Donnerstag, 10. November 2011

Welt, Windhauch und eine Tüte Chips

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich bin eigentlich mit dem Weltuntergang groß geworden. Dritter Weltkrieg hier, explodierende Atomkraftwerke dort, saurer Regen hier, Bevölkerungsexplosion dort, uns auf die Rübe fallende Meteoriten hier, exakt kalkulierte "Ende der Welt"-Termine dort.

Die an einem Datum festgemachten Weltuntergänge haben ja irgendwie schon eine größere Tradition ("Was? Das Jahr 1000 steht vor der Türe? Leute: Kauft Verbandskästen!"), aber der lustvolle Grusel über die von Menschenhand herbeigeführten letzten Augenblicke des Lebens auf unsrem Planeten scheint mir neuer zu sein.

Dabei haben diese Visionen im Kern natürlich alle Eines gemeinsam: Nämlich die simple Tatsache, daß es irgendwann auf der Erde kein Leben mehr geben wird.

Die Frage ist, wie man damit umgeht. Starrt man gebannt-panisch mit einer Dose Bier und einer Tüte Chips in der Hand in die Zukunft, aus der sicherlich irgendwann ein gigantischer Feuerball oder ein noch gigantischerer Atompilz oder ein noch gigantischerer Mutanten-Killer-Hai auf uns zugeflogen kommt, um uns alle zu verschlingen und das war's dann?

Oder wird man ein wenig aktiv und münzt das Wissen über die Endlichkeit dieser Welt um in ein freudvolles und nicht fatalistisches Werben für die andere, die nächste, die bessere Welt?

Alles wirbt, alles will unsere Zustimmung, alles will unsere Stimme. Die Bosse, die ihre Produkte verkaufen wollen, die Meinungsmacher und Pressure-Groups, die ihre Ideen und Ideologien verbreiten wollen, die Politiker, die etwas verändern wollen (aber sich auch nicht wenig um einen Wahlerfolg scheren, der sie erst einmal in die Position bringt, etwas verändern zu können (ob sie sich dann NACH der Wahl noch daran erinnern, daß sie etwas verändern wollten, steht auf einem anderen Blatt)).

Angebotene Produkte, angebotene Ideen, angebotene Veränderungen: All dies sind Dinge, die vergehen werden.

Wir sollten Jesus Christus anbieten, der nicht vergeht und der selbst am Ende aller Tage noch in guter, alter Heiland-Manier gelassen dasteht und auf uns wartet.

Stecken wir nicht den Kopf in den Sand. Stehen wir auf und schreiten wir mutig, freudig, friedfertig vorwärts, um aller Welt zu zeigen, daß unser Glaube kein hippes Produkt ist, welches übermorgen vom noch hipperen Produkt abgelöst wird. Stehen wir auf und reichen wir Hände über alle möglichen Gräben, um der Welt zu zeigen, daß unser Glaube keine Ideologie ist, die zwischen drinnen und draußen unterscheidet. Stehen wir auf und heilen wir Wunden, um aller Welt zu zeigen, daß unser Glaube nicht von einer Partei abhängig ist, welche erst ihre Zustimmung zu geben hat, ob geheilt werden darf oder ob Kugeln fliegen müssen.

Laßt uns mitten unter vergänglichen Dingen Zeichen für das Unvergängliche setzen.

Wie können wir dies tun? Indem wir selbst fest im Glauben stehen und uns nicht von den Stimmen der Welt kirre machen lassen. Denn wenn uns der Glaube trägt, dann haben wir auch nichts zu verlieren, außer dem Glauben. Dann können wir denen, die meinen, alles außer dem Glauben zu verlieren zu haben, das Leben erleichtern. Denn dann können wir ihnen zeigen, daß das, woran sie hängen Windhauch, Windhauch, alles Windhauch ist.

Als ich in Ägypten für einige Minuten ganz alleine abseits von der Gruppe auf dem Gipfel des Mosesbergs saß und mir ein leichter Wind um die Ohren wehte, da hatte ich so etwas wie ein endgültiges "Dein Gott ist tot? Nimm meinen! Denn Christus lebt!"-Erlebnis. Dieser echte, kurze Windhauch hat mit sanfter Macht vor meien Augen alles zerblasen, was pompös, bombastisch und grandios daherkommt und sich erst noch als Windhauch erweisen wird.

Damit hier keine Mißverständnisse aufkommen: Ich bin immer noch ein ganz entschiedener Befürworter weihrauchschwangerer Pontifikalämter in strahlenden Barockkirchen mit allem, was dazugehört. Aber ich bin heute mehr denn je dazu in der Lage, den echten Windhauch von jeder prunkvoll verkleideten Blähung zu unterscheiden und mein Schulterzucken über eine ärmlich-bescheiden in Sack und Asche daherkommende zukünftige Preisterschaft wäre so ehrlich, wie meine kindliche Freude über die drei Meter hohen Mitren und die 5 Kilometer langen Seidenschleppen der vergangenen Kirchenfürstenherrlichkeit.

Momentchen mal... Was will ich eigentlich sagen...?

Ach ja: Lassen wir uns von der Welt und von den Dingen der Welt und vom Fürsten der Welt keine Fesseln anlegen. Wir können hier und jetzt schon einen schwachen Abglanz des Himmels schauen, auf die Fürsprache der Heiligen im Himmel vertrauen und uns vom Herrn des Himmels und der Zeit befreien lassen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Danke.