Dienstag, 15. November 2011

Meine kleine Leopoldi-Predigt

Es gibt einige Schnipsel aus anderen Predigten, aber die hatte ich alle nicht in der Stiftskirche gehalten sondern in Floridsdorf.



Wie bereits im letzten Jahr stelle ich auch heute wieder die Frage: Inwiefern kann der Heilige Leopold uns als Beispiel und Vorbild dienen? Ich werde mich heute auf seinen Willen zur Einheit konzentrieren.

Wer sich ein wenig mit dem Leben des Heiligen Markgrafen beschäftigt, der erkennt schnell, daß sein Handeln immer sehr auf die Einheit abzielte, sowohl in der Familie als auch in der Politik, sei es nun die weltliche oder die kirchliche.

Die Einheit ist eine sehr nahe Verwandte des Friedens. Wo kein Frieden herrscht, dort kann es keine Einheit geben und wo keine Einheit ist, dort ist der Friede gefährdet. Dies gilt für kleine Lebensgemeinschaften wie Familien ebenso wie für größere Gemeinschaften wie z.B. ein Verein, eine Firma oder auch ein Chorherrenstift. Und es gilt für die ganz großen Gemeinschaften wie Staaten und auch die Kirche.

Und ebenso wie Friede mehr sein sollte, als die Abwesenheit von Krieg, so sollte die Einheit auch mehr sein als die Abwesenheit von Zweitracht.

Dort, wo es echte Einheit gibt, dort sitzen die Menschen nicht nur tatenlos herum und denken sich „Dum-di-dum... Ich bin so froh, daß keine Zwietracht herrscht“. Nein, sie arbeiten auch aktiv alle zusammen für das Gemeinwohl.

Dort aber, wo keine Einheit herrscht, dort ist die Situation gekennzeichnet durch mindestens eine Person oder eine Gruppe, die nicht für das Gemeinwohl sondern für das eigene Wohl arbeitet und dabei nicht selten dem Gemeinwohl Schaden zufügt.

Eine Vorbedingung und ein Kennzeichen für echte Einheit ist also, daß Teile sich dem Ganzen unterordnen, um so dem Wohl des Ganzen zu dienen.

Damit dies gelingen kann, muß das Ganze so gestaltet sein und sich so präsentieren, daß jedes seiner Teile ohne große Schwierigkeiten erkennen kann, welches letzte Ziel angestrebt ist und welche Handlungsweisen und Richtlinien zur Erlangung dieses Zieles als nützlich bzw. unerlässlich ausgemacht wurden.

Im 23. Kapitel des Matthäus-Evangeliums sagt Jesus den Leuten: "Die Schriftgelehrten und die Pharisäer sitzen auf dem Lehrstuhl des Moses. Tut und befolgt alles, was sie euch sagen; aber nach ihren Werken richtet euch nicht".

Es wird hier eines sehr deutlich: Mögen die Pharisäer und die Schriftgelehrten aufgrund ihrer Werke auch als fragwürdige Charaktere gelten, so ist ihr Reden und Lehren doch gekennzeichnet von göttlicher Weisheit und Wahrheit.

Um die Einheit nicht zu gefährden ist es nötig, nicht auf das Handeln anderer zu schauen und zu urteilen, sondern sich selbst erst einmal die guten und wahren Richtlinien zu eigen zu machen, welche Offenbarung und Tradition als würdig und recht, geziemend und heilsam für ein gelungenes Leben im Dienste Gottes bzw. der Nachfolge Christi festgemacht haben.

"Tut und befolgt alles, was sie euch sagen": Der Eine sagt etwas, der Andere befolgt es. Was liegt dazwischen für eine Bedingung? Der Andere muß hören, was der Eine sagt. Anders wird es nicht funktionieren.

Es geht in diesen Tagen und Wochen ein Phänomen durch die österreichische Presse, von dem sicherlich alle schon gehört haben: Die österreichische "Pfarrer-Initiative" hat einen sogenannten "Aufruf zum Ungehorsam" veröffentlicht, einen Appell an die Leute, nicht auf die Bischöfe oder auf Rom zu hören, sondern ihrem Gewissen zu folgen.

"Ungehorsam": Kein Wort könnte passender sein. Zum "Nicht-Verstehen" konnte man schwerlich aufrufen. Wenn z.B. in dem von der Pfarrer-Initiative aufgesetzten Schreiben die Priesterweihe für Frauen gefordert wird, dann kann jeder interessierte Katholik – vorausgesetzt, er ist guten Willens und an der Einheit der Kirche interessiert – das Apostolische Schreiben ordinatio sacerdotalis aus dem Jahre 1994 einsehen, in welchem folgendes geschrieben steht:
    Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.
Gibt es an diesen Sätzen irgendetwas Mißverständliches? Ich denke, nein. Somit kann die Pfarrer-Initiative also nicht zum Nicht-Verstehen aufrufen. Sie muß zum "Ungehorsam" aufrufen.

