Sonntag, 18. Dezember 2011

Zum heutigen Evangelium

Ich frage mich manchmal, ob das heutige Evangelium, wenn es flüchtig gelesen wird, unsere Erwartungen ein wenig zu hoch steckt.

Der Engel Gabriel überbringt Maria eine Botschaft. In dieser Botschaft klärt der Engel Maria über das auf, was Gott mit ihr vorhat. Es ist ein grandioser Plan, der nicht sofort und nicht leicht zu verstehen ist. Maria aber gibt ihr "Ja!"

Ich habe Christen/Katholiken getroffen, die die Existenz von Engeln anzweifeln, manchmal sogar schlicht verneinen. Ich habe andererseits von Menschen gelesen, die Engel so sehr verehren, daß daneben kein Platz mehr für Jesus Christus bleibt. Hier ist - wie oft im Leben - der Mittelweg der richtige. Natürlich gibt es Engel und natürlich ist der wahre und einzige Empfänger unserer Anbetung unser Herr Jesus Christus. Daß wir Engel und Heilige verehren, ist würdig und recht, aber wir beten sie nicht an, sondern wir beten zu ihnen.

Nun haben wir am Anfang der großartigen Geschichte, von der das Evangelium erzählt, Gott, der Maria für diese besondere Rolle ausersehen hat. Am Ende haben wir Maria, die sagt: "Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast."

Dazwischen liegt Gabriel, der Maria die Botschaft überbringt.

Gott hat für jeden Menschen einen Plan. Und Gott gibt jedem Menschen die Gelegenheit, zu erkennen, was dieser Plan ist. Gott schickt aber nicht jedem Menschen einen Engel.

Es ist nicht so - und hier kommen die hohen Erwartungen ins Spiel-, daß wir eines Morgens aufwachen und auf unserer Bettkante einen Engel sitzen sehen, der uns eine Liste mit Dingen vorliest, von denen Gott sich wünscht, daß wir sie tun.

Dennoch können wir in Erfahrung bringen, was Gott sich von uns wünscht, wofür Gott uns ausersehen hat.

Klappt das auch ohne Engel?

Natürlich. Sonst säße ich nun nicht im Stift Klosterneuburg und bloggte ein kleines Advents-Nachmittagsposting, sondern ich säße in Deutschland, entweder in meiner Wohnung mit Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt oder am Computer im Büro, leicht knurrig, weil mal wieder ein Sonntagnachmittag für einen besonders drängelnden Kunden draufgeht.

Ich habe auch ohne Engel erkant, was Gott sich von mir wünschte. Warum? Ich habe mir die Zeit genommen, möglichst oft in einer Kirche oder auch daheim in mich hineinzuhorchen und abseits von allem Lärm zu erkennen, ob Gott mir etwas zu sagen hat und wenn ja, was das ist.

Und so bin ich in Klosterneuburg gelandet.

Man sollte wirklich - grade auch in der immer panischer werdenden Vorweihnachtszeit - sich diese Momente der Ruhe gönnen. Natürlich wird man, wenn man Gottes Willen erkennt, erst einmal - wie Maria - mit leiser, fragender Skepsis Antworten. Ging mir auch so. "Was? ICH? Kann ja wohl nicht sein? Echt jetzt? Aber wie...?"

Aber das "Wie soll das geschehen?" ist ja keine Ablehnung des Angebotes, sondern eigentlich eher die Bitte an Gott, den Weg noch etwas genauer zu beleuchten, die Zukunft noch etwas konkreter zu malen.

Ich kann jetzt nur für mich sprechen, aber ich denke, es gibt kaum etwas Befreienderes, als zu wissen, wofür Gott einen ausersehen hat. Nicht, weil man sich dann beruhigt seufzend zurücklehnen kann, sondern weil man dann endlich seine Energien dort verpulvert, wo sie eine fette Ernte einfahren.

Also wartet nicht auf Engel (seid aber auch nicht allzu überrascht, wenn Ihr einen trefft. Wie gesagt: Es gibt sie!), sondern hört in Euch hinein und erkennt, was Gott Euch zu sagen versucht. Es lohnt sich!

1 Kommentar:

Dorothea hat gesagt…

Auch mit Engel lohnt sich das Hören, die sind, wie ja auch bei Maria, schließlich nicht immer da mit ihrer Liste. Ich denke es ist auch ein Ausdruck der Freiheit, die uns Gott schenkt, daß er uns nicht ständig drängt, sondern daß er unsere Teilnahme einfordert, ihn zu fragen: Wo gehts lang? Das schließt nicht aus, daß wir gelegentlich auch geschubst werden wenns nötig ist.