Dienstag, 27. Dezember 2011

Der Sinn?

Da ich ja am 24. Dezember meine erste Kinder-Christmette hatte, habe ich mich natürlich ein wenig darauf vorbereitet. Ich habe z.B. in ein paar Büchern geblättert, die komplette Abläufe für Kinder-Wortgottesdienste bzw -Messen liefern. Da fand ich in einem Buch von 1972 als erklärenden Text dieses:
    Gerade ein Gottesdienst am Weihnachtstag oder in der Weihnachtswoche darf nicht nur eine Weiterführung des familiären Weihnachtsfestes deutscher Wohlstandsbürger mit Geschenken und Stimmung sein.

    Die Not des kleinen Kindes Jesus scheint auf in der Not der Armen von heute, die neben uns wohnen. Auch die Lieder dürfen darum nicht nur der Stimmung dienen.

    Wenn die Feier szenisch ausgetaltet wird (z.B. mit Krippenspiel), so darf es auch hier nicht unrealistisch zugehen. Der Ton in der Kirche muß die üblichen Erwartungen korrigieren und darum herber sein.
Okay... 1972...

Trotzdem: Humbug!

Erst einmal nervt dieses Studentenbewegungs-Befehlsdeutsch ("Dieses und jenes MUSS so und so sein und DARF NICHT so und so sein...").

Und dann bin ich doch ganz vehement der Meinung, daß dort, wo das Hochfest der Geburt unseres Erlösers Jesus Christus gefeiert wird, auch ein Fest gefeiert werden darf.

Wie Jesus selbst wußte und sagte, haben wir die Armen immer bei uns. Und wer sich an 364 Tagen im Jahr ganz und gar nicht um diese Armen wenigstens ein klitzekleines Bißchen kümmern will, der versündigt sich in der Tat gegen Gott und den Menschen.

Aber diese Not muß nun nicht auch noch krampfhaft in eine Christmette hineingezerrt werden, schon gar nicht in eine Christmette für Kinder.

Die Texte der Adventszeit waren oft von einer Stimmung staunender Freude durchdrungen, von dem auf den Größeren hinweisenden Johannes über die Gott wegen der Heilung eines Gelähmten preisenden Menschen oder den sich über das wiedergefundene Schaf freuenden Hirten bis hin zu der ihr Fiat sprechenden Maria. Und am Weihnachtstag bzw in der Heiligen Nacht muß diese Freude nun auch explodieren.

Weihnachten ist nun mal ein Fest der Freude. Und diese Freude muß auch in der Kirche spürbar werden. Man hört ja in der Adventszeit oft die Frage, ob die Menschen den Sinn von Weihnachten überhaupt noch kennen. Maßlose Materialschlachten und ungehemmte Geschenkeorgien einmal außen vor lassend möchte ich behaupten, daß sie es tun. Denn der Sinn eines Festes und der Sinn der Freude ist doch, daß man sich zusammentut, Lichter anzündet, musiziert, singt, gut ißt und trinkt und sich auch etwas schenkt.

Und so besteht auch der SINN des WeihnachtsFESTES darin, daß man sich in vielen kleineren und größeren Gesten der gegenseitigen Freude vergewissert.

Aber der GRUND des WEIHNACHTSfestes muß natürlich auch bekannt sein. Es ist nicht Weihnachten, weil wir feiern und uns gegenseitig Geschenke machen, sondern wir feiern und machen uns gegenseitig Geschenke, weil Weihnachten ist und wir uns an die Geburt unseres Herrn und Erlösers erinnern. Und da darf man es - finde ich - auch ruhig mal ein wenig krachen lassen.

Ich bin überhaupt kein Freund von Moralaposteln, die zu Weihnachten mit einer Fleppe herumrennen und alles und jeden mies machen, weil in Afrika die Kinder hungern.

Danke. Weiß ich. Werde ich auch nicht vergessen. Aber Weihnachten gehört Christus und meiner Freude über seine Geburt.

Da zünde ich mir dann halt nach dem Essen auch mal eine Zigarre an und gönne mir einen Cognac. Ich bin schließlich immer noch Katholik und kein Puritaner.

Wichtig ist - wie gesagt - daß man für den Rest des Jahres die Botschaft Christi nicht auf den Rücksitz legt und rücksichtslos durch's Leben braust, bis die nächste dicke Feier ansteht.

Kommentare:

Dorothea hat gesagt…

Ah, sehr gut! Wann gibt es den Mitschnitt auf Youtube?

kalliopevorleserin hat gesagt…

Volle Zustimmung.
Wenn Christen zu Weihnachten so richtig lecker essen, werden sie von verschiedenen Seiten vielleicht nicht wörtlich, aber doch sinngemäß "Fresser und Weinsäufer" genannt. Das amüsiert mich immer wieder, und ich verrate jetzt nicht, warum.

Martin J Grannenfeld hat gesagt…

inhaltlich: volle Zustimmung.

sprachlich: hmmm...
am "muss" und "darf nicht" kanns eigentlich nicht liegen, dass der 72er-Text so 68erisch klingt.

Denn, wenn ich HH Alipium zitieren darf:

"Und am Weihnachtstag bzw in der Heiligen Nacht MUSS diese Freude nun auch explodieren ... Und diese Freude MUSS auch in der Kirche spürbar werden ... Aber der GRUND des WEIHNACHTSfestes MUSS natürlich auch bekannt sein."

Was mich an dem Text von 72 stört, ist nicht der Befehlston, sondern die Einschränkeritis: "darf nicht nur", "muss aber mehr". Das ist eine Sprache, die nicht zum Ja Ja und um Nein Nein sagen kann, die sich in fortwährender Relativierung verliert und darum letztendlich gar nichts besagt.

"...ob man dieses Wort dem historischen Jesus zuschreiben kann, kann mit Gewissheit nur dahingehend beantwortet werden, dass als terminus post quem nur ein Zeitpunkt in Frage kommen kann, der nicht länger als..."

Mit einem Wort: Pfaffengewäsch.

Alipius hat gesagt…

@ MJG: Haha! Touché! Ja, dieses Theologen-Geschwurbel ist herrlich neblig. Dennoch muß ich - warum auch immer - bei dieser "Muß... darf nicht..."-Sprache immer zuerst an arbeitskreisende Studenten mit ganz viel Bart und noch mehr Betroffenheit denken (auch, wenn ich dann selbst zum "Muß!" greife).

Anonym hat gesagt…

Ich bin ja bei solchen Dingen gar nicht belastbar. In Tirol passierte es mir einmal, dass kurz vor der Christmette eine junge Frau ans Ambo trat, um erst einmal an die Not der ganzen Welt zu erinnern und daß angesichts dieser Not weder Weihnachtsfreude noch ein Festessen vertretbar seien. Ich bin verärgert aufgestanden und gegangen.