Donnerstag, 6. Oktober 2011

Oder auch...

Wenn Kardinal Lehmann Ideen hat, die nicht überall so richtig gut ankommen, dann finde ich satirische Bildchen, die den Sachverhalt auf die Schippe nehmen, okay.

Was ich weniger toll finde, ist der virtuelle Pranger. Klar, kath.net will informieren und will dies auf eine für seine Leser möglichst leicht verständliche Art tun. Leuchtet ein und ist in Ordnung. Andererseits weiß man bei kath.net aber auch haargenau, welche Art von Reaktionen durch welche Art von Bericht hervorgerufen werden. Die Sprache der Artikel wirkt sich auf den Umgangston in der Combox aus.

Jedermann hat das Recht, aus bestimmten Gründen mit Aussagen von Kardinal Lehmann nicht zufrieden zu sein, aber mal ehrlich: Wenn der Kardinal über "Reformthemen" wie "Diakonat der Frau" und "Wiederverheiratete Geschiedene" nachdenken will, mit der Absicht, später dann in Rom "an die Tür zu klopfen, um dann zu sagen: Das haben wir erarbeitet", muß man dann wirklich im Kommentarbereich rumtoben und mosern und fies sein?

Ich meine, vertraut man Rom so wenig, daß man da Bedarf sieht? Laßt ihn anklopfen und wartet auf die Reaktion! Wenn er abgeschmettert wird, seid Ihr zufrieden. Wenn Rom genau das tut, was Lehmann will, hat Rom gesprochen. Dann müßtet Ihr eigentlich auch zufrieden sein. Es sei denn, man darf nur dann päpstlicher sein als der Papst, wenn man aus der richtigen Ecke ruft.

Man könnte ja auch mal ganz andere Sätze von Kardinal Lehmann bringen, z.B.:
    Sonst kommt mir die Beurteilung eines solchen Papstbesuches vor, wie wenn selbsternannte Zensoren auf einer Strichliste abhaken, was der Schüler geleistet hat und wo er durchgefallen ist. Gegen ein solches Papst- und Kirchenbild müssen wir uns energisch wehren.
Also insgesam fände ich einen etwas zivileren Umgangston mit unseren Bischöfen schon angebracht. Es ist zwar einfach und schön, die Buhmänner zu finden und sich auf sie einzuschießen. Man sollte nur aufpassen, daß das "Heiliger als der!"-Gefühl nicht zum Zweck der Übung wird, denn es gilt immer noch, eine Kirche wiederzubeleben, nicht nur das eigene Selbstwertgefühl.

Kommentare:

Gabriel hat gesagt…

Man könnte zur Sache auch aus diesem http://www.fr-online.de/der-papst-in-deutschland/kardinal-lehmann--der-papst-ist-ein-sehr-sensibler-mann-,10846758,10860040,item,1.html gelungenen und nachdenklichen Interview zitieren:

Aber bewirkt haben Sie nichts.

Dies hat viele Gründe. Seit den 1970er Jahren ist die Ehe als traditionelle Lebensform massiv brüchig geworden. Jedes dritte Kind kommt heute außerehelich zur Welt. Die Scheidungszahlen sind enorm. Das macht es für die Kirche nicht einfacher. Denn wir wollen uns nicht dem Vorwurf aussetzen, „Ihr macht ja bloß nach, was euch die säkulare Welt vorgemacht hat“. Papst Johannes Paul II. hat immer argumentiert: Nur wenn wir das Bewusstsein für eheliche Treue festigen, haben wir auch die innere Stärke für einen neuen Umgang mit Menschen, deren Ehe gescheitert ist. Ohne die gleichzeitige Stärkung des Ehe-Ideals sind Änderungen in der pastoralen Praxis gefährlich, weil sie wie Laxheit aussehen. Das habe ich einerseits gut verstanden. Dies war von Anfang an auch meine Ansicht. Bei aller Klarheit seiner eigenen Positionen hat mich der Papst andererseits immer angehört, wenn ich in manchen Dingen anderer Meinung war. Er hat nie gesagt, „jetzt reicht’s mir, lassen Sie mich endlich in Ruhe!“. Das habe ich an Johannes Paul II. immer ganz besonders geschätzt.


PS. Die unerträglichsten Kommentare auf kath.net kommen übrigens regelmäßig von "Gandalf". Er wird seinen Laden wohl noch einmal gegen die Wand fahren.

