Mittwoch, 16. November 2011

Dialog in der Benetton-Werbeetage,...

... oder: Wie bringe ich meine Firma und somit meine Produkte rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ins Gespräch?

Jackie Souleater (Projektleiter Marketing & Kommunikation): "Wir brauchen dieses Jahr mal wieder eine heiße Schocker-Werbung. Das Headquarter war nämlich mit den Umsätzen 2010 nicht so zufrieden"

Toby Sellemcrap (Creative Head): "Na Sex halt, wie immer..."

Souleater: "Weiß nicht... Das kommt irgendwie nicht mehr krass genug rüber. Macht doch heutzutage jeder..."

Sellemcrap: "Okay, dann irgendwas mit Gefühlen. Umwelt oder Toleranz oder Weltfrieden oder so'n Zeugs..."

Souleater: "Ja, gut! Da springen die Leute vor Weihnachten auch eher drauf an!""

Sellemcrap (grübelt)

Souleater (wartet)

Sellemcrap: "Ich hab's!"

Souleater: "Spuck's aus!"

Sellemcrap: "Aaaaaalso... Wir nehmen Bilder von zwei Staatsoberhäuptern oder Regierungschefs und shoppen das Ganze so zurecht, daß es aussieht, als würden sie sich küssen. Dazu noch ein griffiger Slogan, der schön kurz ist aber trotzdem voll ins 'Wir ham uns alle lieb'-Zentrum trifft. Wer genau wen abknutscht ist unwichtig, Hauptsache..."

Souleater: "Komm schon! Mach's nicht so spannend! Bis jetzt bin ich voll an Bord!"

Sellemcrap: "Hauptsache, auf einem Bild küßt der Papst einen hohen Imam. Am besten einen, der kürzlich erst durchscheinen ließ, daß er auf Ratzinger nicht so abfährt!"

Souleater (erbleichend): "Bist du kirre? Dann stürmen die Islamisten zusammen mit den Extrem-Katholen unsere Läden und brennen alles nieder!"

Sellemcrap: "Eben nicht! Wir machen ja nichts gegen Allah oder Mohammed oder so. Ich glaube, die Moslems bleiben da cool. Und die Katholen werden dafür sorgen, daß unsere Kampagne abgeht wie ein Streifenhörnchen! Proteste noch und nöcher und wenn der Vatikan sich beschwert, haben wir im Grunde schon gewonnen. J-E-D-E-R wird dann über die neue Benetton-Reklame sprechen."

Souleater: "Okay, klingt plausibel..."

Sellemcrap: "Und der Knüller ist, daß wir uns dann als total einsichtig und reumütig zeigen können, indem wir das Papst-Plakat zurückziehen und somit auch als Erste der Message nachkommen: 'Friede auf Erden!' Und Benetton schreitet voran!"

Souleater: "Genial! Die werden uns ihr Geld in Schubkarren in die Läden tragen!"

Sellemcrap: "Logo! Die fressen so'n Peace- und Toleranz-Gesülze doch schon seit Jahrzehnten! Die Masche ist vor Weihnachten einfach die sicherste!"

[HT: Elsa]

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich finde es offengestanden gar nicht so wichtig, daß es der Papst ist, der gephotoshopped wurde. Es wäre haargenau so geschmacklos, wenn es jemand anders, vielleicht ein völlig Unbekannter, wäre. Jeder mag sich mal vorstellen, ein gefälschtes Photo von ihm, einen ihm feindlich gesonnenen Menschen küssend, würde zu Werbezwecken ohne sein Einverständnis benutzt.
Geht gar nicht, finde ich. Ob das Opfer eine solchen Werbekampagne nun der Papst ist oder der Hausmeister des örtlichen Sportclubs, ist dabei egal - so darf man nicht mit Menschen umgehen.

Alipius hat gesagt…

@ Claudia: Grundsätzlich richtig, aber mit dem Hausmeister des örtlichen Sportclubs kann man keine Klamotten verkaufen. Das Perfide ist ja, daß Benetton das Streichquartett des Weltfriedens erklingen läßt, obwohl es denen doch nur um den Profit geht.

Martin Johannes Grannenfeld hat gesagt…

Souleater... hihi

kleine Randbeobachtung:
der Papst ist der einzige, der auf den Plakaten mit seinem Titel genannt wird und nicht mit seinem Namen...

Wir sind schon noch Wer!

L. A. hat gesagt…

@Kalliope V. und @Alipius

Stimmt beides!

Sarah hat gesagt…

Tja so wirds wohl gewesen sein! :-((
Es hat immerhin eine ganze minute gedauert bis ich Sellemcrep entschlüsselt hatte...guten Morgen! :-))

Thomas Didymos hat gesagt…

Haben wir es noch immer nicht gelernt?
Die erste Reaktion auf so etwas sollte doch nun wirklich keine Reaktion sein, oder, um es mit Johannes Nepomuck Nestroy zu sagen: "Ned amol ignorieren!"
Alternativ könnte der Heilige Vater natürlich die Firma Benetton für ihren Einsatz für den Frieden loben weil sie so hoffnungsvolle Bilder - Feinde, die einander küssen! - den Menschen nahebringen. Man bedenke die Aussage, die dahinter steckt! Alles ist möglich mit der Liebe, sie kennt keine Grenzen. Keiner der Küsse sieht jetzt wirklich französisch aus, bei keinem ist eine irgendwie geartete (egal ob homo- oder hetero-) erotische Komponente im Vordergrund. Wenn man nur will, dann kann man sich zu jedem der Bilder (ja, ich finde ganz besonders zu dem mit dem Heiligen Vater) auch eine Situation vorstellen, wo die beiden abgelichteten einfach aus Freude darüber, daß sie endlich wirklich Frieden und Freundschaft miteinander gefunden haben sich küssen - wie Brüder.
Gestehen wir der Benetton Werbeabteilung doch zu, daß auch sie den Keim des Guten in sich tragen und das nicht verleugnen können, auch wenn sie sich noch so sehr bemühen. Dann wird zumindest unsere Welt sicher schöner.

Matthias

Charlotte hat gesagt…

Der Schocker-Grad einer Werbung lässt direkte Rückschlüsse auf die Abgestumpftheit der Rezipienten zu. Früher konnte man mit Weniger Aufsehen erregen.

Anonym hat gesagt…

Sehr schön. So oder so ähnlich könnte es in der Werbeetage bei benetton zugegegangen sein. Die beste "Methode", solcher Werbung zu begegnen, ist wohl, sie zu ignorieren, und desweiteren nicht bei benetton zu kaufen. Im übrigen auch nicht bei Aral und anderen Kapitalisten, die offensichtlich nichts von Ethik in der Wirtschaft halten, geschweige denn irgendwelche Achtung vor religiösen Gefühlen haben.

Viele Grüße,
ein Nachtbriefträger