Das Wort "Ungehorsam" leitet sich vom Wort "hören" ab. Was die Pfarrer-Initiative also sagt, ist: "Das päpstliche Schreiben ist klar und verständlich. Unsere einzige Chance ist es, die Leute dazu aufzurufen, einfach nicht hinzuhören." Ungehorsam.

Diese Situation ist besonders tragisch, da es sich hier nicht um Leute handelt, die Ohren haben, aber nicht hören bzw zwar hören aber nicht verstehen, sondern weil hier Leute im Grunde den Rat bekommen, von ihrem Gehör gar nicht erst Gebrauch zu machen.

Unfreiwillige Komik schleicht sich ein, wenn die Stimme, die zum Ungehorsam aufruft, nach Dialog verlangt, also um Gespräche, um Reden und Zuhören bittet.

Man lasse sich die beiden Prämisssen bitte einmal auf der Zunge zergehen:
  1. Um die notwendigen Reformen in der Kirche durchführen zu können, muß dringend miteinander geredet werden.

  2. Um den dringenden Bedarf nach dem Miteiander-Reden am besten zu decken, darf man dem Anderen nicht zuhören.
Man versuche, die Schlußfolgerung zu finden, die aus solche Prämissen gezogen werden soll.

Noch kniffliger wird die Lage, wenn man bedenkt, daß jeder, der dem Aufruf zum Ungehorsam nachkommt, im Grunde nichts anderes tut, als Gehorsam zu leisten, nämlich der Stimme, die zum Ungehorsam aufruft.

Daß sich hier der Hund in den eigenen Schwanz beißt, ist offensichtlich. Der Ungehorsam darf nicht als allgemein gültig verstanden werden, sondern bedarf einer Eingrenzung, um wirklich zu funktionieren. Richtig müsste es also heißen: "Aufruf zum Ungehorsam gegenüber dem Papst und den Bischöfen, die nicht so wollen, wie wir".

Wie vor diesem Hintergrund aber die Einheit in der Kirche gewahrt bleiben soll, ist selbst bei noch so eindringlicher und wahrscheinlich auch ernst und gut gemeinter Berufung auf das eigene Gewissen seitens der Aufrufer zum Ungehorsam schleierhaft.

Der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI sagte vor drei Jahren beim Angelus folgende Worte zum Papstamt:
    Die Sendung des Petrus und seiner Nachfolger besteht gerade im Dienst an dieser EINHEIT der einen Kirche Gottes, die aus Juden und Heiden gebildet ist; sein unverzichtbarer Dienst besteht darin, es Wirklichkeit werden zu lassen, daß sich mit ihr nie nur eine einzige Nation, eine einzige Kultur identifiziert, sondern daß sie die Kirche aller Völker ist, um unter den Menschen, die von zahllosen Spaltungen und Gegensätzen gezeichnet sind, den Frieden Gottes, die EINHEIT all derer gegenwärtig zu machen, die in Christus zu Brüdern und Schwestern geworden sind: Darin also besteht die besondere Sendung des Papstes, des Bischofs von Rom und Nachfolgers Petri.

Machen wir uns nichts vor: Die Kraft der Kirche, ihren Auftrag zu erfüllen, hängt unmittelbar von ihrer hierarchischen Struktur ab. Das mag für einige Leute eine schmerzhafte Wahrheit sein.

Aber man bedenke dabei, daß eine Auflösung der Hierarchie nur eines bedeutete: Es ist nicht mehr DER katholische Glaube, der in die Welt getragen wird, um alle Völker zu Christi Jüngern zu machen. Sondern es ist MEIN und DEIN und SEIN und IHR katholischer Glaube, der in Konkurrenz zum jeweils anderen ins Rennen geschickt wird.

Aus dem Magisterium wird so das MEIN-gesterium, und die Menschen wird man dann immer nur so lange und so erfolgreich um sich scharen können, wie man jeder neuen Forderung nachgibt.

Wie aber sagt Jesus im 21. Kapitel des Johannes-Evangeliums: "Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, so laß sie in uns EINS sein, damit die Welt es glaube, daß du mich gesandt hast".

Daß es uns allen immer gelingen mag, in den Fußspuren des Heiligen Leopold zu wandeln, indem wir der Welt durch unseren Willen zur Einheit in Christus und somit auch durch unseren Willen zum Frieden ein Beispiel und Vorbild geben, dabei helfe uns der Allmächtige Gott.

1 Kommentar:

Frischer Wind hat gesagt…

Respekt!
Das war deutlich.