Montag, 21. November 2011

"Aber ich mag den Meisner nicht!"

Das ist mir schnurzegal! Dieses Interview liest du trotzdem!
    Wir stehen als Kirche in Deutschland in der Gefahr, uns selbst überflüssig zu machen, indem wir unser Proprium verlieren, das heißt unser Ureigenes: unsere Identität. Wenn die Kirche zur Welt geworden ist, hat sie der realen Welt nichts mehr zu sagen.

Kommentare:

Catocon hat gesagt…

Schamlose Eigenwerbung:
Heute Abend und Morgen früh veröffentliche ich eine zweiteilige Kommentierung zu diesem Artikel. Könnt gern vorbeischauen.
Ende der schamlosen Eigenwerbung.
Ein wirklich schönes Interview.

F. M. hat gesagt…

Joachim Kardinal Meisner: So deutlich hat der Heilige Vater zu meinem Erstaunen selten in einer Causa votiert und auch die Nachhaltigkeit seines Votums dabei eingefordert. Das war für viele eine große Überraschung.

Ich teile die Überraschung seiner Eminenz. In sehr vielen bisherigen Kirchenkatstrophen war der Heilige Vater erstaunlich milde gesinnt.

Anonym hat gesagt…

Amen! Ich habe zwar sonst noch nie groß was von Meisner gehört, aber den Satz unterstreiche ich voll und ganz!

Josef Bordat hat gesagt…

"Die Kommentarfunktion für diese Seite wurde deaktiviert." - Wie soll ich denn jetzt wach werden? Kaffee?

Im übrigen stimme ich Kardinal Meisner nur bedingt zu. Ich kann mir etwa durchaus vorstellen, dass man den Verlag auch neu aufstellen und dann halten kann. Es ist wichtig, dass es Medien gibt, die katholisch-christliche Positionen verbreiten helfen. Aber - das ist mir schon klar - es geht hier natürlich für uns auch um eine Grundsatzfrage: das gespannte Verhältnis von "in der" und "von der" Welt.

Was mich aber mal interessieren würde: Gibt es eigentlich für die Kirchenfinanzierung in Deutschland einen Masterplan nach vollzogener "Entweltlichung"? Gibt es Modellrechnungen? Was bedeutete eine Unabhängigkeit von der öffentlichen Hand für die Angebote der Kirche? Der Wegfall von Einnahmen aus "weltlichen" Angeboten? Ich meine: Die Schlange vor der Suppenküche oder der Kleiderstation wird ja nach vollzogener "Entweltlichung" nicht kürzer. Was sagen wir dann den Leuten?

Das sprengt hier den Rahmen, richtig. Und ich hab mich auch dazu noch nicht kundig gemacht, auch richtig. Aber vielleicht kannst Du, Alipius, ja ein paar Hinweise auf Studien etc. zu dieser Frage geben.

Herzliche Grüße,
JoBo

Alipius hat gesagt…

@ JoBo: Daß die Kirche in DEutschland tatsächlich schon in BEgriffen denkt wie "nach vollzogener Entweltlichung" kann ich nicht offiziell bestätigen.

Auf der Seite der BDK fand ich dies:

Frage: Ist die Kirche bereit, auf Staatsleistungen dauerhaft zu verzichten?

Antwort: Schon heute treffen die Kirchen und einzelne Bundesländer immer wieder Absprachen über Änderungen und Ablösungen einzelner Staatsleistungen. Die Verfassung geht von einer Ablösung der Staatsleistungen aus. Allerdings hat es bislang, nicht zuletzt wegen der damit verbundenen sehr erheblichen Kostenverpflichtungen, keine diesbezügliche Initiative des Staates gegeben. Die Kirche wird sich einer weitergehenden Lösung nicht verschließen, wenn diese ausgewogen ist. Die Entscheidung liegt bei den einzelnen Bistümern. Konkrete Überlegungen gibt es gegenwärtig nicht.

Josef Bordat hat gesagt…

Danke, Alipius! Ich halte das mit der "Entweltlichung" für sehr ambivalent: Der Abschied von "Privilegien" wie der Kirchensteuer könnte dafür sorgen, dass die Kirche erst recht "unternehmerisch" denken muss (und sich dann auch Verlage wie Weltbild leisten muss, den man jetzt - ohne großes Risiko für das "laufende Geschäft" - verkaufen kann und, so der aktuelle Stand, auch verkaufen will). In Spanien ist das mit dem unternehmerischen Handeln schon zu spüren. Im EB Barcelona kommen rund 10 Prozent der Einnahmen aus reiner Wirtschaftstätigkeit (Verkauf, Vermietung, Verpachtung), weitere 20 Prozent sind Spenden, für die ein entsprechendes Fundraising nötig ist. Der Rest läuft über die Option, eine verpflichtende Sozial-Abgabe der Kirche zuzuwenden. Damit diese Option auch gewählt wird, gibt es Werbung etc. Ob das auch in Deutschland so kommen kann, weiß ich nicht, aber dann stünde im Ergebnis tatsächlich eine noch weniger erträgliche "Verweltlichung" der Kirche: die "Vermarktung" unter den Bedingungen von "Angebotskonkurrenz" und Wettbewerb um "Kunden".

Wenn ich auf meine Pfarrei in Berlin schaue, dann leben wir schon heute wie ein Immobilienverwalter. Zuwendungen vom EBO sind bescheiden, Spenden auch, bleibt V+V plus Substanzabbau. Gespräche in der Gemeinde drehen sich dann um Heizkosten, Dienstleistungsverträge für garantierte Schneebeseitigung und andere Dinge, von denen im Evangelium eher selten die Rede ist. Und wenn dann noch die Kirchensteuer ganz wegfiele, muss wohl über Rochett-Werbung für den Küster nachgedacht werden.

Was ich sagen will: Bei aller verständlichen theologisch-ekklesiologischen Begeisterung müssen wir auch die Realität von Diakonie und Pastoral im Auge behalten.

LG, JoBo