Samstag, 14. Januar 2012

He-heh...

Guido Rodheudt/Vatican Magazin über die Kirche in Deutschland:
    Gegenwärtige Pastoralkonzepte in den deutschen Diözesen überschlagen sich zuweilen mit der Beteuerung, dass das Entscheidende für die Kirche der Zukunft die Teilnahme aller Gläubigen am Allgemeinen Priestertum sei. So habe es das Zweite Vatikanum, Haupt und Mutter aller Konzilien, vermeldet. Dass jedoch nach der dort formulierten Auffassung die Gläubigen „ihr Priestertum im Empfang der Sakramente, im Gebet, in der Danksagung, im Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe“ (II. Vat. LG 10) und nicht durch Profilklau bei den Angehörigen des Weiheamtes ausüben, ist mittlerweile im Nebel der Deutungsgeschichte des Pastoralkonzils verschwunden. Also muss sich die Wirklichkeit priesterlicher Existenz mit dem Umstand abfinden, dass es den Priester in der klassischen Sicht nicht mehr braucht. Wenn, dann braucht man ihn als „Moderator“, als „Vorsteher“ oder als „Koordinator“, aber es braucht ihn nicht mehr als Hirten („pastor“) und schon einmal gar nicht als Vicarius Christi. Denn damit man „am Ort auch künftig Menschendienst und Gotteslob praktizieren kann“ (Leitlinien der Pastoral im Bistum Aachen, S. 5), ist die persona sacra nur von mittelbarer Bedeutung. Wer will, kann auch ohne Priester selig werden. Dies belegen die vielfach ohne wirkliche Not flächendeckend praktizierten Wortgottesfeiern, die – je nach Landstrich und Reformeifer des Bischofs – schon mindestens einer Generation den Wert und den Sinn der heiligen Messe und damit die Sehnsucht nach dem für sie konstitutiven Priester aberzogen haben.
Dies ist nur ein Auszug aus einem längeren Essay, den man bei kath.net lesen kann. Einiges wird überspitzt dargestellt, aber vieles deckt sich mit meinen Erfahrungen als Kaplan (und somit läßt sich der Text wohl auch gut auf Österreich beziehen).

Die "Der Glaube in Deutschland ist tot"-Stimmung, die sich unterwegs aufdrängt ist allerdings nicht die Lösung, sondern das Problem. Daher müssen wir alle wohl oder übel über solche Texte hinaus jeder an unsrem Platz dafür sorgen, daß die Wahrheit unseres Glaubens nicht einfach unter den Teppich gekehrt wird.

Auf geht's!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Der Glaube in Deutschland ist sicherlich nicht tot - die aktive Mitgliedschaft und das Engagement der Leute bildet heute aber die tatsächliche Gläubigkeit der Menschen genauer ab, als das vor fünfzig, sechzig Jahren der Fall war. Der oft gerühmte "Volksglaube" der Menschen vor dem 2. Weltkrieg stimmt mich eigentlich eher mißtraurisch. Von meiner Großmutter, geb. noch vor 1918, weiß ich, dass die Familie - eine völlig durchschnittliche Kleinbauernfamilie - selbstverständlich sonntags in der Kirche auftauchte, aber letztlich nicht viel von den "Pfaffen" und ihrer "Wichtigtuerei" (ich zitiere meine Großmutter) hielt. Ähnliche Erzählungen von meiner anderen Großmutter bestätigen das. Beide Familien waren äußerst kirchenkritisch, sicherlich nicht besonders gläubig oder auch nur an Glaubensfragen interessiert - und das in einem klassisch konservativen bäuerlichen Umfeld.
Nur: der Druck, "mitzumachen", bestand wesentlich mehr als heute. Also ging man halt in die Kirche, blieb katholisch und schien so auc in der Statistik auf.
Nun ist der Druck weggefallen - das ist auch gut so! - und die Menschen heute, die mit der Kirche nicht viel anfangen können, bleiben weg. Es gelingt beiden großen Kirchen scheinbar auch nicht, die Leute zurückzuholen - und damit bleibt irgendwann wohl nur ein harter Kern übrig, der dafür aber superdupertreu.
Als langjähriger Katholik und nun seit einigen Jahren als außenstehende, wohlwollende Beobachterin, denke ich, dass es daran liegt, dass es wenige kirchliche Funktionäre und Mitglieder einem Gläubligkeit und kirchliches Engagement als positiv und erstrebenswert vermitteln können. Das fängt schon bei manchen Katholikenbloggern an, die sich regelmäßig in Beschimpfungen gegen alles "Liberale" ergehen, beim Kampf für das ungeborene Leben regelmäßig mit ihren Bemerkungen unter die Gürtellinie zielen und sich in so sauertöpfischer Zeitkritik üben, dass mir jegliche Sympathie für den Verein vorübergehend abhanden kommt. (Damit meine ich nicht dieses Blog.)
Ich habe einge Katholiken kennengelernt, die ihre Kirche wirklich würdig vertreten haben und denen man gerne auf dem Weg zu Jesus nachfolgen würde - eine Minderheit.
Und: WARUM man denn ausgerechnet glauben soll, und warum ausgerechnet die christliche Option wählen, kann auch kaum einer schlüssig vermitteln.
Manchmal kommt mir die katholische Kirche vor wie eine Firma, die seit 150 Jahren das gleiche Produkt vertreibt und nicht darüber hinwegkommt, dass sich die Kunden geändert haben und die sich die alte Monopolstellung einfach nur zurückwünscht. Und damit wahnsinnig viel geistige Energie verschwendet. Die Kirchen werden sicherlich noch ein Stück schrumpfen -so what? Steht vielleicht irgendwo in der Bibel, dass das Reich Gottes nur mit einer erzwungenen Kirchenmitgliedschaft von 100% erreicht werden kann? Na eben.

