Mittwoch, 4. Januar 2012

Prioritäten...

Die WELT berichtet:
    Christen werden in Nordkorea, in Afghanistan und Saudi-Arabien weltweit am stärksten verfolgt. Das geht aus dem Weltverfolgungsindex 2012 hervor, den das christliche Hilfswerk Open Doors in Kelkheim im Taunus veröffentlicht hat. Neun der zehn vorderen Plätze belegen islamisch geprägte Staaten. „Die Situation für Christen hat sich zunehmend dort verschlechtert, wo auch der islamische Extremismus zugenommen hat“, bilanziert Open Doors.
Da hat die WELT aber nochmal Glück gehabt! Denn der türkische Außenminister und das islamische Portal der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş forderten bereits am 7. Dezember 2011:
    Verwendung von Kampfbegriffen wie "Islamismus" bzw. "islamistischer Terror" muss eingestellt werden

    "Der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu hat mit seiner Kritik gegenüber Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich auf einen sehr wichtigen Punkt aufmerksam gemacht. Der Begriff ‚islamistischer Terror‘ beleidigt und stellt alle Muslime unter Generalverdacht. Nicht zuletzt fördert er die Islamfeindschaft und Gewaltbereitschaft gegen Muslime", so der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) Oğuz Üçüncü anlässlich der Unterredung des türkischen Außenministers mit dem Bundesinnenminister.
Von einer Einstellung der Verwendung des Begriffs "Islamistischer Extremismus" ist nicht die Rede, also ist die WELT grade nochmal davongekommen...

Aber jetzt mal ganz scherzhaft, naiv und zwanglos: Wenn die Verwendung des Begriffes "Islamistischer Terror" alle Muslime beleidigt und nicht einfach nur darauf aufmerksam macht, daß es ein Phänomen namens "Islamistischer Terror" gibt, dann sollten wir wirklich ein wenig mehr Willen zu zarter Empfindung und bravem Gehorsam zeigen und unsere Köpfe - ganz dem Wunsche des türkischen Außenministers entsprechend - noch ein wenig tiefer im Sand vergraben.

"Islamismus...? Islamistischer Terror...? Ich seh' nix, ich hör nix, ich sag' nix! Neun der zehn Staaten, in denen Christen am schlimmsten verfolgt werden, sind Staaten islamischer Prägung? Darf man erstens nicht sagen und kann zweitens nur ein blöder Zufall sein. Und überhaupt: Wir sollten zuerst einmal vor unserer eigenen Haustüre kehren... Also Schluß mit diesen 'Kampfbegriffen'! Worte können verletzen! Was...? Gewehrsalven, Sprengstoffgürtel und Krummdolche können auch verletzen? Ja... Aber doch nur im übertragenen Sinne, oder...?"

P.S.: Während auf der Millî Görüş-Startseite der 'Kampfbegriff'-Artikel gleich zweimal verlinkt wird, konnte ich ein Statement zu den Anschlägen in Nigeria nirgendwo entdecken.

Kommentare:

Arminius hat gesagt…

Islam heißt zwar nicht Frieden und auch sonst nichts mit Frieden zu tun, aber das Beleidigtsein gehört zu den Kernkompetenzen seiner Anhänger.
Es ist sozusagen ihr zweites Standbein, hinter dem Djihadieren.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Ich unterscheide immer noch zwischen Islam und Islamismus, genau wie ich auch zwischen Christentum und gewaltbereiten Fundis, die sich Christen nennen unterscheide.
Abgesehen davon könnte der türkische Außenminister sich gern mal daran erinnern, daß die Türkei ein laizistischer Staat ist. Soll sich mal einfach nicht so haben.

Severus hat gesagt…

@ Arminius
Natürlich heißt Islam "Frieden":
im Sinne von "Friedhofsruhe"! -oder?