Montag, 10. Oktober 2011

Das Wesentliche

In der heutigen PRESSE gibt es einen Gastkommentar von Karl Vogler, der in den 70er Jahren Präsident der Katholischen Elternvereine Österreichs war.

Unter dem Titel Kirchendebatte: Es geht nicht um Glaubensfragen schreibt er:
    In der jetzigen Kirchendebatte – ich sehe darin keineswegs einen „Streit“ – wird über alle möglichen Dinge debattiert, angefangen vom einzelnen Reizwort „Ungehorsam“ bis zur angedrohten Dispensierung der angeblich „aufmüpfigen“ Pfarrer.

    In dieser Diskussion fehlt mir aber das Wesentliche. Das Wesentliche der katholischen Glaubenslehre sehe ich in der Feier der Eucharistie, des Abendmahles. Mir ist nicht bekannt, dass dieses Wesentliche heute nicht mehr gilt.

    Ist die Eucharistie aber das Wesentliche und der Mittelpunkt, dann müssten alle anderen Überlegungen, Lösungsvorschläge und Ideen sich diesem Wesentlichen unterordnen. Mit anderen Worten, es müssten alle Varianten erwogen werden, um allen Christen wenigstens am Sonntag die Möglichkeit zur Eucharistiefeier zu geben.
So weit, so gut.

Es folgen nun Überlegungen, wie dieses Szenario erreicht werden kann. Und da wird's dann doch wieder hausbacken, mit verheirateten Priestern und dem Priestertum für Frauen.

Kein Wort darüber, daß man die Gläubigen besser über die Sakramente unterrichten könnte. Kein Wort darüber, daß man junge Männer, die sich zum Priestertum berufen fühlen, in ihrer Identität stärken muß anstatt sie durch Forderungskataloge und wirre Zukunftsszenarien zu verunsichern. Kein Wort darüber, daß - wenn es wirklich ums Wesentliche geht - vielleicht auch ein regelmäßiges Gebet für Priesterberufungen mal wieder eingeführt werden könnte. Gebete werden erhört. Sie müssen nur erst einmal gesprochen werden. Mir ist nicht bekannt, daß dieses Wesentliche heute nicht mehr gilt.

Kommentare:

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

In der Aussage des Herrn Vogler liegt schon sein Irrtum begründet:
"Das Wesentliche der katholischen Glaubenslehre sehe ich in der Feier der Eucharistie, des Abendmahles."

Also ich kenne nur ein Abendmahl pro Jahr und zwar am Gründonnerstag. Die dogmatische Reduktion des Meßopfers auf das Abendmahl ist in meinen Augen ein mitursächlicher Hauptgrund, warum in der Kirche über Priestermangel geklagt wird, und dabei der noch stärkere Rückgang an Kirchgängern übersehen wird.

Aus diesem Gründen entwickele ich inzwischen auch eine Aversion gegen die "Eucharistiefeier" als Begriff, denn sie bemäntelt nur mit einer katholisch klingenden Vokabel den oft eigentlich gemeinten Begriff des Abendmahles. Die alten Begriffe der Vormesse und Opfermesse statt Wortgottesdienst und Eucharistiefeier geben viel klarer über die Gewichtung und den Inhalt Auskunft als man heute noch theologisch ertragen könnte, wie mir scheint.

Le Penseur hat gesagt…

Zur Info: wie ich in der Kurier-Lektüre in meinem Stammbeisl feststellte, wurde in der Print-Ausgabe der Artikel offenbar gekürzt und kommt ohne Frauenordination aus.

Thomas Didymos hat gesagt…

Ach je, hast Du den Mist auch gelesen. Erst fordern, daß alle Varianten erwogen werden um dann ein paar ganz neue Möglichkeiten ins Spiel zu bringen. Oh welch ein Glück für uns von solcher Weisheit erleuchtet zu werden. Unser Horizont ist jetzt sicher ein geweitet ob der verkündeten Neuigkeiten. Und die vordringlichsten Probleme der Menschheit wurden zum Glück auch angesprochen.

