Sonntag, 4. Dezember 2011

Zum heutigen Evangelium...

"Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!"

Das ist eine ausgesprochen passende Zusammenfassung des Adventsgedankens, so wie er in unserem Leben umgesetzt werden sollte.

Selbst Leuten, die mit der Kirche und dem christlichen Glauben nicht so arg viel zu tun haben, ist heutzutage noch hin und wieder klar, daß der Advent eine Zeit der Vorbereitung ist.

Die Christen bereiten sich auf die Ankunft des Herrn vor. Sie bereiten dem Herrn den Weg. Der Weg des Herrn sollte idealerweise direkt in das Herz eines jeden Christen führen und nach der Ankunft des Herrn dort auch die entsprechende Wirkung entfalten.

Das heißt, daß wir uns nicht nur für die Dauer einiger Tage an den rotwangigen, niedlichen Jesus-Kindlein erfreuen sollen, die uns aus diversen Krippen ihre Arme entgegenstrecken. Es heißt, daß wir die Botschaft, die dieses Kind verbreitet, wenn es Mann geworden ist, hören und ernst nehmen sollen.

Schließlich ist diese Botschaft von der Menschwerdung Gottes, der Vergebung der Sünden, der Liebe unter den Menschen, der Auferstehung der Toten und der unerschöüflichen Gnade Gottes eine so radikal befreiende Botschaft, daß wir sie nicht einfach ignorieren können und dürfen.

Wer sich Christ nennt, der muß mehr tun, als diese Botschaft auf den Lippen tragen. Der muß sich auch in seinem Handeln nach den Inhalten dieser Botschaft richten.

Wie aber gelangt diese Botschaft überhaupt in unser Herz? Indem wir die Straßen ebnen.

Das heißt, daß wir alles aus dem Weg räumen, was der Ankunft des Herrn und somit auch seiner Botschaft hinderlich ist. Und das ist komischerweise grade in der Adventszeit eine ganze Menge.

In den Kirchen, in den christlichen Zeitungen und in religiösen Sendungen in Funk und Fernsehen wird regelmäßig jedes Jahr darauf hingewiesen, daß der Advent zu einem wilden Konsumspektakel verkommt, und daß pfiffige Geschäftemacher den Weg, der in unser Herz führt, mit zwar kostspieligen aber nicht unbedingt sinnvollen Produkten zustellen.

Die Gefahren sind also bekannt. Aber es fällt nicht immer leicht, diesen Gefahren aus dem Weg zu gehen.

Denn außerhalb der Kirchen, der christlichen Zeitungen und der religiösen Sendungen wuchert die Welt und gestaltet vor unseren Augen die vorweihnachtliche Zeit so, wie sie es für richtig hält.

Nicht umsonst heißt es also zu Beginn des Markus-Zitates: „Eine Stimme ruft in der Wüste“.

Wenn wir auf das schauen, was der Advent eigentlich ist und uns dann überlegen, wie der Advent in unseren Breitengraden gelebt wird, dann können wir nur schließen, daß wir uns in einer Wüste befinden, in der das lebensspendende Wasser unseres christlichen Glaubens immer rarer wird und Stück für Stück durch den klebrigen Sirup einer profithungrigen Kitsch- und Krempel-Industrie ersetzt wird.

Die Wüste ist überall um uns herum. Wir befinden uns mitten in der Wüste. Und doch richtet sich das Wort des Täufers zuerst an uns: Erst, wenn wir Christus in unser Herz gelassen haben, besitzen wir auch die Kraft, Oasen zu erschaffen, in denen die rastlosen, oft wie ferngesteuert wirkenden Menschen des frühen 21. Jahrhunderts eine Ruhe finden, die so alt ist, wie das Universum.

Es ist die Ruhe in den Händen Gottes, die Ruhe der ersten Schöpfungstage, die Ruhe des leeren Grabes, die Ruhe der alles in ihrem Herzen erwägenden Gottesmutter Maria, die Ruhe des monoton neben der Krippe käuenden Ochsen.

Es ist die Ruhe des Lebens, welches andächtig in die Gegenwart seines Schöpfers hineinhorcht, nachdem der Baulärm der Straßeneinebnung verklungen ist.

Daß es uns allen gelingen mag, in den hektischen Tagen der vorweihnachtlichen Zeit immer wieder diese Ruhe zu finden und auch weiterzugeben, dabei helfe uns der allmächtige Gott.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sehr schön, vielen Dank lieber Herr Alipius!

Eugenie Roth hat gesagt…

Ja, sehr schön! Aber (darf ich?) mit Ihrem Adventskalender holen Sie genau diesen Kitsch und Krempel auf Ihr Blog - statt dem hungrigen Leser etwas wirklich Schönes zu bieten. Schade ...

Alipius hat gesagt…

@ Eugenie: SChon klar! Aber ich mache das natürlich nicht, weil ich diesen Kitsch und Krempel unterstütze, sondern weil ich ihn ein wenig vorführen möchte.

Anonym hat gesagt…

Schöner wären aber schöne Gedanken oder Bilder zum Advent.

DANKE

E. Roth

Alipius hat gesagt…

Die gibt's ja anderswo schon...