Johannes hat gesagt…

Der heilige Thomas hat eins seiner Werke mit der sinngemäßen Aufforderung beendet: Wer etwas dagegen zu sagen hat, der sollte ein Buch schreiben und nicht vor Kindern mosern. Ein Rat, den man sich hinter die Ohren schreiben sollte: Wer was anzumerken hat, der sollte was Konstrutives beitragen. Es muss ja nicht gleich ein Buch sein. Aber die Mittel der Kommunikation waren nie so gut wie heute. Also, ihr Moserprofis: Schafft Euch ein Blog an und schreibt was Gutes, was die Leute verstehen können. Ich werde das jetzt jedenfalls versuchen und etwas über Ehe, Scheidung und Sakramentenempfang bloggen....

L. A. hat gesagt…

@Alipius:
Prinzipiell kann ich den Aufruf zu "zivilerem Umgangston" nur begrüßen, auch zu einem sachlicherm und stilvolleren.
Gut "kath.net" ist die eine Sache, sagen wir mal, die journalistische Performance ist durchaus ausbaufähig, in der Infogewichtung wie in der Form der Darstellung und sehr abhängig vom jeweiligen Autor. Und in der Combox gibt's halt nicht wenige gleich welcher Grund - Ansichten, deren -oft pöbelnde- Posts man schon ungelesen bei Sichtung der Nicks kennt.
Wenn allerdings umgekehrt auch einige Bischöfe ebenso vorhersehbar schematisch agieren wie jetzt Kard.Lehmann, ist das auch Teil des Trauerspiels.
Ich meine sogar, die Hirten hätten es in der Hand, vieles auch im Ton zu verbessern, wenn sie einfach "wie Hirten" sprächen und sich auch so verhielten.
Es sind bei vielen Postern nicht n u r schlechte Manieren,es ist auch viel Schmerz und oft enttäuschte Sehnsucht nach bischöflicher Fürsorge. (wenn aber schon die PPE einigen als "radikale Position" gilt...) Und selbstgerechtes "Strichlistenabhaken" gegenüberdem Papst wurde ja grad wieder eher von einem "Kirchenteil" vorgeführt, dem Kard. Lehmann ja nun nichtfernsteht...
Aber dennoch: mehr Achtung vor dem Herrn geweihter Ämter täte sehr not, auch verbal!Die Weihe setzt sie in seine Nachfolge.
(Sorry für das viele Platzeinnehmen)

PS dennoch @Gabriel:
also den Poster"Gandalf" würde ich überhaupt nicht in "unerträglich" einreihen.

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für diesen gut beobachteten und fairen Bericht - und auch für den Mut, solche "Mißstände" zu benennen. Damit tun sich andere Blogger, vielleicht aus beruflichen Gründen, schwerer.

Die Postings bei kath.net verwundern mich regelmäßig, christlich kann ich an ihnen gar nichts mehr finden.
Und auch die Berichterstattung - bei allem Verdienst, dies sei fairerweise angemerkt - geht so oft in die Prangerichtung, ins Petzen und Diffamieren.
Vielleicht meinen die Betreiber es gut, doch leider weiß ich aus vielen Gesprächen, das ein derartiges "Katholisch sein" an der Kirche Interessierte eher abstößt.

Anonym hat gesagt…

Nicht zu Kard. Lehmann, nicht zu Kath.net, nicht zu Gandalf, sondern zu Kommentarboxen allgemein halte ich nur fest, was viele schon andernorts festgestellt haben:

In der Anonymität der Kommentarbox werden offenbar viele Zeitgenossen und -Innen verführt, ganz sie selbst zu sein. Ob die sich auch gelegentlich Gedanken machen, was mancher haßerfüllte Kommentar über den Menschen, der ihn verfaßt hat, aussagt?

Ich gehe nicht ins Internet mit dem Vorsatz, Jauchengruben zu suchen, aber ich finde sie - leider - oft genug. Gerade Berichte zum Thema "Religion", etwa auf der Internetpräsenz des ORF (aber ganz sicher nicht nur dort!), provozieren Kommentare auf einem Niveau, das jeder Beschreibung spottet. Der Bauch übernimmt, der Kopf bleibt übrig.

Es ist schade, daß auch Internet-Plattformen, die sich selbst als ausdrücklich katholisch verstehen, dieses Problem haben.