@Marcus (dem mit dem 'c')
So schlimm ist es mit der Herabsetzung der Messe auch nicht. Ich kenne, schon ob meines Alters, nichts anderes als die neue Ordo Missae, bin mit ihr bereits aufgewachsen und es ist mir völlig klar, daß es sich bei der Eucharistie um ein Opfer handelt und zwar um ein mindestens so erschreckendes und archaisches als würde ein Tier geschlachtet, der Altar mit dem Blut besprengt und dann das Fleisch gegessen. Man bedenke: wir essen tatsächlich Christi Fleisch und trinken sein Blut. An dieser Realpräsenz und ihrer Bedeutung hat sich nichts geändert und es ist auch heute noch Gläubigen durchaus möglich und zuzumuten das zu Verstehen und zu Begreifen. Wenn ich das kann, dann können es andere auch.
Etwas anderes hat sich aber leider in den letzten Jahrzehnten geändert: Es gibt kaum mehr Katechese. Man kann die Eucharistiefeier genausowenig ohne Katechese verstehen wie die Opfermesse. Es bekommt nicht jeder Gläubige die göttliche Eingebung auf übernatürlichem Weg eingeflößt sondern für den in der Welt existierenden Menschen hat sich Christus einen in der Welt existierenden Leib geschaffen - die Kirche - und den benutzt er um uns zu lehren. Die Kirche ist es, die Christus in die Welt bringt so hat er es gewollt und nicht anders. Das wird oft übersehen. Die Anleitung, die man zur Eucharistie erhält ist für gewöhnlich mit der Erstkommunionsvorbereitung vorbei, wenn sie da denn stattgefunden hat, für eine gute Firmvorbereitung muss man schon Glück haben und Katechesen für Erwachsene sind rar. Aus der Unwissenheit ergeben sich dann die erstaunlichsten Auswüchse und es ist wohl die meistens einfach Unwissenheit, die Menschen dazu bewegt sich selbst maßlos zu überschätzen. Viele wissen ja noch nicht einmal, daß es da etwas gibt, was sie nicht wissen.

Alipius hat gesagt…

@ Le Penseur: Also ich habe den Artikel in der PRESSE und nicht im KURIER gelesen und da steht's drin.

Gabriel hat gesagt…

@ Marcus: Bitte nimm's nicht persönlich... :-) Aber du lieferst gerade ein Beispiel dafür, dass etwas größere Vorsicht nie schaden kann. Immerhin sagst du aber selbst: "wie mir scheint." :-)
Guckst du hier: http://books.google.com/books?id=6k8GGwkpf6UC&hl=de&pg=PA451#v=onepage&q&f=false War Scheeben etwa vom pöhsen Protestantismus angekränkelt? Immerhin kommt auf S. 489 einmal das Wort "Meßopfer" vor... ;-)
"Eucharistie" war immer schon das gebräuchliche Wort in der katholischen Theologie. Ist etwa der Römische Katechismus von Luther inspiriert? http://books.google.com/books?id=kz88AAAAcAAJ&hl=de&pg=PA169#v=onepage&q&f=false Dort auf S. 171 übrigens die Frage "Qua ratione idem Sacramentum viaticum et coena dicitur". Schließlich hier das berühmte Dekret des Tridentinum selbst: http://books.google.com/books?id=mTc8AAAAcAAJ&hl=de&pg=PA69#v=onepage&q&f=false
Lieben Gruß! :-)

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

@Thomas Didymus:

Wie Du selbst sagst, liegt die Katechese im Argen, das ist auch mein Eindruck. Ich behaupte nicht, daß die von mir beobachtete Reduktion von Rom ausging, sondern in vielen Pfarreien Realität ist. Hier hat also nicht das höchste Lehramt seine Auffassung geändert, sondern es interessiert keinen, was Rom verkündet.

Meiner Kenntnis nach gibt es Pfarreien, in denen bei der Vorbereitung auf die Erstkommunion, die Erstbeichte unterbleibt, weil sie nicht ins Katechesekonzept paßt. Meines Wissens gibt es dazu auch ein Schreiben aus Rom, daß diese Praxis verbietet, vielleicht kann einer der studierten Theologen hier einen Link liefern.

Aus verschiedentlichen Berichten weiß ich, daß Erstkommunionkatecheten in einigen Pfarreien recht wahllos zugelassen werden (evangl. Elternteile oder wiederverheiratete Geschiedene etc), Hauptsache man bekommt die nötige Anzahl zusammen, damit die Gruppen nicht zu groß werden. Ich habe Mitte der 90er Jahre einen Kaplan am Tag der Erstbeichte vor der Kirche getroffen, der kurz vor einem Nervenzusammenbruch war, weil eine der „Kommunionmütter“ sich dahingehend äußerte, daß sie keine Ahnung habe, was das mit der Erstbeichte soll, Minuten bevor diese losgehen sollte, und sie diejenige gewesen wäre, die die Kinder inhaltlich hätte vorbereiten sollen. Er befürchtete zu diesem Zeitpunkt, daß die ganze Gruppe nicht am Weißen Sonntag teilnehmen könnte, weil eine Nachholung der Vorbereitung und ein neuer Erstbeichttermin für diese Gruppe vor dem Weißen Sonntag nur sehr schwer realisierbar gewesen wäre.

Ich war über 9 Jahre lang Küster der Kirche in unserer Pfarrei (wir haben 2 und eine Filialkirche und eine Kapelle) in der sowohl die Erstkommunion der Hauptpfarrei als auch die Firmung der ganzen Pfarrei in diesen Jahren erlebt. Neben ein paar sehr fleißigen und engagierten Personen, die ihr Bestes gegeben haben, habe ich auch einige Katecheten erlebt, denen ich eine adäquate Vorbereitung nicht zugetraut habe.

