

Hmm...
Bin mir da nicht sicher.
Oft wird das zum Beitrag in der unseligen Diskussion. Zudem kenne ich das von meinen Kindern: Stets ist der Hinweis auf das größere Böse beim Anderen mit einer Relativierung des kleineren Bösen verbunden. Da lässt sich endlos streiten und diskutieren, und immer endet es darin, dass der klare Blick auf die tatsächlichen Probleme hinterher getrübt ist, und sich dafür Groll angesammelt hat.
Meiner Erfahrung nach bringt das nix.

Alipius hat gesagt…

Also daß sowohl linke als auch rechte oder überhaupt irgendeine Gewalt erstens nicht gehen und zweitens auch nicht gegeneinander aufzurechnen sind, darin sind nicht nur wir uns ja ohnehin einig. Aber eben genau darum können wir (bzw kann ich) es auch wagen, mich mit den Begleiterscheinungen diverser Formen der Gewalt vergleichend zu beschäftigen. Das hat nichts mit Aufrechnen und nichts mit Relativieren zu tun.

Frater Seiunctus hat gesagt…

Ich lebe in einer Stadt, wo 30 (in Worten: dreißig) Neonazis es schaffen, eine ganze Stadt zu aktivieren: stadtweite Gegendemos mit Reden von OB, Kirchenvertretern, Medienberichterstattung ohne Ende ..., Lichterketten etc.etc. In dieser Stadt gibt es eine "Initiative für Demokratie und Toleranz", die von städtischen Mitarbeitern von Amts wegen gemanagt und aus Steuergeldern finanziert wird und sich hauptberuflich damit beschäftigt, die "Gefahr von rechts" großzuschreiben und zu -reden. Als Kirchenleute sind wir da dauernd im Handlungszwang, über das Stöckchen zu springen, das uns von andern hingehalten wird, und bei alldem mitzutun. Ich versuche mir vorzustellen, wie es wäre, wenn die Rechtsextremisten es schafften, eine solche Massivität an den Tag zu legen wie die Autonomen in Alipius' Beispiel. Ich glaube, dann herrschte schon der Notstand. Auf gewisse Relationen gelegentlich hinzuweisen scheint mir da doch absolut unabdingbar.

Bastian (Sierra Victor) hat gesagt…

Ist klar, dass es damit nichts zu tun hat. Wenn das hier nicht klar ist, wo sollte es das dann sein?!
Sollte das irgendwie als Vorwurf oder Zweifel rübergekommen sein, entschuldige ich mich förmlich, widerrufe im Sinne der Sache, habe nichts gesagt und behaupte das Gegenteil.
Nein, gerade in einem sicheren Bereich wie diesem ist es möglich, auch einmal Bedenken anzumelden, ohne dass sie irgendjemanden prägen. Zumindest war das meine Absicht.

L. A. hat gesagt…

Zustimmung @Alipius

Gerade, wenn man die Rechtsnorm gegen die Relativierung "kleinerer Übel" verteidigen will, muß man darüber sprechen, wenn ein Rechtsbruch vom Kaliber einer Körperverletzung gegenüber Polizisten oder Sachbeschädigung je nach "Gesinnung" entweder verschärfend oder verharmlosend bewertet wird.

Alipius hat gesagt…

Es kam für mich als minimaler Zweifel rüber, aber nicht als an mich gerichteter Vorwurf. Ich finde es ja selbst blöd, wenn die Leute sagen "Ja, aber die Kommunisten/Nazis haben soundsoviele Leute umgebracht, also sind die Nazis/Kommunisten die Lieben". Aber ich finde es okay wenn wir "unter uns" über alles mögliche Dinge, die uns eben so auffallen, laut nachdenken können.

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Durch den Habermas'schen Historikerstreit und deren Umgang in Meanstreammedien und Politik haben wir eine völlig verkrampfte Sichtweise auf die "Flügelphänomene".
Alleine die Erwähnung von Holodomor und "Großer Sprung nach vorne" und die Notwendigkeit deren Aufarbeitung ohne vorherigen Kontext reicht aus, um sofort das Etikett der Shoa-Leugnung angepappt zu bekommen.

Wie man mit Vergangenheit politisch erfolgreich umgeht, macht derzeit die Linkspartei vor. Siehe hier und hier !

Severus hat gesagt…

Volle Zustimmung @ Frater Seiunctus !
Genau das ist der Punkt: Nicht Aufrechnung links- gegen rechtsextreme Gewalt, sondern das groteske Missverhältnis, in dem beides von "veröffentlichter Meinung" wie auch von der Staatsgewalt gewichtet und behandelt wird!

cassandra_mmviii hat gesagt…

Da kommen ganz viele verschiedene Sachen zusammen, vielleicht sollte man das aufdröseln. Ich probier's mal.


