Sonntag, 2. Oktober 2011

Zum heutigen Evangelium

Im heutigen Evangelium geht es recht wild und brutal aber zum Glück auch gleichnishaft zu. Die Nachricht ist klar: Das Reich Gottes wird jenen gegeben, die Früchte bringen.

Früchte bringen...

Wenn man die Gleichnisse des Neuen Testamentes deutet, dann muß man nicht nur die Symbolik verstehen, sondern man ist auch gut beraten, die Erkenntnisse in die jeweilige Zeit zu übertragen, ohne dabei die Essenz der Botschaft zu verwässern.

Zwei Botschaften sind es nun, die in den eben gehörten Zeilen entscheidend sind.

Erstens: Man sollte mit dem Besitz eines anderen Menschen nicht nur sorgsam umgehen, wenn man dazu beauftragt wurde und sich dafür bezahlen läßt. Man sollte auch anerkennen, daß es nicht der eigene Besitz ist und daher keine falschen Ansprüche stellen.

Zweitens: Man sollte sehr gut prüfen, was man verwirft, denn es könnte sich später als großer Schatz erweisen, den man verloren hat.

Wie steht es nun mit der Kirche, welche Christus uns auf Erden hinterlassen hat, um sie zu pflegen und zur Heimat für alle Völker zu machen?

Sind wir als Winzer im Weinberg des Herrn uns immer bewußt, daß wir den Auftrag haben, mit dieser Kirche sorgsam umzugehen?

Wirft man einen Blick in die Massenmedien, so hat es den Anschein, als sei dies nicht der Fall. Grade im deutschsprachigen Raum, in Österreich, in der Schweiz und in Deutschland, herrscht in der Kirche auf vielen Ebenen alles andere als eine schonende Gangart.

Da wird zum Ungehorsam gegenüber den Bischöfen und Rom aufgerufen, Priester werden aufgrund persönlicher oder kirchenpolitischer Vorlieben bedrängt oder hofiert und es werden immer und immer wieder Forderungen gestellt, die mit dem uns gegebenen Auftrag nicht mehr viel zu tun haben.

„Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“

Man sollte den Anspruch ja nicht zu hoch schrauben. Daher gilt meine Aufmerksamkeit hier auch nicht „allen Völkern“ sondern der unmittelbaren Nachbarschaft. In unzähligen Gremien und Ausschüssen und Dialogrunden werden sowohl die Lehre der Kirche als auch die Arbeit ihrer Hirten ständing daraufhin untersucht, ob und wie weit sie mit unseren „modernen Zeiten“ kompatibel sind. Fällt das Urteil negativ aus, wird die nächste Petition, das nächte Memorandum, der nächste Aufruf zum Ungehorsam gestartet.

Das stärkt sicherlich das Sitzfleisch und – im selbst gesteckten Rahmen – sicherlich auch den Selbstwert.

Aber läd es jene, die fern sind von Christus, wirklich dazu ein, sich näher auf unsere Kirche einzulassen?

Stärkt ein solches Verhalten wirklich unser Bewußtsein dafür, daß die Kirche nicht uns, sondern Christus gehört?

Und wird Christus amüsiert sein, wenn er sieht, auf welch vielfältige Art und Weise sein Auftrag an uns fehlinterpretiert wird?

„Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder“

Ja: Für Wunder ist immer noch der Herr zuständig, nicht wir. Wir sind lediglich diejenigen, die den Stein verwerfen und dann blöde aus der Wäsche gucken, wenn er sich als Eckstein erweist und der Bau, den wir alleine und ohne Hilfe des Herrn emporziehen wollten, über unseren Köpfen zusammenkracht.

Machen wir uns nichts vor: Die Kraft der Kirche, ihren Auftrag zu erfüllen, hängt unmittelbar von ihrer hierarchischen Struktur ab. Das mag für einige Leute eine schmerzhafte Wahrheit sein. Aber man bedenke dabei, daß eine Auflösung der Hierarchie nur eines bedeutete: Es ist nicht mehr DER katholische Glaube, der in die Welt getragen wird, um alle Völker zu Christi Jüngern zu machen. Sondern es ist MEIN und DEIN und SEIN und IHR katholischer Glaube, der in Konkurrenz zum jeweils anderen ins Rennen geschickt wird. Aus dem Magisterium wird das MEIN-gesterium, und die Menschen wird man dann immer nur so lange und so erfolgreich um sich scharen können, wie man jeder neuen Forderung nachgibt.

Tut man es nicht, dann wird – schwupps! – die nächste Kirche aufgemacht. Meine oder deine oder seine oder ihre.

Daß wir alle es immer bevorzugen werden, in Christi Kirche zu bleiben, sie pfleglich zu behandeln, ihren wahren Wert zu erkennen und so eine gute Ernte und reiche Fürchte zu bringen, dabei helfe uns allen der Allmächtige Gott.

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