gerd hat gesagt…

>>Das fängt schon bei manchen Katholikenbloggern an, die sich regelmäßig in Beschimpfungen gegen alles "Liberale" ergehen, beim Kampf für das ungeborene Leben regelmäßig mit ihren Bemerkungen unter die Gürtellinie zielen und sich in so sauertöpfischer Zeitkritik üben, dass mir jegliche Sympathie für den Verein vorübergehend abhanden kommt.<<

@anonym

1. Die Kirche ist kein "Verein" im üblichen Sinn. Diesen Ausdruck, könnte man als unter der Gürtellinie bezeichnen. Aber das nur am Rande. Im Umgang mit der Abtreibungsproblematik könnte das Wort Jesu hilfreich sein: "Wer aber nur eines dieser Kinder ein Leid zufügt, dem wäre es besser er wäre nie geboren." (Man beachte: Nie geboren!)
An anderer Stelle wünscht er diesen Menschen einen Mühlstein um den Hals und in die Tiefen des Meeres versenkt. Ist das jetzt unter der Gürtellinie oder wie oder was?

Jorge hat gesagt…

Das Essay ist absolut lesenswert, wunderbar geschrieben und mit sehr brauchbaren Ansätzen. Ich mag Rodheudt auch wegen seines rheinischen Naturells und der Unbekümmertheit, mit der er zweifelhafte Entwicklungen - zwar simplifizierend aber punktgenau - auf die Spitze nimmt.

Allerdings bedient er dabei immer wieder sehr abgegriffene Klischees seiner Leserschaft, die er süffisant einsetzt und genüsslich bebildert, die man aber doch hinterfragen muss und ggf. nicht unwidersprochen stehen lassen darf.

Besonders ärgerlich an diesem neuen Artikel ist das unangenehme Gerede von der angeblichen deutschen „Nationalkirche“, die sich mit ihrer Laienhörigkeit und untätigen Bischöfen sooo weit von der Weltkirche entfernt habe.

Natürlich hat Deutschland Besonderheiten, etwa das stark entwickelte Gremienwesen und das öffentliche Desinteresse am Glauben. Ganz abgesehen von der historischen Verwurzelung des Landes im Protestantismus. Wenn man die Kirche in anderen Ländern ein wenig kennt, weiß man aber, dass die Probleme sich strukturell recht ähnlich sind und die Kirche in anderen Ländern keineswegs „papsttreuer“ ist als hier, wenn es auch Unterschiede gibt, etwa in der Einstellung des Episkopats und der Beheimatung der Menschen im Volksglauben. Aber die „strukturellen“ Probleme, Anfragen und Reformwünsche (Gemeindeschrumpfung, Sexualmoral, Zölibat, Religionsunterricht, Hierarchie etc.) sind meist mehr oder weniger dieselben.

Beispiele wie Spanien oder Südamerika, die oft angeführt werden, offenbaren das bei näherem Hinsehen sofort. Sicher gibt es auch da Besonderheiten (in Spanien etwa die seit Jahrhunderten bestehende extreme Polarisierung in Fragen der Religion, in Amerika die historische Verquickung der Kirche mit den Diktaturen und das aggressiv missionierende Pfingstlertum).

