Donnerstag, 5. Januar 2012

"Papi!"

Gestern teilte der Vatikan mit, daß Papst Benedikt XVI das Rücktrittsgesuch von Weihbischof Gabino Zavala, Los Angeles, angenommen hat. Der 60-jährige ist Vater zweier inzwischen jugendlicher Kinder.

Der gebürtige Mexikaner ist in den USA vor allem bekannt, weil er sich gegen die Todesstrafe aussprach und sich für die Rechte Homosexueller und lateinamerikanischer Einwanderer stark machte.

Grotesk: Ich las die Nachricht eben beim Frühstück in der Zeitung. Als ich dann im Internet bei Google "Weihbischof" und "Zavala" eingab, um ein wenig für's Posting zusammenzukratzen, war der erste Link in der Liste von k***z.net. Ich habe dann mal "klick" gemacht und kann einfach nicht verstehen, daß diese Seite so weit oben rankt. Ich weiß nicht, ob es dort überhaupt jemals Informationen gab, aber mittlerweile wird nur noch rumgeprollt, verurteilt und mit Kot geschmissen. Sind wir wirklich so kaputt, daß solche Seiten die Leute dermaßen anlocken?

Naja... Schade, daß der Bischof seine Cojones zur Zeugung von Kindern nutzte aber nicht dazu, schon viel früher den richtigen Schluß zu ziehen. Ich hoffe, daß Zavala mit seinen Kindern und deren Mutter nun eine einigermaßen vernünftige Beziehung beginnen kann.

Was ich mich allerdings frage: Wie kann es sein, daß Zavala 2 Kinder hat? Das klingt nicht grade nach einem Ausrutscher.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Zwillinge vielleicht.

Abgesehen davon: ich wünsche dem Herrn Zavala eine wunderbare Zukunft als verantwortungsvoller Familienvater, und möge er sein Eintreten gegen Todesstrafe und für Menschenrechte beibehalten.

Anonym hat gesagt…

INteressant finde ich, daß hier von einem Rücktrittsgesuch die Rede ist. Andernorts las ich, er wäre rausgeworfen worden wegen der Kinder, wobei gleich die Frage gestellt wurde, wie viele der Priester, die Kinder mißbrauchten, rausgeflogen wären... Ich glaub ich muß dort mal den Informationsfluß etwas verbessern...

Alipius hat gesagt…

@ bundesbedenkenträger: In diesem Bereich könnte es durchaus Überschneidungen geben zwischen Rücktrittsgesuch und Rauswurf. In den englischsrachigen News lautet die Nachricht aber, daß Zavala sowohl im vergangenen Monat den Erzbischof von LA über seine Kinder informiert als auch sein Rücktritsgesuch beim Papst eingereicht habe.

Leuten, die im Zusammenhang mit diesem Bericht gleich die Frage stellen, wie viele Priester, die Kinder mißbrauchten, rausgeflogen wären, sollen vielleicht einfach im Vatikan anrufen und dort diese spekulative Frage stellen.

Sarah hat gesagt…

Im Brief des Erzbischofes heisst es, dass Bischof Zavala ihn Anfang Dezember über seine Kinder informiert hat. Dann kommt ein Absatz und dann erst heisst es "Bishop Zavala also told me that he submitted his resignation to the Holy Father....", ich muss hier leider sagen, dass das so sehr wahrscheinlich am ehrlichsten gewesen ist (was aber auch bedeuten kann, dass er gebeten wurde zurück zu treten und dann über das Abtrittsgesuch geschrieben hat), anders würde es wohl heissen "At the same time he...."....Ich finde k....[dot]net wirklich fürchterlich, aber wir sollten aus Bishof Zavala nun keinen Heiligen machen. Ich hoffe, dass er sich wirklich um seine Familie kümmert, auch dies geht aus keiner Stellungnahme hervor....Ich mag mich da nur dem Erzbischof anschließen: "Let us pray for all those impacted by this situation and for each other as we reflect on this letter."

