Samstag, 5. November 2011

Weil's mir irgendwie wichtig ist...

... hole ich mal einen Kommentar von mir zu diesem Posting hoch ins Blog. Hier erkläre ich nämlich meine Einstellung zur (modernen) Kunst (in ganz groben Zügen). Ja, ich riskiere auch, mir 'ne Watsche abzuholen, weil ich Nitsch nicht verdamme, aber sei's drum...


Ich bin sicherlich katholisch, aber kein Kunstverächter (die anderen Leute, die hier bisher kommentiert haben, würden sich sicherlich auch so beschreiben). Ich bin auch kein Kunstbeschränker ("Seit Rigaud/Manet/Picasso/beliebiger anderer Name wurde einfach keine Kunst mehr geschaffen"). Ich kenne haufenweise moderne Kunst, die ich auch als Kunst bezeichne.

Auch habe ich mich nicht so absolut ausgedrückt ("Man muß Kunst sofort erkennen"), sondern habe geschrieben, daß es für mich auch ein Kriterium für Kunst ist, daß man sie sofort erkennt. Dies mag hier und dort nun nicht passieren, aber man kann trotzdem vor einem Kunstwerk stehen und dies auch nach einiger Erklärung oder nach einem gewissen Eindruck, den ein solches Werk hinterläßt, realisieren und akzeptieren. Mir geht es zum Beispiel so bei großflächigen monochromen Werken. Die einschläfernde, hypnotische Stimmung solcher Bilder nimmt mich immer sehr gefangen, aber ich könnte mir so etwas auch im Schaufenster eines Malereibetriebes ansehen. Die Kunst besteht in diesem Falle für mich nicht in dem Werk selbst, sondern in dessen Vermarktung.

Für mich ist in der modernen Kunst mehr als nur ein Exponat fragwürdig. Fragwürdig ist zum Beispiel, wenn Murks hochjubelt und Talent ignoriert wird. Fragwürdig ist die Methode, mit der wir dazu angeregt werden sollen, in einem Akt der Hinterfragung unseres bequemen Trottes Alltagsgegenstände als Kunst zu akzeptieren, nur weil nicht ein Mega-Baumax-Label inkl. Preis dranklebt, sondern ein Schild danebensteht, welches verkündet "Installation des Künstlers XYZ".

Oft ist es doch so, daß grade moderne Kunst uns ausschließlich mit dem bedient, was wir kennen (schmutzige Gummiwannen und Holzlatten mit draufgeschriebenen Worten, Badewannen und Fett, Kaseln und Blut - wobei ich Nitsch eigentlich okay und in seiner Wucht, Dramatik und Schäumerei schon fast wieder katholisch finde) und die Herausforderung - zumindest für meinen Geschmack - sehr verkrampft daherkommt, indem irgendeine "versteckte" Botschaft oder Ebene impliziert wird.

Hut ab vor jedem Künstler (modern oder nicht), der ohne solche Tricks auskommt (oder bei dem solche Tricks funktionieren, siehe Nitsch), aber wo ich nur Gummiwanne und Holzlatte sehe und keine Kunst, da sage ich dem Kaiser dann halt auch, daß er keine Kleider trägt.

Mir geht's hier also weniger um meine Bestätigung (das klingt zu sehr nach Angst vor Zusammenbruch meines Weltbildes, wenn bestimmte Dinge als Kunst akzeptiert werden, und davon bin ich nun wirklich weit entfernt) als darum, daß ich einfach meine Klappe aufreiße und meine (nicht von jedermann geteilte) Meinung kundtue.


In diesem Sinne...

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Das sind sehr klare und unverkrampfte Worte, und ich stimme zu, was das Kunstverständnis betrifft. Allerdings ging es in dem beschriebenen Fall ja im Grunde um etwas ganz Anderes. Denn die weggeputzte Installation war von dem Künstler dem Museum leihweise überlassen, es gab einen Versicherungsvertrag, und die Putzfrau war nicht ausreichend instruiert worden. Da ist es für mich ganz egal, ob ich finde, das ist Kunst oder nicht. Wenn ich einem Museum meinen in Grundschulzeiten mit Füller bemalten Radiergummi leihe und eine Versicherungssumme von dreihunderttausend Euro festgeschrieben ist, und dann kommt die Sekretärin und ersetzt ihn durch einen schön sauberen, neuen Radiergummi - dann habe ich Anspruch auf die Versicherungssumme, ob man dies Exponat nun besonders sinnvoll findet oder nicht.

Alipius hat gesagt…

@ Claudia: Klar, WIE die Sache zustande kam, ist ziemlich haarsträubend.

Frischer Wind hat gesagt…

Apropos Kunst:

Wie wäre es hiermit:
http://rorate-caeli.blogspot.com/2011/11/revolution-continues.html

Ist das jetzt noch Kunst? Oder sogar sakrale Kunst? Irgendwie erkennbar ist es ja...

Ich gebe zu: ich bin bei solchen Sachen irgendwie überfordert ...

Alipius hat gesagt…

@ Frischer Wind: Dabei ist es ganz einfach: Wenn es Kinder nicht zum Weinen bringt, ist es keine sakrale Kunst ;-)

kalliopevorleserin hat gesagt…

Was hingegen Erwachsene zum Weinen bringen kann, hat durchaus Potential, und zwar ganz ohne Ironie.
Ein Zeichen von guter Kunst ist, daß sie auf irgendeine Weise ergreifend ist, daß man vor ihr lachen oder weinen möchte oder beides. Aber das zeigt auch wieder, wie wenig ein Mensch bestimmen kann, was gute Kunst ist - weil eben nicht jedes Kunstwerk jeden Menschen gleich anspricht.

Für mich sind die Fenster von Georg Meistermann solche Werke, da kann ich immer wieder hinschauen und mich ansprechen lassen und nachdenken oder einfach nur staunen (und gerade bin ich fast traurig, nicht mehr in Münster zu wohnen), aber es gibt Leute, die dabei nichts als ein bißchen Glas sehen.