Pompous Ass

MC hat gesagt…

Ich muss mich mal outen:
Ich habe mich selbst ebenfalls auf der Kommentarseite ausgelassen. Ein bisschen bitterböse ironisch bzgl. der Bemühungen des Kardinals. Und dazu stehe ich auch, weil ich persönlich die Beiträge des Bischofs Lehmann nicht immer ganz verstehen kann. Allerdings möchte ich nicht behaupten, in der Lage zu sein, seine Gedankengänge immer hintersteigen zu können. Man wird ja nicht Kardinal wegen seines gutes Aussehens.
Allerdings denke ich auch, dass man immer erwägen muss, wo etwas steht. Bei Kathnet ist man eben manchmal ein wenig nachdrücklicher, das wissen wir doch alle. Da muss man sich nicht drüber aufregen, sondern schreibt lieber etwas maßvolleres.
In diesem Sinne Danke an den H.H Alipius

Sierra Victor hat gesagt…

Als Schöpfer des satirischen Bildchens, das „OK“ ist (danke, Alipius) nehme ich auch mal Stellung.
Beim Veröffentlichen hatte ich selbst ein zwiespältiges Gefühl. Ich habe die Petition unterschrieben und so den Bischöfen meine Unterstützung und Solidarität bekundet. Jetzt gehe ich einen von ihnen an.
Ich kann das eigentlich nur tun, weil ich meine, dass in der Kirche derzeit ein Prozess der Neufindung in Gang ist, der sehr polarisiert erfolgt. So wie auch jeder Nichtwähler eine Wahl beeinflusst, ist an diesem Prozess jeder beteiligt, ob er will oder nicht.
In dieser polarisierten Situation erscheint es mir angebracht, Position zu beziehen. Nicht, weil ich meine Position für die wahre halte, sondern weil auch meine Stimme im Chor gefragt ist. Meine Solidarität mit der Kirche ist dabei keine Solidarität mit allem, was derzeit im Chor gesungen wird.
Ich unterscheide zwischen dem Bischofsamt, an dem es nichts zu rütteln gibt, den Personen, die dieses Amt innehaben (und schon deshalb meine Solidarität brauchen, weil es ein äußerst schweres Amt ist) und den Aktionen, die von den Bischöfen in ihrem Amt gestartet werden. Meine Kritik gilt nur dem Letztgenannten: den Aktionen. Auch Kardinal Lehmann hat daher meine Hochachtung, meinen Respekt und meine Unterstützung.
Ich halte es jedoch für ein gefährliches Spiel, Mainstreamforderungen öffentlich aufzugreifen und ihre Verwirklichung in Aussicht zu stellen, wie es hier von Kardinal Lehmann geschieht. Nicht, weil ich etwas gegen den Mainstream hätte und es vorzöge, chronisch gegen den Strom zu schwimmen. Vielmehr deshalb, weil ich die Aufgabe der Kirche nicht darin sehe, die Menschen zu Gott zu führen, und zwar jeden einzeln. Zu Gott kommt man nur einzeln. Das Arbeiten mit dem Mainstream geht jedoch am Einzelnen vorbei. Die Öffentliche Meinung übergeht das Individuum. Wenn Diakoninnen und neue Wege bei der Geschiedenenpastoral das Anliegen eines Bischofs sind, ist die Mobilisierung von Massen kein geeigneter Weg, dorthin zu kommen. Es ist ein Ansatz, der den Blick der Menschen in die falsche Richtung lenkt: als sei es der öffentlichen Drucks und die Mehrheit, die eine kirchliche Entscheidung lenkt. Die einzige Frage, die in kirchlichen Entscheidungen wirklich zählt, ist die, ob etwas von Gott gewollt ist. In einem wirklichen Dialog muss man dem Gegenüber ehrlich sagen, wie es läuft, und nicht mit seinen Bedürfnissen und Wünschen spielen. Ich kritisiere diese Aktion Kardinal Lehmanns daher vehement – aufgrund der in meinen Augen unangemessenen Vorgehensweise. Es erscheint mir wie der Versuch, den gegenwärtigen Prozess in der Kirche dadurch zu besänftigen, den Menschen Sand in die Augen zu streuen, die anderen Bischöfe dafür zu vereinnahmen und mögliche Enttäuschungen durch Rom in Kauf zu nehmen. Das Ziel mag richtig sein – die Mittel sind es nicht. Inhaltlich überlasse ich diese Entscheidung gelassen Rom. Gegen eine Entscheidung, die mich erstaunt, hätte ich nichts einzuwenden; schließlich ordne ich mich Rom unter und nicht Rom mir und meiner Meinung.
Es ist ein Spagat zwischen Offenheit und Solidarität, zwischen gelassenem Schweigen und manchmal erschrockenem Aufschrei, den ich (und dabei bin ich nicht allein) zu leisten habe. Sollte ich den falschen Ton getroffen haben, bitte ich hier die Kirche, den Kardinal und alle Leser um Entschuldigung. Es war in diesem Beitrag nicht meine Absicht, jemanden ernsthaft zu beleidigen, und so wird es auch in meinen weiteren Posts sein.