Und auch gegen die häufig kolportierte Idee, die Zukunft der Kirche liege in Afrika, gibt es berechtigte Vorbehalte. Italien als „Insel der Seligen“ ist seit jeher durch die allgegenwärtige Bigotterie und Doppelmoral disqualifiziert. Selbst in Polen zeigen sich zeitverschoben dieselben Entwicklungen wie bei uns. Usw. usf.

Wer von dem angeblich antirömischen "deutschen Sonderweg" erzählt, weiß oft nicht wirklich, wie es anderswo ausschaut.

Anonym hat gesagt…

@gerd


1. Die Kirche ist kein "Verein" im üblichen Sinn. Diesen Ausdruck, könnte man als unter der Gürtellinie bezeichnen.

Jemand, der nicht an die Mission der Kirche als von Jesus eingesetzter Institution glaubt, kann sie als "Verein" beschreiben, die Definition (Wikipedia) trifft's sehr gut: "...
bezeichnet eine freiwillige und auf Dauer angelegte Vereinigung von natürlichen und/oder juristischen Personen zur Verfolgung eines bestimmten Zwecks, die in ihrem Bestand vom Wechsel ihrer Mitglieder unabhängig ist." Das scheint mir nicht unter der Gürtellinie zu sein, sondern eine recht akkurate Definition der Organisationsform, wenn schon nicht des wahren Wesens der Kirche.

2. "Wer aber nur eines dieser Kinder ein Leid zufügt, dem wäre es besser er wäre nie geboren." (Man beachte: Nie geboren!)
An anderer Stelle wünscht er diesen Menschen einen Mühlstein um den Hals und in die Tiefen des Meeres versenkt. Ist das jetzt unter der Gürtellinie oder wie oder was?

Nein, ist es nicht - das ist eine recht klare Ansage, nicht zu vergleichen mit der Geiferei in manchen Blogs (sorry, ich müsste mich jetzt echt hinsetzen und nachrecherchieren, wer und was das genau war. Ich war relativ entsetzt, auch, weil ich die aggressive Rhethorik für wenig zielführend halte.).

Aber dies alles nur am Rande - wichtig ist mir eigentlich,
a) dass auch früher, bei mehr oder weniger vollständiger Kirchenmitgliedschaft der Bevölkerung, Kirchenmitgliedschaft noch lange nicht mit echter Gläubigkeit gleichzusetzen war und

b) dass sich die Kirchen keinen Gefallen damit tun, die rückgehenden Mitgliederzahlen zu betrauern. Nach allem Anschein wird das noch eine Zeit lang so weitergehen und übrigbleiben wird wahrscheinlich eine Kirche, in der wirklich nur mehr die Mitglieder sind, denen die Kirche und das Christentum tatsächlich ein Anliegen sind. Vom Finanziellen her natürlich unschön, aber sonst durchaus eine Chance!

gerd hat gesagt…

>>Nein, ist es nicht - das ist eine recht klare Ansage, nicht zu vergleichen mit der Geiferei in manchen Blogs (sorry, ich müsste mich jetzt echt hinsetzen und nachrecherchieren, wer und was das genau war. Ich war relativ entsetzt, auch, weil ich die aggressive Rhethorik für wenig zielführend halte.)<<

@anomym

Jemandem einen Mühlstein um den Hals zu wünschen oder es wäre besser er wäre nie geboren, fällt also nicht únter "aggressiver Rethorik"? Das mag verstehen wer will. Für mich ist das sehr aggressiv und ganz nebenbei auch passend.

>>Aber dies alles nur am Rande - wichtig ist mir eigentlich,
a) dass auch früher, bei mehr oder weniger vollständiger Kirchenmitgliedschaft der Bevölkerung, Kirchenmitgliedschaft noch lange nicht mit echter Gläubigkeit gleichzusetzen war..<<

Das war es noch nie und wird es auch nicht werden. Allerdings sind leere Kirchen und Dauernörgler des Papstes auch nicht Zeichen von blühenden Glaubenslandschaften.

>>b) dass sich die Kirchen keinen Gefallen damit tun, die rückgehenden Mitgliederzahlen zu betrauern. Nach allem Anschein wird das noch eine Zeit lang so weitergehen und übrigbleiben wird wahrscheinlich eine Kirche, in der wirklich nur mehr die Mitglieder sind, denen die Kirche und das Christentum tatsächlich ein Anliegen sind. Vom Finanziellen her natürlich unschön, aber sonst durchaus eine Chance!<<

Das mit der Chance sehe ich genauso. Allerdings sollte man schon die Kraft zum Trauern haben, wenn die Menschen in Scharen die Kirche verlassen oder mit derselben nix zu tun haben wollen. Das eine schliesst das andere ja nicht aus.

