Dienstag, 11. Oktober 2011

Blödsinn...

Bereits am Samstag erschein in der PRESSE ein Kommentar von Norbert Leser mit dem bescheidenen Alles-Checker-Titel:
    Der Papst will nicht verstehen
Kurze Zusammenfassung: "Papst, achte auf das Geheul aus Deutschland und Österreich, denn die Kirche hat die nötigen Reformen schon einmal verschlafen, und plötzlich hatte Luther seinen eigenen Laden aufgemacht!"

BINGO!-Zitat:
    Die Revolte besorgter Kleriker sollte für die Kirche, die immer nur Gehorsam einfordert, ein Alarmsignal sein, umzudenken und umzukehren, um auch bei den Gläubigen den Eindruck zu erwecken, dass die Kirche nach wie vor vom Heiligen Geist gelenkt wird und nicht, wie es manchmal den Anschein erweckt, von allen guten Geistern verlassen ist.
Die Revolte der besorgten Kleriker = Der Heilige Geist

Die Katholische Praxis und Lehre = Von allen guten Geistern verlassen

Schön, wenn komplexe Inhalte so überschaubar zusammengefaßt werden...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Man muß das schon verstehen ...

Norbert Leser gilt schon solange als der gegenwärtig größte Intellektuelle Österreichs (Trostpreis, nachdem seine politische Heimat, die Sozialdemokratie ihn a divinis suspendiert hat), daß es verzeihlich wäre, wenn er anfinge, seinen Lobhudlern zu glauben ...

Pompous Ass

Arminius hat gesagt…

Hauptsache, die Feindbilder stimmen.

Giovanni hat gesagt…

Norbert Leser- was der lebt auch noch?---Gruftie-szene, sag ich ja immer

Thomas Didymos hat gesagt…

Eine pikante Note ist auch die Doppelzüngigkeit der Argumentation. Einerseits ist die (Amts-)Kirche furchtbar böse und gemein, weil sie ja immer nur Gehorsam einfordert aber andererseits wird den Bischöfen Doppelmoral vorgeworfen weil sie bei Verstößen gegen den Gehorsam (insbes. bei Priestern, die in einer Beziehung leben) nicht rigoros durchgreifen. Das ist einfach nur verlogen. Wenn die Bischöfe (was ich durchaus weise finde) nicht Kadavergehorsam wollen sondern Priester, die nicht nur ihre Hände, Münder Augen und Ohren sind sondern auch selbst denken und nachdenken, wenn die Bischöfe dann durchaus Gnade vor Recht ergehen lassen, dann soll das Doppelmoral sein? Wenn aber gleichzeitig Strenge und Milde bekrittelt werden dann nicht? Das macht mich ehrlich wütend.
Mir reicht es. Ich habe als Gläubiger genug damit zu tun zu glauben und den richtigen Weg zu finden auch ohne ständig mit Nebelwänden und Prügeln zwischen den Füßen behindert zu werden. Priester sollen das Evangelium verkündigen und uns lehren alles zu halten, was Christus geboten hat. Wenn sie damit fertig sind und es nichts mehr zu verkündigen und lehren gibt, dann und erst dann mögen sie über solchen Schmonzes diskutieren. Derzeit werden die Befindlichkeiten einiger auf dem Rücken und zum Schaden der Seelen der Gläubigen ausgetragen die zum Teil noch nicht einmal merken in was sie da hineingetrieben werden. ICH WILL DAS NICHT! Es ist der Versuch mich soweit Abzulenken, daß ich nicht mehr an Christus denke, mich von ihm zu trennen und meine Aufmerksamkeit mit Kinkerlitzchen zu binden. ICH WILL DAS NICHT! Es ist so schon schwer genug (daher ja auch mein zum Schreiben gewählter Name - für Thomas war es auch nicht leicht).

Uff

Matthias

Anonym hat gesagt…

"Tu es Petrus..." Um den Hl. Geist das Feld zuu überlassen, sollte man zunächst erst einmal vom hohen Roß steigen, sich ganz klein machen und beten, damit dieser dem Nachfolger des Petrus das richtige eingibt.

Le Penseur hat gesagt…

Dazu ein paar Bemerkungen aus der Sicht eines durchaus nicht religions-unfreundlichen Skeptikers:

Norbert Leser hat mit dem Befund, daß die RKK heute oft von allen guten Geistern verlassen zu sein scheint, nicht unrecht. Nur: die richtige Diagnose ist noch lange keine Therapie. Man muß sich fragen: warum entsteht der Eindruck, wie kann man das beheben.