Alipius hat gesagt…

@ Sarah: Niemand macht aus Bischof Zavala einen Heiligen. Das können nur Gott und er selbst. Aber bei dem Gestänkere auf kxxxx.net fand ich es wichtig, nicht auch gleich die Keule auszupacken, sondern daran zu denken, daß er nicht der erste Mensch war, der sich kräftig verrannt hat und auch nicht der letzte sein wird. Unsere Gebete kann er jedenfalls besser gebrauchen als kxxxx.net's Gezetere.

Anonym hat gesagt…

Kein Mensch ist vollkommen, nd auch ein römische geweihter Priester und Bischof kann die ihm aferlegten Regeln brechen. Als Protestant bin ich da wohl auch eher blind für das tatsächliche Problem, aber das will ich hier gar nciht vertiefen.
Meine Frage wäre eher eine nach dem Standard-Procedure.
Also angenommen, ein Priester (und das ist ja ein Bischof auch) zeugt ein Kind und das kommt raus. Was passiert mit dem normalerweise? Hängt das von der Diözese ab? Fliegt er hochkant raus? Kommt er in den "Innendienst"? Ich nehme mal an, ein Verbot, die Sakramente zu spenden dürfte so das Mindestmaß sein (können tut er ja, er bleibt ja geweiht).
Kann man das irgendwo nachlesen (damit ich hier nicht so blöd fragen muß)?
Würde mich einfach einmal interessieren. Und vielleicht nach, was die hießigen Mitleser davon halten, daß man auf den amerikanischen Blogseiten Kommentare lesen kann wie daß die Kirche nicht ihr Geld für die Kinder ausgeben solle, das wäre die Aufgabe des Vaters, für sie zu sorgen...? Von einem herzlos-logischen Standpunkt aus kann ich das nachvollziehen, aber sonst...?

Alipius hat gesagt…

@ bundesbedenkenträger: Die Strafen für solche Vergehen reichen von Suspension bis zur Entlassung aus dem Klerikerstand. Für den Bischof wäre eine Laisierung nötig, damit er die Mutter seiner Kinder heiraten kann (wenn er es denn will). Nachlesen kann man dies und mehr im Kodes des Kirchenrechtes (hier).

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

@Alipius:
Notwendig wäre auch eine Aufhebung der Zölibatsverpflichtung, siehe can. 291 CIC 1983.

Diese Verpflichtung kann nur vom Papst aufgehoben werden und geschieht nicht automatisch mit der Entlassung aus dem Klerikerstand.

Anonym hat gesagt…

Danke. Danke auch für die Klarstellung mit der Laisierung, war mir bisher nicht bewußt, daß es so etwas gibt. Wieder was Neues, das ich erst mal verstehen muß...

thysus hat gesagt…

@bundesbedenkentraeger
Bei uns ists interessant, gell!

Anonym hat gesagt…

@thysus: Ja, schon. Aber ohne Euch zu nahe treten zu wollen: Interessant eher im ethnologischen Sinn. So wie ich auch sonstige exotische Kulturen interessant finde. Das hat dann aber für mich persönlich nicht mehr viel mit dem Glauben zu tun. Aber ich bin ja auch nur Protestant ;)

thysus hat gesagt…

@bundesbedenkentraeger
Selbstverständlich meinte ich auch nur ethnologisch! Aber solche Dikussionen weisen immerhin auf eine äusserst komplexe Ethnie hin..
Und "nur Protestant" würde ich nie sagen. Ein Pro-testant legt ja immerhin Zeugnis für etwas ab!

Anonym hat gesagt…

Ethnologie bezieht sich ja nicht auf Ethnien. Ich hab auch schon ethnologische Arbeiten zur Skater-Subkultur in Basel gesehen. Ich leg durchaus großen Wert auf das "pro" in Protestant und verstehe mich nicht als Contratestant.
Leider habe ich oft den Eindruck, daß das "nur" bei einigen römisch-katholischen Gesprächspartnern implizit mitschwingt. Das mag an nverständnis liegen, möglicherweise auch vorurteilsbehaftet sein, nichtsdestotrotz empfinde ich es, und finde es schade, weil ich fürchte, daß die Einheit frühestens im Eschaton hergestellt werden wird.