Sonntag, 6. November 2011

Zum heutigen Evangelium...

    Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit.

    Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht. Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Tür wurde zugeschlossen.

    Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.

    Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

    [Mt 25,1-13]

Vor 2000 Jahren war es in Palästina üblich, daß der Bräutigam seine Braut bei ihr zu Hause abholte und unter dem Geleit von Jungfrauen, welche ihm eine Strecke des Weges entgegenkamen, zu sich nach Hause brachte. Im Hause des Bräutigams fand dann auch die Hochzeit statt.

Es gab nun damals keine Mobiltelefone, mit denen der Bräutigam sein Kommen wenige Minuten vorher ankündigen konnte. Man war also auf eine vage Zeitangabe und auf sehr viel Geduld angewiesen. Je nachdem, wie weit der Weg des Bräutigams war oder wie viele unvorhergesehene Ereignisse seine Ankunft verzögerten, brauchte man unter Umständen als wartende Jungfrau letztlich mehr Öl, als man anfangs dachte.

Somit handelt die Jungfrau klug, die nicht nur warten kann, sondern die sich auch entsprechend auf die längere Wartezeit vorbereitet.

Wie paßt dieses Bild nun in unsere Zeit? Nehmen wir also den Bräutigam als Christus und die Jungfrauen als die gläubigen Christen.

Wir alle warten auf die Wiederkunft unseres Herrn. Vielleicht nicht mehr mit der Inbrunst der ersten Christen, aber immer noch mit der gleichen Gewißheit.

Daß dabei Geduld nottut, leuchtet angesichts 2000 vergangener Jahre ein. Aber Geduld ist nicht alles. Man muß die Zeit des Wartens auch auf solche Art sinnvoll gestalten, daß man, wenn Christus kommt, auch etwas vorzuweisen hat, das dem Augenblick würdig ist.

Im Falle der klugen Jungfrauen ist dies die Extraportion Öl, die sie dabei haben und mit der sie ihre Lampen nachfüllen können.

Man kann sich vorstellen, daß der Bräutigem ziemlich zufrieden war: „Mädels, das habt ihr prima gemacht! Ihr seid nicht nur gekommen und habt die ganze Nacht auf mich gewartet, sondern ihr wart auch so schlau und habt genügend Öl mitgebracht und beizeiten eure Lampen nachgefüllt, so daß meine Ankunft gebührend erleuchtet werden kann und der Weg zum Hause der Braut hell ist.“

Was nun sollten wir „dabei haben“ wenn Christus kommt?

Es gibt Leute, die sagen, das Öl stehe für den Glauben. Ich persönlich bin mir da nicht so sicher. Ich denke, die Anwesenheit der Jungfrauen steht für ihren Glauben. Sie glauben, daß der Bräutigam kommt und deswegen sind sie an Ort und Stelle und warten.

Das Öl, so möchte ich behaupten, steht eher für die Werke. Insbesondere für die Werke, die man angesichts des gegebenen Rahmens als angemessen bezeichnen kann. Was meine ich mit "angemessen"? Nun, dem im Dunkeln eintreffenden Bräutigam wäre wenig gedient, hätten die Jungfrauen z.B. eine Extraportion Nüsse oder einen Vorrat an Boulevardblättern mitgebracht.

Und das ist nun die simple Botschaft, die wir dem heutigen Evangelium entnehmen können: Verbringt die Wartezeit so, daß Christus, wenn er kommt, an Euren Werken erkennen kann, daß ihr wirklich auf ihn gewartet habt.

Sonst kann es uns ergehen, wie den törichten Jungfrauen, wenn Christus sagt: „Ich kann angesichts dieser Werke unmöglich erkennen, daß ihr tatsächlich auf mich gewartet habt. Ich kann euch daher nicht als zu mir gehörend erkennen. Daher kenne ich euch nicht.“

„An Ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“. Ich sehe keinen Grund, warum man dieses Matthäus-Zitat aus dem 7. Kapitel seines Evangeliums nicht auch als Fazit unter das heutige Matthäus-Evangelium setzen soll.

Welches sind aber nun die Taten bzw. Früchte, an denen man uns erkennen kann und soll? Es sind all jene Taten, die erfolgen, wenn man die Weisungen Christi ernst nimmt. Bergpredigt und Seligpreisungen sollten hier – denke ich – als Stichworte genügen.

Daß wir uns immer mit den rechten und würdigen Taten auf die Ankunft unseres Herrn vorbereiten, so daß er uns tatsächlich als jene erkennen kann, die auf ihn gewartet haben, dabei helfe uns der Allmächtige Gott.

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Mein Favorit für das Öl wäre die Gnade Gottes in der wir als Getaufte bemühen sollen. Mit der Taufe haben wir ja schon das Trikot der Mannschaft "Erbsünde" gegen das Trikot der Mannschaft Gottes getauscht, repespektive, die Lampe in der Hand, jetzt müssen wir dieses nur noch rein halten oder aber reinigen lassen, was hier heißen soll, die Lampe immer wieder mit Öl aufzufüllen.

Efoi hat gesagt…

Nach drei Predigten zu diesem Evangelium kurz hintereinander endlich ein Kommentar, der die Zeit wert war!

Braut des Lammes hat gesagt…

Zu einer ähnlichen Deutung wie Tiberius bin ich für mich auch gekommen.

Anonym hat gesagt…

Sollte ich zu denen mit genug Öl gehören, möchte ich auf die ohne Öl zugehen und sagen, wenn ihr mögt, stell ich mich dazu, dann habt ihr es auch bißchen hell.
Sollte ich zu denen gehören, deren Öl aufgebraucht ist, möchte ich mir einen Ruck geben, zu den Umsichtigeren gehen und sagen: Entschuldigt bitte, ich habe nicht genug Öl besorgt. Darf ich mich zu euch stellen? Bei mir ist es so dunkel.