Mittwoch, 23. November 2011

Zwei komische Gründe...

... für die Handkommunion.

Bastian hat auf Echo Romeo erklärt, Warum er die Handkommunion liebt. Ich finde den Text sehr glaubwürdig bzw seine Begründung ziemlich einleuchtend, und ich merke auch, daß da mit der richtigen Einstellung bzw. Ehrfurcht an das Thema herangegangen wird.


Aber es gibt auch Gründe für die Handkommunion, die nicht so wirklich überzeugen. Zwei davon habe ich in den letzten fünf Tagen gehört:

1.) Ein Priester hat seine Gemeinde zur Handkommunion ermuntert mit dem Satz: "Man sündigt mit dem Mund mehr als mit der Hand!"

Okay, aber was heißt das nun konkret? Da sind zwei Teile des menschlichen Körpers, mit denen man sündigt. Mit dem einen (Mund) mehr als mit dem anderen (Hand). Ziel des Kommunionsempfanges ist es aber nun mal, den Leib unsres HErrn letztlich dort aufzunehmen, wo mehr gesündigt wird: Im Mund. Macht es den Empfang der Kommunion nun würdiger, wenn der Leib unsres HErrn voher (vielleicht in einem Akt der Gewöhnung oder Akklimatisierung) erst einmal mit dem Teil des Körpers in Berührung kommt, mit dem weniger gesündigt wird?

2.) Die Mundkommunion kam für jemanden deswegen nicht in Frage, weil das "In-den-Mund-Füttern eines Kindes oder eines Behinderten eine Unfähigkeit des Befütterten" voraussetzt und für einen normalen Erwachsenen daher "zutiefst demütigend" ist.

Da mußte ich mich schon wundern, was den Leuten so alles durch den Kopf schießt, wenn sie entweder den Leib unseres HErrn empfangen oder über die Möglichkeiten dieses Empfanges nachdenken. Glaube, Hoffnung, Liebe, Erlösung, Barmherzigkeit, Opfer, Vergebung etc... Wen schert's, so lange ich nicht durch eine "Fütterung" in den Mund entmündigt werde. Der HErr der Zeit und des Universums verreckt elendigst am Kreuz, damit ich ihn empfangen kann... Okay, genehmigt, so lange ich mich nicht gedemütigt fühlen muß.


Es ist nicht immer einfach...

Kommentare:

Dorothea hat gesagt…

Ja die Argumentation mit der Demütigung habe ich auch schon gehört wenn es um das Knien vor Gott ging. Da fragte man sich dann ob das der eigenen Würde nicht unangemessen sei. Wenn man statt Würde Hochmut sagt kommt man der Sache meines Erachtens bei dieser Argumentation schon näher - und deutlicher wes Geistes Kind diese Haltung ist wird es dann auch.

Anonym hat gesagt…

»zutiefst demütigend« - Oj, wenn meine Liebe mir zärtlich einen Löffel Nachtisch in den Mund reicht, demütigt sie mich damit zutiefst?

Was für einen verquasten Unsinn die Leute gedankenlos nachplappern!

Bastian (Sierra Victor) hat gesagt…

Es gibt auf beiden Seiten etliche recht dämliche Gründe. Manche ergeben im Gespräch, dass sie nur die unglückliche Formulierung für etwas sehr bedenkenswertes sind. Andere sind schlicht doof.

Der erste der beiden hier aufgeführten fällt für mich spontan in die zweite Kategorie. Schon logisch blöde: schließlich bedeutet die Handkommunion, dass Christus erst in meiner Hand und dann im Mund ist, also gleich doppelte Sündhaftigkeit abbekommt.

Den zweiten Grund würde ich nicht so scharf beurteilen. Mir sind viele Menschen begegnet, die beginnen, die Größe der Erlösung zu erahnen, aber sich noch schwer damit tun, dass sie selbst wirklich erlöst sind. Sie haben Angst vor Gott und wären ihm zugleich gerne nahe. Alles, was sie als erniedrigend empfinden, stärkt die fiese innere Stimme, die sagt: "Siehst Du, Gott will dich klein machen. Seine Liebe gibt es nur in der Erniedrigung. Er will, dass du dich scheiße fühlst - dann ist er zufrieden und kommt zu dir." Ich habe erlebt, dass manchmal die „richtige Haltung“ ziemlich apodiktisch und hartherzig eingefordert wird. Mit dem Unterton, wer das nicht begreife, sei ohnehin nicht wirklich in der Kirche. Da kann ich es nur begrüßen, wenn ein Betroffener versucht, sein Selbstbewusstsein zu verteidigen und zu sagen, was er nicht will. Es kann durchaus die Nische sein, in der man Schutz sucht, bis das Herz begreift, dass dieser Schutz nicht nötig ist. Ich wäre sehr vorsichtig, ohne Kenntnis der Hintergründe eine solche Einstellung einfach als falsch abzutun. Und ich muss nur ehrlich in mein Herz schauen, um Etliches finden, bei dem ich um Punkte der Botschaft Jesu oder der Lehre der Kirche einen weiten Bogen mache, weil ich dazu einfach noch nicht reif bin. Ich kann froh sein kann, dass man sie nicht so deutlich von außen sieht, wie meine Einstellung zum Eucharistieempfang.