Alipius hat gesagt…

@ Sierra Victor: Danke für die Stellungnahme! Ich sehe das genau so und finde auch, daß Bischof Lehmann mit seinem öffentlichen Statement sich etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt hat.

L. A. hat gesagt…

@MC
Gegen Ironie als solche ist ja nun wirklich auch nichts einzuwenden.
(M u ß ich jetzt wohl sagen, womit in dem Fall genug gesagt sein soll :-)
Nur diese stereotypen pöbeligen Infights sowohl von Kard. Lehmann -Hassern wie auch seinen Supportern nerven, ziehen von der Sache weg und stören den Austausch zwischen den anderen.
Gut, stimmt, letztlich bleibt nur der Appell an sich selbst, zumal kath.net wohl personell nicht in der Lage zu einer straffen Moderation ist. dort
Oder aufhören zu posten, das überlege ich mir dort in letzter Zeit immer öfter, besonders wieder anch dem Steve Jobs - Nachruf gestern - ohne Kommentar.

Phil hat gesagt…

Ich kann das Dilemma der rechtgläubigen schon an sich verstehen. Da ist man glücklicher Katholik, steht auch dazu in der Öffentlichkeit, respektiert die Hierarchie - und sieht, wie andere, die es eigentlich besser wissen, das nicht tun. Das tut weh und macht traurig, nein, teilweise auch wütend. So viel Verständnis.
Ich denke jedoch, daß bspw. die Kommentatoren auf kath.net oft den Fehler machen, zu stark eine "us versus them"-Mentalität im Kopf zu haben. Wir GEGEN die Welt, GEGEN die modernen Einflüsse in der Kirche, GEGEN das Memorandum. An sich ist nicht viel dagegen zu sagen, und um ehrlich zu sein, mir geht es auch zu oft so. Das Problem ist jedoch, daß der christliche Kampf zwar auch gegen den Teufel ist, aber das sich in einem Kampf FÜR Christus ausdrückt. Also FÜR eine christliche Welt, FÜR eine wahrhaft katholische Kirche, FÜR die Treue zum Lehramt und der Tradition. Denn "die da drüben", oben oder sonstwo sind nicht unsere Feinde. Sie sind Leute, die verschuldet oder unverschuldet wichtige und schöne Wahrheiten über unseren Glauben vergessen haben oder sie gar nicht erst kannten. Unsere Aufgabe ist, diesen doch schönen Glauben, den wir so lieben und als Quelle unseres Lebens sehen, diesen Menschen (wieder) zu geben.

Ich traf vor Jahren mal Pater Josef Herget, ein Priester, der sehr aktiv in der Mission der muslimischen Einwanderer in Wien ist. ER sagte mir "Den Moslem, den muß man lieben. Ihm wurde die Wahrheit über Jesus Christus vorenthalten und er hat ein Recht darauf, sie zu erfahren". Gerade in heutiger Zeit, wo man doch auch oft "chrisliche Identität gegen islamische" denkt (und es dafür leider zu oft auch gründe gibt...) sollte doch dieser Kerngedanke der Antrieb unseres Kampfes sein. Und derselbe Kerngedanke, daß wir doch eben für diese schöne Kirche kämpfen und nicht nur eine Debatte, sondern Menschenseelen gewinnen wollen, sollte der Hintergrund bei jeder sicherlich berechtigten Kritik sein.

Sierra Victor hat gesagt…

Um Himmels Willen!

Ich habe oben geschrieben, ich sehe die Aufgabe der Kirche NICHT darin, die Menschen zu Gott zu führen.
Ich hoffe, niemand hat das bemerkt, denn natürlich tue ich's doch!
Wenn der Herr Alipius das ändern könnte, wäre es prima. Wenn nicht, möge diese Richtigstellung genügen.
Danke.

Alipius hat gesagt…

al Sierra Victor: Da habe ich einfach drüberweg gelesen bzw es richtig verstanden. Ändern kann ich's nicht mehr, aber die Richtigstellung steht ja jetzt hier.