Samstag, 15. Oktober 2011

"Ob jung oder alt, arm oder reich,..."

"... weiß oder farbig, Mann oder Frau: Jeder Mensch soll menschlich behandelt werden!"

"Kein Rassismus, kein Sexismus, kein Nationalismus! Wir wollen nicht Egoisten sein, wir sind füreinander verantwortlich."

"Wir Kinder haben Zukunft, wenn wir immer menschlich bleiben."

"Lasst uns Menschen menschlich sein!"


Diese griffigen Sätze stammen aus dem Stück "Weltethos", vertont vom britischen Komponisten Jonathan Harvey als "eine Art Oratorium mit sechs Teilen", uraufgeführt Donnerstagabend von den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle, mit Texten von - Ihr habt's natürlich längst erraten - Hans Küng. Wie es dazu kam und was die WELT lustiges darüber denkt, liest man hier:
    Die Prunksucht des Vatikans ist Hans Küng schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Gerade Benedikt XVI. wirft er gerne "barocke Prachtentfaltung" und "Glamour" vor. Wozu braucht der Pontifex Samt und Seide, wenn Jesus selbst Armut gepredigt hat? Stimmt schon. Aber was Küng jetzt in der Berliner Philharmonie hat aufmarschieren lassen, ein riesiges Orchester (doppelte Harfen, Celesta, Orgel usw.), Batterien von Schlagzeug, dahinter Chor und Kinderchor, gleich zwei Dirigenten, einer davon ein Weltstar, das alles dürfte auch nicht unbedingt das Ergebnis mönchischer Meditation über Demut und Bescheidenheit gewesen sein.

    Grund für den großen Bahnhof: Küng wollte seine Gedanken in einer zeitgenössischen, abendfüllenden Komposition verewigt sehen. Er hat dafür aus privater Tasche und mithilfe seiner Stiftung Weltethos viel Geld bezahlt. Sonst ist es ja eher so, dass Komponisten sich selber Texte für eine Vertonung aussuchen, aber bisher war Küng dabei offenbar immer übersehen worden, jedenfalls hat der Schweizer Theologe nun gleich selbst einen entsprechenden Auftrag erteilt. Glamour? Prunksucht? Küng muss aufpassen, dass er auf seine alten Tage nicht päpstlicher wird als der Papst.
Naja, zumindest in der Blogoezese hat sich Küng ja schon vor einiger Zeit den Titel Papst Hans I. verdient. Insofern paßt's schon...

Kommentare:

Le Penseur hat gesagt…

Da "Hans" nur die Kurzform von "Johannes" ist, müßte er eigentlich Papst Johannes XXIV tituliert werden. "Nomen et omen" (wie das korrekte Zitat eigentlich lautet, in das regelmäßig ein "s" hineingeschmuggelt wird) ...

Johannes hat gesagt…

Nur könnte, wie ein altes Wort sagt, Onkel Hans kein Papst Johannes werden, weil er dann ja nicht mehr so unfehlbar wäre, wie heute.

Leider. Si tacuisses, Onkel Hans.

Anonym hat gesagt…

Falls jemand noch nicht weiß, wie sich Narzissmus äußert: hier kann er es sehen. Hänschen, schwer vom Pileolusneid gebeutelter Ex-Alfa-cabriofahrer ( ebenfalls ein Zeichen äußerster Bescheidenheit und Askese)leidet sehr schwer am imaginierten Aufmerksamkeitsdefizit der Medien ihm gegenüber-im Gegensatz zu uns, die wir die zwanghafte Zurschaustellung Küngschen Gedankengutes in jedem erreichbaren Käseblatt erdulden müssen. Der Mann ist größenwahnsinnig und eitel bis zum Exzess- schön, daß er das Spektakel mit 2 Dirigenten (Mozart & Beethoven kommen mit einem aus)selbst bezahlen mußte. Wer sich das anhört, hat sicher etliche Jahre Fegefeuer gespart. Kann ihm denn nicht mal jemand ein päpstliches Outfit in Samt & Seide schenken, damit endlich Ruhe ist?

L. A. hat gesagt…

Erstaunlich, wie viele selbsternannte "Messiase" doch nur eingebildete Künstler ohne hinreichendes Talent sind.
Immerhin scheint das so rum angehängte coming out nicht ganz so drastische Gefahren zu zeitigen, als das frühe künstlerische Scheitern das dann erst den Wahn "höherer Auserwähltheiten "zeitigt".
Also dann ganz milde:Hoffentlich reicht das spartanische Professorengehalt auch noch für ein Claqueure, so allein mit Heiner und Uta vor einem Bomabstorchester wär ja irgendwie auch wieder unchristlich.
Mein Tip dennoch: 3 Minuten Kurzform für den Grand Prix D'Eurovision!

Martin Johannes Grannenfeld hat gesagt…

ui, das hab ich, grad in Paris weilend, ganz verpasst.

Von Jonathan Harvey gibt es übrigens auch ein Stück, das eine Art Apotheose des Glockenklangs ist (es heißt "Mortuos Plango, Vivos Voco") - ich selber habs noch nicht gehört, aber mir wurde gesagt, es sei sehr beeindruckend.

Da hat sich Hans Küng wohl den falschen Komponisten ausgesucht... aber was soll der Arme machen, die Komponistengeneration, die seinen Gedanken noch kongenial war, ist inzwischen fast ausnahmslos tot. Ich könnte da allenfalls noch Klaus Huber empfehlen...