Freitag, 27. Januar 2012

** 17-Hände-Facepalm / Ganzkörper-Headdesk **

Im Internetauftritt eines bunten, bildreichen, täglich erscheinenden, österreichischen Printproduktes mit dem Namen "Österreich" liest sich die Geschichte schon ein wenig harmloser...

Aber die bei den Trafikanten heute morgen ausliegenden Exemplare titelten auf der ersten Seite doch tatsächlich
    Kirche stellt jetzt Ungläubige an den Pranger - Namen in Zeitung veröffentlicht
Okay...

Nochmal zum Mitschreiben: Ein Pfarrer agiert etwas überhastet und veröffentlicht im Pfarrblatt einer 2000-Seelen-Gemeinde in der Jahresstatistik die Namen der Leute, die 2011 aus der Kirche ausgetreten sind.

"Kirche stellt jetzt Ungläubige an den Pranger - Namen in Zeitung veröffentlicht"...


Würden die doch auch in anderen Bereichen mal so schön allgemein titeln...:
  • "Nigeria: Moslems rufen jetzt zum Krieg gegen Christen auf!"

  • "Indien: Hindus rufen jetzt zum Krieg gegen Christen auf!"

  • "USA: Obama ruft jetzt zum Krieg gegen Leben im Mutterleib auf!"

  • "Weltweit: Mainstream-Medien rufen jetzt zum Krieg gegen die Realität auf!"
Oder ist das zu nah am Feuer und daher nicht machbar?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

das bild vom pfarrer auf "oe24" hat was von einem fahndungsfoto...

Alex hat gesagt…

Naja, das eine hat halt mit dem anderen wenig zu tun. Das ist schon ne Indiskretion, die sich nicht gehört. Ich weiß nicht wie es in Österreich ist, aber in Deutschland sind die Adressen der betreffenden bekannt. Ein Brief, der das Bedauern über diesen Schritt ausdrückt mit dem Hinweis darauf, dass in fünf, zehn oder zwanzig Jahren die gleiche (unveränderte!) Kirche bei Sinnkrisen zur Stelle sein wird, wäre hilfreicher.

Alipius hat gesagt…

@ Alex: Das Eine hat mit dem Anderen ALLES zu tun. Die Gewichtung der Berichterstattung in den Medien kann mir zumindest nur noch ein Kopfschütteln abringen. Die offizielle Entschuldigung des Pfarrers wurde übrigens schon in der Gemeinde veröffentlicht.

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Als ehemaliger Datenschutzbeauftragter kann ich einerseits die Bedenken verstehen, vor allem wenn man den historischen Mißbrauch mit Religionszugehörigkeitsinfos betrachtet, andererseits gibt es aber auch gute Argumente dagegen.

Irgendwo wurde erwähnt, daß ja auch Taufen und Verstorbene namentlich genannt werden. Als Gemeinde hat man bis zu einem gewissen Grad ein berechtigtes Interesse zu wissen, wer noch zur Gemeinde dazugehört. In einem Verein fragt man ja auch spätestens bei einer Jahreshauptversammlung nach einer Mitgliederliste, wenn eifrige Vereinsmeier plötzlich über 90% der zur Vorstandswahl Erschienenen nicht kennen. In manchen Dingen ist die Kirche ja auch verpflichtet eine gewisse Öffentlichkeit herzustellen, z.B. Eheaufgebot.

Anonym hat gesagt…

So furchtbar kann ich das Handeln des Pfarrers nicht finden. Ehrlich.

Die Taufe ist ein öffentlicher Akt.
Konfirmation, Firmung, Erstkommunion ebenso.
Und der Austritt nicht?

Wenn jemand austritt, dann meint er doch, gute Gründe dafür zu haben. Sollte er nicht Interesse daran haben, dass möglichst viele von seinem "Nein" erfahren? Er tut es doch bewusst und aus Überzeugung.
Dagegen kann er doch nur etwas haben, wenn er insgeheim möchte, dass andere - nach wie vor - der Meinung sind, er gehörte dazu. Dieses Türchen der Bigotterie sollte man ihm dann aber in der Tat zuschlagen.

Dass man über all das die Überschrift setzten sollte "Und wenn Sie uns morgen oder übermorgen brauchen, wir sind für sie da.", versteht sich von selbst.

Mit "evangelischen" Grüßen,
Christian

Anonym hat gesagt…

Natürlich ist das Geschrei der Medien heuchlerisch. Ausgerechnet die, die von der Öffentlichkeit am meisten profitieren, haben keinen Grund sich aufzuregen.

Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Der Pfarrer hat trotzdem einen Fehler gemacht. Es gehört sich einfach nicht. Punkt.

Jeder Mensch hat ein Recht auf Privatsphäre und ein Recht darauf, ob er seinen Glauben öffentlich macht oder nicht.

Gerade ein Seelsorger müsste das wissen und seine - verlorenen - Schafe nicht ohne Not in Gewissenskonflikte stürzen.

Er kann versuchen, die verlorenen Schafe in die Herde zurückzuholen, aber er sollte es tunlichst vermeiden, diese auch noch an den Pranger zu stellen. Das ist der sicherste Weg, sie endgültig zu verlieren.

Anonym hat gesagt…

"Gerade ein Seelsorger müsste das wissen und seine - verlorenen - Schafe nicht ohne Not in Gewissenskonflikte stürzen."

Welchen Gewissenskonflikt meinen Sie?
Dass er öffentlich wahrnehmbar gern noch dazugehören möchte? Dass er die Lasten der Gemeinschaft nicht mittragen möchte, aber ansonsten ...
Dass er Glauben ohne Glaubensgemeinschaft (und die damit verbundenen Konflikte) möchte?

Alles, was ich mir als Gewissenskonflikt ausmalen kann, passt nicht wirklich zu einem Austritt aus tiefster innerer Überzeugung (ich habe etwas anders als richtig/besser erkannt, lehne das Bisherige aus tiefster Überzeugung ab).

Und wenn es nicht wirklich aus tiefster Überzeugung passiert, dann muß man ihn nicht darin bestärken, indem man es be- bzw. verrschweigt.

... auch aus seelsorgerlichen Gründen.

Oder geht es nicht um seine Seele, sondern nur um den "guten" Ruf im Ort.

Sursum corda hat gesagt…

Den Worten des Vorredners möchte ich mich vorbehaltlos anschließen!