Freitag, 7. Oktober 2011

Gute Frage!

Pater Karl Wallner vom Stift Heiligenkreuz im kath.net-Interview:
    Was bleibt von einer Erstkommunionvorbereitung, wo wir Kinder statt auf den Empfang des Leibes Christi auf eine Art Superkinderfest mit inkludiertem Brötchenessen samt einem gewissen Jesus vorbereiten(?)
Örks... Tja, was eigentlich?

Und noch ein schöner Abschnitt, auf den auch Elsa schon aufmerksam gemacht hat:
    Ich erlebe es hier vor Ort in Heiligenkreuz, dass dort wo normal Theologie getrieben wird, wo normal gepredigt wird, wo normal verkündigt wird, wo normal eben das getan wird, was katholisch ist, dass dort ein frischer, lebendiger Geist weht. Das ist keine „Rederei“ vom Pater Karl, sondern das kann man gleichsam „statistisch“ sehen: vom Zustrom zu unserer Jugendvigil bis zu den zahlreichen jungen Berufungen, die Gott uns schenkt. Warum trauen wir uns nicht, unkompliziert katholisch zu sein?! Für mich persönlich kann ich nur sagen: Ich liebe die Kirche, ich stehe hundertprozentig hinter dem Papst und ich möchte ein lehramtstreuer Theologe und gehorsamer Priester und Mönch sein. Und die lebendigen Aufbrüche, die ich um mich herum wie ein Wunder erleben darf, zeigen mir doch deutlich, dass ich damit genau auf die richtige Karte gesetzt habe.
Nun sind wir in Klosterneuburg zahlenmäßig zwar meilenweit von den Novizenlawinen entfernt, die Heiligenkreuz jedes Jahr heimsuchen, aber auch wir dürfen uns über regelmäßigen Nachwuch freuen und meine Erfahrung deckt sich sehr mit der des Paters: Wo ohne großen Firlefanz eine "Say the black, do the red"-Liturgie mit ganz normaler katholischer Theologie/Predigt/Verkündigung angeboten, mit ein paar Streuseln Beichtgelegenheit und einem Sahnehäubchen eucharistischer Anbetung garniert wird, dort sind der Leute viele, und sie sind zufrieden.

Ich habe manchmal den Verdacht, als wüßten die Leute nach einem halben Jahrhundert mißverstandener tätiger Teilnahme gar nicht mehr, was ihnen eigentlich fehlt, und wenn sie es dann entdecken, dann finden sie es dufte, selbst, wenn es etwas so Banales ist, wie eine Heilige Messe, in der es keine Animateure, Pantomimen, Gelegenheitsdichter oder Pappmache-Puppen gibt.

Kommentare:

Montmorency hat gesagt…

Na ja, weil eine Heilige Messe ohne Animateure und Ausdruckstanz eben nichts Banales ist. Es kommt ja vor, daß man sich über einen Erntedank-Gottesdienst so sehr ärgert, daß man nicht mehr reinen Herzens zur Kommunion gehen kann! Schüler der dritten Volksschulklasse, des Lesens noch nicht wirklich mächtig, buchstabieren, ein grosses K auf das Spiderman T-Shirt geheftet: " k, wie Kartoffel. Aus mir werden die leckeren Karoffelchips gemacht, die wir zum Fernsehen essen, Herr, wir danken Dir") Das "Publikum" applaudiert. Herr, schenke uns einen "ungestalteten" Gottesdienst!

Ralf hat gesagt…

Hmm.

Wenn die Leute immer "zufrieden" sind, läuft wahrscheinlich auch irgendetwas falsch ...

Alipius hat gesagt…

@ Ralf: Sehe ich anders. Wenn die Leute mit der Liturgie, so wie sie vorgesehen ist, zufrieden sind, läuft's richtig.

Cicero hat gesagt…

Nightfever zieht Monat für Monat tausende in die Kirchen.
Und? Was passiert da? Messe, Beichte und Eucharistische Anbetung.

Meine heißgeliebte Monatswallfahrt in der Stiftskirche Geseke füllt einmal im Monat die Kirche an einem ganz normalen Donnerstag.
Und? Was passiert da? Messe, Beichte und Eucharistische Anbetung.

Ich schließe mich dem Appell an: Her bewahre uns vor "gestalteter" Liturgie!

Keine Panik, ich mache mir keine Illusionen, daß dadurch allerorten die Massen strömen würden.
Aber sie würden dadurch auch nicht vertrieben.

Matthias R. hat gesagt…

Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, daß die Veränderungen in der Meßordnung durch das II. Vatikanum mitnichten eine Erleichterung für die Gläubigen sind. Im Gegenteil scheint mir die große Aufgabe und Verpflichtung, die eine echte tätige und tatsächliche Teilnahme mit sich bringen, eine gewaltige - vielleicht zu große - Herausforderung zu sein.
Das, was zuvor nur dem Priester aufgebürdet war ist nun auch vom ganzen Volk zu tragen. Es gibt kein Zurücklehnen-und-machen-lassen mehr sondern dadurch, daß ich alles sehe und (sprachlich) verstehe bin ich nicht berechtigt sondern verpflichtet auch tatsächlich tätig und nicht nur mit dem Herz sondern auch mit Verstand und Verständnis teilzunehmen. Das ist ein zweischneidiges Schwert, denn mit der Ehre kommt Verantwortung und die Art, die Intention und die Würde mit der man das Opfer Christi feiert wird man verantworten müssen. Jetzt sind wir Gläubigen weitgehend in die Selbstverantwortung überlassen um die Antwort auf die Frage Christi geben zu können, wie wir mit seinem Leib und Blut den umgegangen sind, das er uns geschenkt hat. Manchmal wünsche ich mir beinahe die alte Ordo Missae zurück um diese Verantwortung nicht tragen zu müssen, aber drücken darf man sich auch nicht.
Der Heilige Geist hat uns Gläubigen durch das Konzil in der Messordnung ein großes Geschenk gemacht und wenn man ein solches Geschenk bekommt muss man dankbar und verantwortungsvoll damit umgehen oder es zumindest nach Kräften versuchen. Der Herr gebe uns Kraft, Verstand und Herz dazu.

