Dienstag, 22. November 2011

** heul... **

Ebenfalls bei Le Penseur stieß ich auf diese Nachricht aus La-La-Land:
    EU-Verordnung: Wasseraufnahme verringert Dehydration nicht

    ...

    Die beiden Wissenschaftler Prof. Andreas Hahn und Prof. Moritz Hagenmeyer vom Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung der Leibniz Universität Hannover hatten das Verfahren angestoßen. Hintergrund ist die sogenannte „Health Claims“-Verordnung, nach der die Verwendung gesundheitsbezogener Angaben zur Bewerbung von Lebensmitteln nur noch dann gestattet ist, wenn sie zuvor per EU-Verordnung zugelassen wurden. Die hannoverschen Professoren hatten einen Antrag auf Zulassung folgender Werbeaussage gestellt: „Die regelmäßige Aufnahme signifikanter Mengen Wasser kann das Risiko einer Dehydration und eines damit verbundenen Leistungsabfalls verringern.“ Die Europäische Kommission hat nun nach mehr als dreijähriger Prüfung durch 21 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der zuständigen Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) in Parma/Italien entschieden, diese Angabe zur Bewerbung von Lebensmitteln wie zum Beispiel Wasserflaschen oder auch wasserreichen Früchten nicht zuzulassen. Sie entspreche nicht bestimmten formalen Vorgaben der Verordnung. Eine nachvollziehbare inhaltliche beziehungsweise wissenschaftliche Begründung für die Ablehnung fehlt nach Ansicht von Hahn und Hagenmeyer in der Verordnung.
Noch Fragen?

Im Vergleich dazu kommt mir einfach alles, was ich kenne, gesund, bodenständig und vernünftig vor.

Kommentare:

Sierra Victor hat gesagt…

Holla!
Jetzt weiß ich endlich, warum ich so viel esse! Es macht nicht satt. Ich habe es jahrelang probiert.

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Was täten wir nur ohne Brüssel?
Wahrscheinlich wäre ich schon wegen meines Mineralwasserkonsums verdurstet,... äh wie?

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Wie ging dieses wunderbare Ferienlagerlied noch:
Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt, daß Marmelade Fett enthält, Fett enthält!

Arminius hat gesagt…

Wie krank muß man eigentlich sein, um in der EUdSSR Karriere machen zu können?

Admiral hat gesagt…

Ich trink jetzt 'ne große Rieslingschorle.
Solange das noch erlaubt ist...

ultramontanus hat gesagt…

Die Darstellung in dem Zeitungsartikel ist allerdings arg manipulativ. Die Begründung, weshalb dieses Sprüchlein nicht auf die Etiketten von Sprudelflaschen gedruckt werden darf, ist schlicht, dass dadurch beim Verbraucher der Eindruck erzeugt werden solle, Mineralwasser/Tafelwasser würde Dehydrierung irgendwie wirkungsvoller verhindern als z. B. Leitungswasser. Das wäre tatsächlich irreführend.

Josef Bordat hat gesagt…

Und was ist mit Bier? - Also: Rein hypothetisch gefragt.

JoBo

Alipius hat gesagt…

@ ultramontanus: Darüber finde ich aber in dem von mir verlinkten Artikel nichts. Hier ist der Inhalt der Werbeaussage, die zugelassen werden sollte: "Die regelmäßige Aufnahme signifikanter Mengen Wasser kann das Risiko einer Dehydration und eines damit verbundenen Leistungsabfalls verringern." Da steht nirgendwo "wirkungsvoller". Es wird ja nicht einmal zwischen Tafel/Mineralwasser und Leitungswasser unterschieden. Es heißt schlicht "Wasser". Jetzt kann man natürlich immer noch sagen "Ja, aber der Eindruck, der erzeugt werden soll!?" Aber dann kann man doch auch gleich fragen, warum Wasser überhaupt in Flaschen verkauft wird, wenn's doch aus der Wand kommt. Das umfaßt doch auch irgendeinen "Eindruck" ("Kauft nicht das Schmuddelwasser aus der Leitung, sondern das tolle, quellfrische, extra für Euch in Flaschen abgefüllte H2O!")...

ultramontanus hat gesagt…

@Alipius: Der Pensör verlinkt den Artikel im Daily Telegraph. Im Gegensatz idw hat der Telegraph auch mit EU-Vertretern gesprochen und bietet ein wenig mehr an Information, wenn auch nicht viel:

»Prof Brian Ratcliffe, spokesman for the Nutrition Society, said dehydration was usually caused by a clinical condition and that one could remain adequately hydrated without drinking water.

He said: “The EU is saying that this does not reduce the risk of dehydration and that is correct.

“This claim is trying to imply that there is something special about bottled water which is not a reasonable claim.”«

Alipius hat gesagt…

Ah, okay. Ich habe das nicht gelesen, sondern habe gleich nach einem deutschsprachigen Artikel gesucht, damit die Leute hier es alle lesen können.

Le Penseur hat gesagt…

@Ultramontanus:

May I draw your attention to the following quotation:

NHS health guidelines state clearly that drinking water helps avoid dehydration, and that Britons should drink at least 1.2 litres per day.