Was bezüglich des ersten Beispiels natürlich ebenso fragwürdig ist, ist der Umkehrschluss: dass der Mund würdiger sei als die Hand. Das stimmt so selbstverständlich nicht. Aber auch hier bin ich vorsichtig, wenn das jemand verkündet. Oft wird eigentlich gemeint, dass man nichts dadurch profanisieren will, dass man eigene Handlungen zwischen die Eucharistie und sich selbst stellt. Nicht die Hand ist unwürdig, sondern man selbst, und das will man möglichst draußen halten. Nichts eigenes soll zwischen Christus und mir stehen. Diese Haltung finde ich sehr überzeugend. Auch wenn es für mich anders ist, finde ich es faszinierend, auf welche Weise jeder versucht, die Tiefe der Liebe auszudrücken, zu der er fähig ist. Ich bin froh, dass das auf unterschiedliche Weisen möglich ist und versuche, niemanden abzulehnen, der es anders erlebt als ich.

Phil hat gesagt…

Ersteres Argument habe ich fast in umgekehrter Form gehört. Manche Priester der Legios haben Leuten, die die Handkommunion empfangen haben, gesagt "Du willst wirklich mit den Händen, mit denen Du so viele Sünden begingst, den Herrn anfassen?" Auch wenn ich Mundkommunikant bin, hätte ich solchen Leuten gerne geantwortet "Wenn Sie mich fluchen/lästern/einen Witz erzählen hören, wissen Sie warum".

Ernsthaft: Diese quantifizierung der Sünde beim Kommunionempfang ist doch am Thema vorbei. Wenn man die Kommunion würdig empfängt, hat man vorher gebeichtet und ist im Stand der Gnade. Der Liebe Herrgott wird also auch mein Knien zur Mundkommunion nicht als Heuchelei ansehen, nachdem ich jemandem mein Knie direkt in die - aber das ist eine andere Geschichte (die nicht stimmt). In der Hinsicht sind meiner Meinung nach beide Argumente falsch.

Das zweite Argument hörte ich von Luigi Bettazzi mal. Es ist ein ganz, ganz dummes Argument, deutlich schlimmer als ersteres. Denn in dem Empfang des Allerheiligsten geht es ja nu gerade um die Demut. Hart gesagt sollte gerade der, dem die Mundkommunion unangenehm ist, weil er sich dadurch entmündigt vorkommt, diese empfangen (und vielleicht umgekehrt).

Bastian (Sierra Victor) hat gesagt…

Mann, seid Ihr hart!

Johannes hat gesagt…

Das erste Argument, das auch Phil bespricht, ist ein Plagiat. Ich habe es vor vielen Jahren schon bei Hans Urs von Balthasar gelesen, der sich fragte, ob man denn das Allerheiligste ausgerechnet mit jenem Organ empfangen soll, mit dem der Mensch am meisten sündigt. Damit spielte er auf den Jakobusbrief an.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen, dass es in der Tat eine Sache der Erfahrung ist. Seit ich mir die Handkommunion nicht mehr gestatte, kann ich gar nicht mehr verstehen, wie ich sie überhaupt einmal gewohnt sein konnte. Am Anfang ist es ein bisschen eine Sache des Mutes. Dann aber spürt man direkt, dass die Mundkommunion einfach die angemessene Form ist.
Es ist wie mit dem Beichten. Einmal angefangen, versteht man seine alten Gegenargumente nicht mehr.

Lauda Sion hat gesagt…

tzz, Punkt 1 habe ich letztens auch zu hören bekommen. Genau genommen heißt es aber, was aus dem Mund kommt ist unrein, weil es von Herzen kommt, ergo sündigt man nicht mit dem Mund sondern mit/ von Herzen...

Heriger hat gesagt…

Zutiefst demütigend: Ein Pärchen sitzt am Kamin, und die Frau gibt ihrem Allerliebsten eine Praline. Sie reicht sie ihm nicht - sie schiebt sie ihm vorsichtig in den Mund - was für eine Demütigung..oder etwa nicht?

Anonym hat gesagt…

Hand aufhalten: Das ist eine Bettlergeste. Und ich finde sie genau angemessen, wenn man vor Gott steht.

Alipius hat gesagt…

@ Claudia: Gutes Argument!

Anonym hat gesagt…

Also, es hört sich bestimmt blöd an,aber für mich ist der Kommunionempfang per MK tatsächlich eine intime Angelegenheit, bei der ich Vertrauen zum Spender (Priester) haben muss. Ich tue mich bei fremden Priestern sehr schwer mit der MK, denn einige Male habe ich es schon erlebt, dass der Spender irgendwie zurückzuckt oder man merkt, dass es ihm unangenehm ist. In solchen Fällen habe ich Angst, dass die Hostie zu Boden fallen könnte und das wäre furchtbar.
Es ist sogar so, dass ich, wenn ich bisweilen mal die Lesung mache (bei uns sitzen die Lektoren wärend der ganzen Messe im Altarbereich) auf den Kommunionempfang verzichte, weil ich es einfach nicht kann, wenn die Leute mir alle dabei zusehen. Dieses Problem hätte ich bei HK nicht.
lG. M.

Frischer Wind hat gesagt…

Mir ist es ähnlich ergangen wie @Johannes.
Ich stand der Mundkommunion immer sehr kritisch gegenüber bin lieber garnicht als zur MK gegangen (war vielleicht auch besser so).
Nach meiner Bekehrung habe ich dann zum erstenmal (für mich selbst feierlich) die Mundkommunion empfangen. Seitdem ist es für mich undenkbar, zur Handkommunion zurückzukehen. Alles in mir würde sich dagegen sträuben.

Wie Johannes sagt: Erst gehört ein bißchen (viel) Mut dazu, dann aber merkt man selbst, dass die Mundkommunion die angemessenere Form des Kommunionempfangs ist.

Frischer Wind hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.