Wenn es 30 Neonazis gelingt, eine ganze Stzadft in Ausnahmezustand zu versetzen, dann ist das ein problem. Meine Mutter stand mal vor einer Polizeiabsperrung und wollte in ihr Haus. Sie hatte was vergessen. Ging aber nicht, nicht mal Anwohner durften durch weil da die NPD ein paar Stunden später demonstrieren wollte.
Die Anwohner, die ihre Häuser nicht verlassen hatten, durften nicht mal auf die Strasse vor ihren Türen.
Das geht nicht. Entweder die NDPler sind völlig harmlos, dann sollen sie laufen, dann muss ma sich als Bürger aber auch anschliessen dürfen wenn man das will. Das geht aber nicht wenn sie geschlossen am Bahnhof abgeholt werden vom Polizeispalier und am Ende der Veranstaltung wieder hineskortiert werden.

Als die Strecke an meiner Kirche für die NPD im Gespräch war liess das Pfarrer laut und klar wissen, dass er nicht vorhabe, "seine" Kirche ensperren zu lassen. Jeder Mensch, ob Gemweindemitglied oder nicht, der in diese Kirche wolle, habe jederzeit Zutritt zu haben, alles andere werde er nicht hinnehmen. Danach war die Route vom Tisch.

Auf der anderen Seite stehen Städte, die sich lähmen lassen von 30 Neonazi-Nasen, die fröstelnd mit nacktem Oberkörper vor'm Bahnhof stehen weil sie da nicht wegkommen und ihre T-Shirts und Jacken (leider) wegen Zeigens von verfassungsfeindlichen Symbolen beschlagnahmt worden sind.

Vielleicht täte ein wenig HUmor not. Auch zur NPD-Demo gehen- mit einem Schild "Ich ess' nur deutsche Bananen".

Dann wäre man nämlich vor Ort und damit Ohrenzeuge wenn wieder mal die Waffen-SS mit Ruhm und Ehre verbal überschüttet wird und als Ohrenzeuge könnte man Anzeige erstattetn, was man anscheinend nicht kann (zumindest scheiterte mein Ehemann damit) wenn man nicht selbst da war sondern es nur aus der Presse -also von Hörensagen- erfährt. Und dann müsste der Staatsanwalt handeln. Wenn er das nicht tut, muss man fragen warum.


Ich stand auch mal vor so einer Polizeiabsperrung. Dahinter war die NPD- und das Brillengeschäft, in das ich musste. Es war Samstag, das Geschäft schloss in einer halben Stunde, ich brauchte meine Brille. Nachdem ich den Beamten lange genug drauf hingewiesen hatte, dass ich ohne nicht Auto fahren darf, durfte ich durch- mit einer Eskorte, damit die NPD mir nichts tut. Ich hatte nur wenig Angst vor diesem etwas traurig aussehenden Haufen.


Vor "ernsthaften" Neo-Nazis habe ich jede Menge... Angst will ich es nicht nennen, aber mal eben durchlaufen möchte ich nicht. Wer schon mal eimne Nacvht im Flüchtlingsheim verbracht hat weil eben Neonazis angekündigt hatten, es anzuzünden, der weiss, dass solche Leute nur wenig Hemmungen haben, Menschenleben zu gefährden.

Mehr Geld fordert sich ziemlich leicht, aber man braucht auch einen Plan, was man mit dem Geld dann anfangen will. Und solange der fehlt, braucht man das Geld auch nicht.
Und an genau diesem Plan mangelt es zur Zeit.
Rechtsextremismus ist nicht das Problem von ein paar verwirrten, perspektivlosen Jugendlichen, die einfach nur ein bisschen Abenteuer und Liebe suchen, sondern ein gefestigtes Denksystem. Einfach ein Jugendzentrum einzurichten wird das Problem nicht lösen.

Auch endlose Augfklärung wird das Problem nicht lösen- bei mir im Schulort war ein KZ. Und trotzdem grüssten sich morgens eine Gruppe mit Hitlergruss. Ich war 15 und habe versucht, mit der Schulleitung zu reden. "Das sind alles ordentliche Jungs aus guten Familien mit guten Noten. Du musst duch geirrt haben, die machen so was nicht."


Als Christen sollten wir nicht ignorieren, dass in diesen Kreisen das Neuheidentum relativ verbreitet ist als die "arteigene" Religion der Deutschen.
das führt dazu, dass christlich basierte Werte wie Liebe zum Schwächeren etc nicht akzeptiert werden. Und das sollte man als problem thematisieren.