The Department for Health disputed the wisdom of the new law. A spokesman said: “Of course water hydrates. While we support the EU in preventing false claims about products, we need to exercise common sense as far as possible."


Far from being British myself, I nevertheless can agree entirely with above statement.

I hope I have been of service to you and remain

Yours very truly

LePenseur

ultramontanus hat gesagt…

@Pensör: Ich fürchte, ich verstehe nicht was du mir damit sagen willst. Ich sehe da keinen Widerspruch.

Die Genehmigung zum Aufdruck des Werbesprüchleins auf Mineralwasserflaschen und Tafelwasserflaschen wurde offensichtlich versagt, weil »this claim is trying to imply that there is something special about bottled water [im Gegensatz zu Leitungswasser oder so] which is not a reasonable claim.«

Ich dachte ja, als ich deinen Beitrag gelesen hatte (noch bevor Hw. Lippi was dazu schrieb), zunächst genauso an ein Stück aus dem EU-Tollhaus. Nach genauerem Lesen des Artikels des Daily Telegraphs halte ich allerdings inzwischen die Darstellung des Artikels bzw. der beiden Hannoveraner Marketingprofs für irreführend.

Le Penseur hat gesagt…

@ultramontanus:

Sorry, hier geht es nicht darum, daß irgendwer »irregeführt« wird!

Es ist vielmehr so, daß ein klugscheißerischer Haufen von »Experten« beschließt, daß die Möglichkeit besteht, einen Werbetext auf irreführende Weise auszulegen, und deshalb der — offenbar als grenzdebil und in jede Richtung manipulierbar angesehene — Otto Normalverbraucher (zu der nach irgendwelchen EU-
Genderisierungsrichtlinien sicher auch eine macht-Weiblichkeit-sichtbar!-Ottilie Normalverbraucher hinzuerwähnt werden müßte oder wenigstens sollte) »geschützt« werden muß.

»Irreführend« wäre der Text nur dann, wenn er aussagte, daß Leitungswasser nicht (oder weniger gut) Dehydrierung vorbeugte als das Wasser aus der Flasche. Nur genau das steht eben nicht im Text, sondern wird von den bevormundende Nanny-Hirnen unserer berufsmäßigen Um-alles-Kümmerer in Brüssel hinzupräsumiert.

Mit derselben Berechtigung könnte ich auch den Spruch »Obst ist gesund« verbieten lassen, da Obst

1. für Fructose-Intolerante zweifellos nicht gesund ist, und

2. dadurch der Eindruck erweckt werden könnte, daß andere Nahrungsmittel nicht oder weniger gesund wären. Was dann »irreführend« wäre, da Gemüse ja bekanntlich auch gesund ist ...

Wilhelm Theodor Friedrich, kann ich nur sagen!

Jedem dieser beamteten Sesselfurzer sollte eigentlich sicherheitshalber auf beide Handrücken der Warnhinweis tätowiert werden:

»Vergessen Sie nicht, regelmäßig zu atmen!«

Oder, wenn ich mir's recht überlege — ein markiges

F.Y.

wäre für solche Typen eigentlich angebrachter!

P.S.: pardon, wenn ich jetzt etwas meine Contenance verloren habe ...

ultramontanus hat gesagt…

Oh, äh, Pensi, ’tschuldigung. Mir war nicht bewusst, dass du einfach nur mal wieder kräftig ablästern wolltest.

Le Penseur hat gesagt…

@Ultramontanus:

Naja, um bloßes »Ablästern« ging es da eher nicht. Inhaltlich stehe ich voll hinter dem, was ich geschrieben habe, gebe aber zu, daß Formulierungen wie »F.Y.« vielleicht etwas weniger nett sind ...

Th, Koch hat gesagt…

Hier die offizielle Begründung direkt aus der EU-Verordnung:

"Gemäß Artikel 2 Absatz 6 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 ist unter einer Angabe über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos jede Angabe zu verstehen, „mit der erklärt, suggeriert oder auch nur mittelbar zum Ausdruck gebracht wird, dass der Verzehr einer Lebensmittelkategorie, eines Lebensmittels oder eines Lebensmittelbestandteils einen Risikofaktor für die Entwicklung einer Krankheit beim Menschen deutlich senkt“. Nachdem der Antragsteller um weitere Erläuterungen ersucht worden war, gab er als Risikofaktoren für eine Dehydration Wasserverlust im Gewebe und verringerten Wassergehalt im Gewebe an. Auf der Grundlage der vorgelegten Daten kam die Behörde in ihrer der Kommission und den Mitgliedstaaten am 16. Februar 2011 zugeleiteten Stellungnahme zu dem Schluss, dass es sich bei den genannten Risikofaktoren um Messgrößen für Wassermangel und somit um Bestimmungsgrößen für eine Krankheit handelt. Da nicht nachgewiesen wurde, dass ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Krankheit gesenkt wurde, entspricht die Angabe nicht den Anforderungen der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 und sollte nicht zugelassen werden."

Entschuldigung: Aber diese Differenzierung zwischen "Risikofaktor" und "Bestimmungsgröße" vernebelt doch das Offensichtliche: Dass nämlich Wasser gegen Wassermangel hilft, wie die britische Behörde zuttreffend hervorhebt.