Anonym hat gesagt…

@ Gerd

"Das mit der Chance sehe ich genauso. Allerdings sollte man schon die Kraft zum Trauern haben, wenn die Menschen in Scharen die Kirche verlassen oder mit derselben nix zu tun haben wollen. Das eine schliesst das andere ja nicht aus."

Ja, das verstehe ich gut. Solang nicht die Trauer zur Erstarrung führt. Die Kirche ist da, soweit ich das beobachte, in einer Zwickmühle. Der halbwegs erfolgreiche Durchschnittsbürger zwischen 25 und 50 braucht sie einfach kaum (es sei denn er oder sie hat Kinder oder Eltern in einer Betreuungseinrichtung in kirchlicher Trägerschaft) und muss sich mit ihr nicht auseinandersetzen. Damit rutscht sie ein Stück unter die Wahrnehmungsgrenze und all das Gute und Wichtige, das ihre Mitglieder und Organisationen tun, auch. Bleiben die medialen Daueraufreger übrig, auch nicht die Beste aller Werbungen. Und so geht natürlich auch ein Pool von engagierten potentiellen Mitgliedern verloren.
Ich weiß auch nicht recht, was die Lösung wäre - das reine Sich-zurückziehen auf konservative Positionen schreckt die meisten wohl eher ab; der Versuch, sich dem Zeitgeist anzupassen, wirkt oft peinlich und nicht sehr authentisch. Und die Botschaft ist halt schon entsetzlich sperrig.

gerd hat gesagt…

@Anomym

>>das reine Sich-zurückziehen auf konservative Positionen schreckt die meisten wohl eher ab;<<

Die Botschaft Jesus ist eben nicht für Nüsse zu haben. Das kann schon mal abschrecken. (Siehe Mühlstein...) Im übrigen wird das Wort konservativ zu inflationär benutzt. Was sind konservative Positionen? Wer bestimmt was konservativ ist und was nicht? Man sollte erstmal eine Begriffserklärung vornehmen und dann, meinetwegen auch fortschrittlich, weiter diskutieren. Aber das würde den Kommentarbereich in diesem Block sprengen.

Jorge hat gesagt…

Na ja, als ob das jetzt so schwer wäre, das Evangelium als Evangelium zu verkünden. Wenn du Jesus als denjenigen darstellst, der die Sache mit den sieben Mühlsteinen gepredigt hat, wird es natürlich eng und "sperrig".

Glücklicherweise sind die sieben Mühlsteine aber nicht der Kern der frohen Botschaft. Jesus hat zunächst einmal nicht sieben Mühlsteine gepredigt, sondern vorbehaltlose Sündenvergebung für Israel. Einzige Bedingung: Umkehr (die hatte schon Johannes angemahnt, der allerdings mit durchaus harscheren Worten als Jesus). Franziskus nennt diese Art Umkehr "Buße" oder "wahre Freude", der Philosoph Schleiermacher spricht vom "Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit", man könnte auch sagen "auf Gott bezogen leben" (und das immer wieder neu). Wer umkehrt und sich für Gottes bedingungslose Vergebung öffnet (das nennt man auch "Glauben"), den kann man mit einem Kind vergleichen: er lebt auf den Vater hin, gehorcht seinem Anspruch, freut sich an seiner Liebe, weiß sich aufgehoben bei Gott.

In diesem Zusammenhang erwähnt Jesus, der gern in Gleichnissen spricht, die Kinder. Dieses "kindliche" Hingegebensein und Aufgehobensein im Glauben, die unschuldige Offenheit eines Kindes, das einerseits von den "Großen" abhängig ist und andererseits nichts Böses von ihnen erwartet, das ist ein Bild, das jeder versteht. Es ist ein Bild für die Gotteskindschaft, das Gottesreich, das der Verkündigung Jesu zufolge (und damit eckte er am meisten an) "schon da" ist und nicht erst durch würdigen Tempelkult und Befolgung des jüdischen Gesetzes "herbeigebetet" oder "herabgeholt" werden muss, wie die meisten frommen Juden meinten.