Matthias

P.S.: Blogger lässt mich unter name/url nicht mehr meine E-Mail als URL eintragen.
mailto:spameater.mr@gmx.at

L. A. hat gesagt…

@Matthhias R

Sehe ich ganz anders:eher dem Priester ist jetzt viel mehr aufgebürdet, weil er nicht nur strengen Rubriken folgend dem Volk vorsteht, sondern es zudem "entertainen" soll.
Die eigentliche Bürde an sich bleibt diesselbe, diesem Amt vor dem Herrn würdig zu sein: die Bitte darum ist u.a. im Judica Me und zweifachen Confiteor der "alten" Messe aber schon Teil der Liturgie und das Volk betet meist still und innig für ihn mit.
Von wegen: "den Priester mal machen lassen"! (die meisten Gläubigen kennen dort die einzelnen Meßtexte oder lesen sie mit!)
Das ist doch genau das Merkmal der "Kreativmessen", zumal wenn in der Neuen Messe auch noch "ex populo" (!) zelebriert wird!

Ansonsten Zustimmung @Cicero u.Alipius

Thomas Didymos hat gesagt…

Zunächst: bitte über den Namenswechsel nicht verwirrt sein - ich habe mich jetzt doch endlich dazu durchgerungen ein Google-Konto zu eröffnen um auch hin und wieder krauses Gedankengut in die Menge zu werfen.
So, Ladies and Gentlemen, this is the artist formerly known as Matthias R.

@L.A.
Ich hatte nichts über die Belastung des Priesters geschrieben. Tatsächlich ist die Mehrfachrolle, die ihm hier zugewiesen ist eine schwierige, auch wenn ich das Wort "entertainen" nicht gelten lassen kann - das ist sicher keine der von der Ordo Missae beabsichtigten Aufgaben.
Ich bezweifle nicht, daß alle, die heute die Messe in der außerordentlichen Form besuchen dies äußerst andächtig, bewusst und aufgeklärt tuen. Eine solche "participatio actuosa" ist natürlich immer möglich gewesen und nicht erst nach dem II. Vatikanum. Nach allem, was mir von Kennern der alten Ordo Missae aber berichtet wurde war es (und ist es wohl noch immer) möglich einfach nur betend anwesend zu sein. Die tätige und beinahe priesterliche Teilnahme ist nicht zwingend notwendig. Das hat sich geändert. Durch die ständige erzwungene Beteiligung ist es nicht unbedingt leichter geworden tatsächlich andächtig zu sein. Es ist eine Herausforderung an die Gläubigen die auf eine ganz andere Art mit dem Priester vereint jetzt das Opfer feiern sollen und - das ist offensichtlich geworden - es ist sehr schwer dabei nicht zu vergessen, daß man selbst nicht geweihter Priester ist. Die Einordnung der eigenen Rolle, das Finden meines Platzes im Ganzen sehe ich für mich sehr viel schwieriger. Das ist eine Herausforderung, doch eine solche wird uns nicht ohne Grund gestellt. Ich vertraue darauf, daß wir etwas gutes und richtiges erreichen, wenn wir uns der Aufgabe ernsthaft und verantwortlich stellen.

L. A. hat gesagt…

@Thomas Didymos
Danke für Antwort und Korrektur.
Vorweg: "Entertainen" war überspitzt plakativ und ich weiß, daß dies nicht Absicht der Liturgiereform war und auch, daß es ganz anders geht,leider ist die Praxis nicht selten anders.
Pius X. hat sinngemäß eine andächtige, aber gerichtete Teilnahme gefordert, die nicht immer strenge"Engführung"sein muß. So erlaubte er individuelle Gebete insoweit, als daß man der Meßhandlung noch folgen kann und andere nicht stört. Man muß nicht "buchstabengetreu" mitbeten, aber soll mit dem Geschehen im jeweiligen Meßteil "mitschwingen", Anteil nehmen, es vergegenwärtigen. Dabei hift im alten Ordo der bruchlos auf das Meßopfer hinzielende Zug und auch die häufige Stille selbst im Hochamt.
M.Mosebach sagte, die Feier der alten Messe sei ein lebenslanges Üben,dem stimme ich zu.
Ich persönlich kann dem neuen Ordo nur aufgrund dieser Übung folgen. Es kann sicher ganz würdig zelebriert werden, aber dieser "Herausforderung" hätte es für mich nicht bedurft, tät diese pausenlose äußere Aktivität, in die manchmal allenfalls Momente der Stille "einfefügt" werden.
Und auch die Veränderungen von Texten und Gewichtungen der Meßteile sind fürmich oft befremdlich und überfordern mich in der Tat.(ich kann hier nicht ins Detail gehen)
Ohne abzuwerten zu wollen, diese in der Kirchengeschichte einmalige Revolution, hätte es nicht gebraucht. Es hätte gereicht, in den Gläubigen das Feuer und das Licht des Bewußtseins zu entzünden, um die verbreitete Erstarrung der Liturgie nach dem Krieg aufzulösen. Es ist kein Zufall, daß Benedikt XVI die Papstmessen wieder so dicht als möglich an die alte Form herangeführt hat und das M. P. S. P. 2007 erließ.