Der Umstand, daß Vokabeln wie „Heiliges Brot“ oder „gesegnetes Brot“ als Bezeichnung für das Allerheiligste im Munde von so manchem Priester oder GR/PR gängig sind, meiner Kenntnis nach, halte ich für ebenso bedenklich, wie die Gestaltung so mancher Tabernakel.
Kleine Hommage an den Blogautor:
Bilder siehe hier (siehe besonders den Brotkorb)

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Teil 2
@Gabriel:

Meine Aussage bezüglich der Aversion gegenüber dem Begriff „Eucharistiefeier“ war nicht auf die theologische Verwendung des Wortes „Eucharistie“ (i.e. Danksagung) in lehramtlichen Dokumenten gemünzt sondern auf die Verwendung von „Eucharistiefeier“ als Synonym für „Heilige Messe“. Wenn ich auf Gottesdienstordnungen Phrasen wie „Wort-Gottes-Feier mit Eucharistieausteilung“ lese oder als anderes Beispiel Eucharistiefeier statt Heiliger Messe, wenn es um die Messe für die Pfarrgemeinde am Sonntag oder einem Hochfest geht, dann ist das für mich ein Indiz, daß dort wahrscheinlich auch etwas theologisch im Argen liegt.

Ein Blick in wikipedia unter den Lemmata „Eucharistie“ und „Eucharistiefeier“ liefert eine abrißartige Auflistung der verschiedenen Bedeutungen je nach konfessioneller Präferenz. Kurzum, der Begriff Eucharistie ist ohne Erläuterung, welcher theologische Inhalt genau gemeint ist, nicht eindeutig. Meiner Kenntnis nach wurde früher eine Messe angekündigt als Missa sollemnia, - cantata oder – lecta, bzw. Hochamt, Amt, Betsingmesse oder Stillmesse. Dies wandelte sich dann zu Begriffen, wie Sonntagsgottesdienst oder Werktagsgottesdienst, obwohl Gottesdienst ein Oberbegriff zu der Heiligen Messe ist, die nur eine Form von Gottesdienst ist. Doch inzwischen scheint das „-dienst“ unbequem geworden zu sein, „Feier“ klingt doch viel fröhlicher wie in Wort-Gottes-Feier oder Eucharistiefeier.


Der Mahlsbegriff wird in der klassischen Theologie durchaus verwendet ebenso wie in den Konzilsdokumenten des V II, allerdings ohne eine Verdrängung der hauptsächlichen Opfer-Theologie, sondern m. W. im Hinblick auf die Einsetzung des Meßopfers als übernatürliche Stärkung. Ich bezweifele, daß einer jener Autoren die immer häufiger anzutreffende theologische Einstellung zur Messe „Wir brechen heute gemeinsam Brot, weil Jesus das auch mal mit seinen Jüngern gemacht hat, aber mit Opfer ist nix mehr und Karfreitag und Ostern hat damit nichts zu tun“ auch nur ansatzweise geteilt hätten.

Hierzu auch noch eine persönliche Erfahrung aus den späten 90ern:
Karfreitag – Die Feier des Leidens und Sterbens unseres Herrn
Der Priester zerfetzt in seiner Predigt den Opfertod am Kreuz „für unsere Sünden am Kreuz gestorben, damit wir erlöst sind“ als für ihn nicht (mehr) passend und bastelt die Kreuzverehrung in ein „die Kinder bringen jeder eine Rose für Jesus nach vorne“ um.

Mein Eindruck ist, daß so mancher heutzutage beim Sacrum Triduum mit dem Karfreitag und Ostern inhaltlich nichts mehr anfangen kann, nur das gemeinsame Essen ist noch verständlich.

Lieber Gabriel, ich nehme nichts persönlich, schon deshalb, weil ich den von Dir verteidigten Eucharistiebegriff nicht angreifen wollte, und meine, daß Deine Replik nicht auf die von mir intendierte Aussage paßt. Eindrücke und Erfahrungen von mir bezeichne ich normalerweise immer als solche und baue mir aus ihnen keine generell gültigen Tatsachenbehauptungen. Falls ich mich bei meinem ersten Kommentar nicht deutlich genug ausgedrückt habe, dann entschuldige ich mich dafür, aber ich habe oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich auf einem fremden Blog Kommentare hinterlasse, die von der Länge her eher ein eigener Blogeintrag wären.

: - )

Zum Schluß möchte ich anfügen, daß es m. W. Papst Benedikt war, der sich sinngemäß äußerte, daß die Gläubigen in der Kirche heutzutage oftmals nicht das Glaubenswissen mitbringen, daß man von einem Katechumenen zur Zulassung erwartet.

Thomas Didymos hat gesagt…

@ Marcus
Vielen Dank! Ich denke, wir liegen in unseren Ansichten näher beisammen als es auf den ersten Blick scheinen mag. Wir sollten (nicht nur wir im Besonderen sondern alle Christen) beginnen mehr miteinander zu beten anstatt zu diskutieren. Jede Theologie beginnt auf den Knien!

Matthias