Wenn jetzt ein schlauer Aufklärer oder Gesetzeslehrer daherkommt und so einem kindlich Gläubigen, der die Rettung eigentlich schon angenommen und "gepachtet" hatte, alle möglichen bösen Wünsche, Zweifel, Relativierungen und Versuchungen ins Herz sät und ihn dazu bringt, die "kindliche" Unschuld des Glaubens aufzugeben und sich von Gottes Liebe abzuwenden, dann sieht Jesus dies als eine der schlimmsten Sünden an, die man überhaupt begehen kann. Es ist eine teuflische Sache, einem Menschen die Zuversicht und die Hoffnung zu rauben, ihm den Funken zu stehlen, der ihn mit Gott verbindet. Es ist, wie wenn du ihm das Herz nimmst und es durch einen Stein ersetzt, wie in dem Hauff'sche Märchen "Das kalte Herz".

So einem bösartigen Menschen, der einem Glaubenden das Vertrauen auf die Rettung nimmt und ihn zum Bösen verführt, wünscht Jesus lieber sieben Mühlsteine um den Hals.

In den polemischen Diskussionen, die Jesus mit anderen Juden führte, bezog sich das insbesondere auf die, die Gottes vorbehaltlose Vergebung für Israel unter falscher Interpretation der Schrift leugnen und die Rede vom angebrochenen Gottesreich ins Reich der Legenden verweisen oder sich darüber lustig machen.

Fazit: Jesus redet schonmal nicht von Abtreibung, sondern vom Glauben. Es ist sicherlich nicht falsch, Jesu Worte in alle möglichen Richtungen auszulegen und anzuwenden, und dieses Wort eignet sich ja tatsächlich *auch* als Warn- oder Mahnwort im Hinblick auf die Perversionen der Wegwerfgesellschaft. Aber es bleibt eine sinnverschiebende Bedeutungsübertragung, und Jesus hat zumindest direkt nichts davon gesagt, dass Abtreibungsärztinnen besser sieben Mühlsteine um den Hals hängen sollten.

Das Wort von den Nüssen stammt übrigens auch nicht von Jesus.

Über das Wort von den Nüssen und den (so gen.) "konservativen" Katholizismus schreibe ich jetzt nichts mehr, sonst wird's zu lang.

gerd hat gesagt…

>>Wenn du Jesus als denjenigen darstellst, der die Sache mit den sieben Mühlsteinen gepredigt hat, wird es natürlich eng und "sperrig".<<

Ich bin ja mit Dir der Meinung, dass die Botschaft nicht auf das Mühlsteingleichnis reduziert werden darf. Die Verkündigung des Evangeliums reduzierte sich aber hierzulande in den letzten 30-40 Jahren auf den Friedefreudeeierkuchenjesus, den es in dieser Form nun mal nicht gibt. Da kann es schon mal vorkommen, das unbedarte Christen, dazu zähle ich mich auch, zu den weniger schönen Gleichnissen greifen um die Wahrhaftigkeit der frohen Botschaft abzuklopfen und dabei das eine oder andere Mal über's Ziel hinaus schiessen. Wohlgemerkt es ist und bleibt eine frohe Botschaft mit ernstem Hintergrund, nämlich die Rettung aller Menschen aus der Abhängigkeit der Sünde. Und diese Rettung ist nicht für "Nüsse" zu haben. Davor steht die Sündenvergebung, immerhin ein von Jesus eingesetztes Sakrament. Jeder der beichtet, (ich bin auch wieder dran) weiß das dies sperrig und unangenehm ist. Nun wird man dies in aufgeklärten Kreisen als konservative Position darstellen. Sollen wir deshalb darauf verzichten? Wohl kaum. Das wäre nicht im Sinne des Stifters der Kirche, der immerhin sein öffentliches Wirken mit dem Hinweis auf Umkehr begonnen hat. Die gilt für jeden. Auch für Abtreibungsärztinnen!

Anonym hat gesagt…

Zum Thema "konservative Positionen" - ich glaube nicht, dass gerade aufgeklärte Kreise heute ernsthaft in Abrede stellen, dass der Mensch geradezu darauf gepolt ist, immer wieder jede Menge Mist zu bauen - und zwar auch willentlich und wider besseres Wissen ("Sünde"!) - und dass es dem Menschen gut täte und wohl anstünde, sich gewisse Grenzen zu setzen ("Gebote"!) und immer wieder bewußt zu prüfen, wie sehr er diese Grenzen einhält ("Beichte").
Nicht, dass das "aufgeklärte Kreise" dazu bewegen würde, in die Kirche und zur Beichte zu gehen, aber inhaltlich überschneiden sich da Positionen. Das Problem der "aufgeklärten Kreise" scheint mir zu sein, dass es sich so schwierig selber Grenzen setzt, dass ein in der eigenen Vernunft begründetes "Du sollst" nicht die selbe Kraft hat wie ein göttlicher Imperativ.