Donnerstag, 24. November 2011

Wie gehabt...

Die schlimmste Form des Klerikalismus herrscht nach wie vor dort, wo man sich sekündlich gegen "Klerikalismus" echauffiert.

Der Artikel ist schon uralt, aber er ist mir damals entgangen, wohl deshalb, weil das Vorprogramm der Freiburger Jugendvigil mit einer so strengen Duftnote daherkam, daß ich mich gerne mit den allergröbsten Informationen über dieses Ereignis zufrieden gab. Von luftgefüllten Mitmach-Stängelchen in den Farben rot und grün hatte ich noch gelesen, und als dann irgendwo "Frau zum Papst" stand, da war's dann gleich mal vorbei mit meinem Interesse.

Nun stieß ich über einen Artikel auf Kreuzfährten nach ein wenig Rumgooglen auf die Nachricht, daß Julia "Frau zum Papst" Niedermayer, KjG-Diözesanrätin aus Freiburg, eben nicht nur gerne eine Frau als Papst hätte, sondern sich notfalls auch mit einem basisdemokratisch gewählten Gremium, in dem es gleich viele Frauen und Männer gibt, zufrieden gibt. Grund ihres Sehnens:
    Der KjG-Vertreterin sei, so sagte sie dem Freiburger Uniradio wörtlich, nicht klar, "warum Männer den wahren Glauben weiterverbreiten dürfen und Frauen nicht".
Klerikalismus in Reinkultur. Da vorne steht ein Mann in liturgischen Gewändern und redet über Gott. Somit gehört er zu der Gruppe von Menschen, die als einzige den wahren Glauben weiterverbreiten dürfen. Nämlich zur Gruppe der Männer. Ganz klar: Auch im Alltag und außerhalb liturgischer Handlungen ist es natürlich nur Männern gestattet, den wahren Glauben zu verbreiten. Sieht man gut an der sogenannten Blogoezese, wo ja auch nur Männer bloggen. Sieht man gut an den geweihten Jungfrauen, welche alle Männer sind. Sieht man auch ganz gut an den Orden, welche seit Menschengedenken nur Männer aufnehmen. Sieht man total gut an den Märtyrern, die sich brav an die Vorgabe halten, daß nur Männer für ihren Glauben das Leben lassen dürfen. Sieht man überhaupt am besten an den Heiligen, denn wann wurde schon jemals eine Frau heilig gesprochen?

Was will Julia Niedermayer uns mit ihren 19 Jahren eigentlich sagen? Ich will mich bei Interpretationen nie gerne allzuweit aus dem Fenster lehnen, aber mein Eindruck momentan ist so ungefähr:
    "Erst, wenn Frauen auch Kleriker sind, werden sie den wahren Glauben glaubwürdig weiterverbreiten können!"
Klerikalismus pur...


Aber mal ganz abgesehen davon: "Basisdemokratisch" gewähltes Gremium mit "gleicher Prozentbesetzung an Geschlechtern"...?

Wilhelm, Theodor und Friedrich gehen in eine Bar. Fragt der Barkeeper: "Was darf's sein?" Antwortet Wilhelm: "10 Bier!" Antwortet Theodor: "Für mich auch 10 Bier!" Antwortet Friedrich: "Für mich 3 Bier!" Fragt der Barkeeper: "Ah! Bist du heute der Fahrer?" Antwortet Friedrich: "Nö, aber wir kommen sonst nicht auf 23 Bier..."

Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

LOL – Hochwürden! ;) Eigentlich ist Frau Niedermayers Aussage aber wirklich traurig. Es ist ihr offenbar bis jetzt nicht in den Sinn gekommen, daß auch sie den wahren Glauben weiterverbreiten darf.

thysus hat gesagt…

"Sieht man gut an den geweihten Jungfrauen, welche alle Männer sind." - Jetzt ist mir klar, warum ich so selten geweihte Jungfrauen als solche erkenne!