Und hier wird es bei Leser dünn. Denn wenn Luther genannt wird, so überzeugt das Bild, das die etablierten lutherischen Landeskirchen (die soziologisch noch am ehesten mit der RKK vergleichbar sind) bieten, nicht wirklich davon, diesen Weg zu gehen.

Erfolgreich sind im christlichen Bereich derzeit (wenn man "Erfolg" gleich "Missionserfolg durch Neueintritte" setzt) eigentlich nur sektenartige Denominationen, gleich ob sie nun "charismatisch" oder "evangelikal" sind.

Ich kann mir bei einem feinsinnigen Denker wie Leser schwer vorstellen, daß dies seine Vorstellung von wünschenswerter Entwicklung ist. Leser in Zungenrede und Hallelujagestammel ist als Vorstellung ebenso lächerlich wie Leser als bornierter Bibel-Literalist, der an eine "6 x 24 Stunden"-Schöpfung glaubt.

Was also will Leser vorschlagen? Etwa den Weg der Altkatholiken oder Anglikaner? Wegen flagranter Erfolglosigkeit demnächst in die Bedeutungslosigkeit zerbröselt ...

Bliebe also höchstens ein "ostkirchliches Modell" — nun, und da habe ich den Eindruck, daß die RKK nach einer langen Periode zunehmender, und schließlich (unter bspw. einem Pius X - XII) überspitzter Zentralisierung wieder zu einem eher "föderalen" Gebilde wird. Die positiven Zusammenarbeitssignale mit der Russisch-orthodoxen Kirche deuten in diese Richtung.

Nur ist das — bis auf die Zölibatsfrage — alles andere als das, was revoltierende Kleriker à la Schüller wollen!

Zur Zölibatsfrage: hier denke ich nun tatsächlich, daß die RKK Änderungen angehen wird. Man kann nämlich nur schwer eine glaubwürdige Ostkirchen-Ökumene betreiben, wenn man "denen" quasi durch die Blume sagt: "Was bei euch nur die Bischöfe schaffen müssen, schafft bei uns jeder kleine Landpfarrer!"

Es ist auch durchaus "fragwürdig" inwieweit dieses Einbetonieren auf einem "Zölibat für alle Priester"-Sandpunkt sinnvoll ist (das wird jetzt viele von meiner "Kirchenfeindlichkeit" überzeugen — nun, damit muß ich leben ...)

Die RKK trägt sicher schwer an der Last eines in den letzten Jahrhunderten über alle Maßen dogmatisch fixierten "Glaubensgehäuses". Hier wurden Dinge definiert, die man besser undefiniert gelassen hätte (mal Hand auf's Herz: wer "braucht(e)" bspw. das Mariendogma von Pius XII? Man lese bloß, wie selbst ein so kirchenfrommer Dogmatiker wie Premm bei der Begründung herumeiern muß, um den Dogmenstatus zu "beweisen").

Hier wäre es besser (und gesichtswahrender), manches einfach im Orkus der Geschichte untergehen zu lassen. Im Gegenzug sollte dafür eine für religiose (sic!) Menschen unserer Zeit ansprechende Glaubenspraxis initiiert werden — und die wird (so leid mir das als "Rationalist" auch tut!) wohl weniger "verkopft", sondern eher in Traditionen der Ostkirche Erfolg haben können. Liturgik statt Dogmatik, sozusagen ...

Der Papst ist daher durch sein Engagement in diese Richtung durchaus auf einem zielführenden Weg. Daß dieser in bereits völlig glaubensfernen Gebieten wie Deutschland (oder West/Mitteleuropa generell) nur von einer schmalen Minderheit beschritten werden wird, muß klar sein. Die Kirche tut sich nichts Gutes, wenn sie vermeint, durch eine Schüller'sche "Diskontreligion für Gutmenschen" etwas erreichen zu können (außer ihren ruhmlosen Untergang). Was sowas will, kann (und wird!) genausogut bei den GrünInnen Reden schwingen. Kirche wird daraus keine ...

Freiburgbärin hat gesagt…

Erstaunlich ist allerdings, dass dieses Linksgrüne Geschrei bei vielen unserer Hirten nicht auf taube Ohren stößt. Kann es also sein, dass die Ordiniariate von Links-Grünen alt68er Parteigängern durchsetzt sind, die den Bischöfen einflüstern, ihre Forderungen seien modern und vom katholischen Volk gewünscht? Eine kleine Analyse hier.