Samstag, 24. September 2011

"Weil er die Welt nicht erträgt"...

Über einen Beitrag bei Elsa stieß ich auf diesen Tagespost-Artikel von Guido Horst. Der Artikel ist durchaus lesenswert, also wer will, der nehme sich nun die drei Minuten und ziehe ihn sich 'rein.

Für die, die's gerne etwas flotter haben, hier das "Bingo!"-Zitat:
    Nicht die moderne Gesellschaft stellt eine Herausforderung für die Kirche dar, sondern es ist umgekehrt die Kirche, die den säkularen Menschen und Staaten vor eine Herausforderung stellt. Weil sie die wichtigste Frage, die nach Gott, klar beantworten kann. So war Benedikt XVI. in der Lage, den Parlamentariern einen substanziellen Vortrag zu halten über ihre tägliche Arbeit, das Produzieren von Gesetzen. Wie viel Prozent der Abgeordneten können das noch? Zwei, drei oder elf oder zwölf? Die Zahl der Parlamentarier, die vor dem Papst einfach wegliefen, lässt da Dunkles ahnen.
Diese Zeilen erinnerten mich an einen Artikel in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Er hat den Titel "Der verlorene Vater", scheint online noch nicht verfügbar zu sein und erfordert selbst von Bullshit-vertrauten Veteranen eine Menge Geduld. Autorin Evelyn Finger versteckt sich hinter Zitaten von Alan Posener und David Berger (womit einmal mehr meine Theorie bestätigt ist, daß die gewaltige Front der Papst-Kritiker eigentlich nur aus einer Handvoll altgedienter Berufs-Jammerer wie Ranke-Heinemann und Küng oder neuer, giftiger Pop-Basher wie eben Posener und Berger besteht. Diese werden allesamt sekündlich vor die Mikros geschleift, um Deutschland glauben zu machen, daß der Papst irgendwo im Mittelalter hinter den sieben Bergen sich mit Tiara auf dem Haupt eine Maniküre verpassen läßt, bevor er das nächste Kapitel eines neuen Buches verfaßt, während in der "richtigen" Welt die Kirche zusammenkracht). Wenn Finger selbst schreibt, dann geht es oft genug in die Richtung der unfreiwilligen Komik, so z.B. wenn davon die Rede ist, daß Rom die Piusbrüder "umarmte" oder wenn es heißt, der Papst könne die Diskriminierung der Schwulen nicht aufheben (KKK #2358: "Man hüte sich, sie [die Homosexuellen] in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen"). Wie gesagt: Unfreiwillig komisch. Papst-Kritik, ja, aber bitte nur, wenn ich mich vorher nicht informieren muß.

Aber jetzt zum Kern. Finger schreibt:
    Was ist eigentlich so unerträglich an diesem Papst? Warum muß die KirchenVolksBewegung ihn gleich mit ein paar Hundert kritischen Botschaften begrüßen? Weil er selber die Welt nicht erträgt.
Okay, der Text wurde geschrieben, bevor der Papst die Rede im Bundestag hielt. Aber es gibt da eben auch so Texte, die in katholischen Dunkelmänner-Kreisen fies griechelnd Enzyklika genannt werden und die einen ganz guten Überblick darüber geben, wie sehr der Papst die Welt nicht nur erträgt, sondern auch versteht.

Und hier kann ich wieder bei Guido Horst anknüpfen. Wer die Rede im Bundestag gehört hat und wer sich darüberhinaus die Mühe gemacht hat, sie zu verstehen und in dieser Mühe belohnt wurde, der kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß es oft genug die Welt ist, die die Kirche nicht erträgt und die daher ihre Ablehnung in allen nur denkbaren Geschmacksrichtungen an MSM-Konsumenten bringen muß. Daß die Geschmacksrichtung "bäh" dabei nicht zu kurz kommt, beweist z.B. dieser STERN-Artikel, der die letzte Hart aber fair-Sendung von Frank Blassberg ähh... Plasberg zerpfückt.

Wenn Finger also schreibt...:
    Benedikt nennt die freie Gesellschaft eine "Diktatur des Relativismus" und eine "Kultur des Todes".
... dann läßt sie etwas unter den Tisch fallen. Denn mitnichten ist dies die Meinung des Heiligen Vaters. Die "Diktatur des Relativismus" und die "Kultur des Todes" können Folgen einer freien Gesellschaft sein, aber sie folgen nicht zwangsläufig auf eine freie Gesellschaft. Natürlich ist von diesen Folgen ein wenig zu schmecken, wenn selbst Theologen wie z.B. Johanna Rahner in die Gegenwartsfalle tappen und meinen,...
    eine aufgeklärte Religion könne nicht unterstellen, daß sie die Wahrheit besitze, sondern müsse sich der Gegenwart aussetzen.
... oder wenn fast eine ganze Gesellschaft glaubt, daß z.B. der HIV-Ansteckungsgefahr mit den zwar schützenden aber eben immer noch nicht 100%-ig sicheren Kondomen besser entgegengearbeitet werden kann als mit Enthaltsamkeit. Aber das macht die freie Geselschaft als solche nicht zu einer schlechten Sache. Übel wird's dort, wo man sich in seinen Irrtümern einigelt und trotzig sich einer Stimme verweigert, die unter Umständen lohnende, weil andere Einsichten bieten könnte.

Aber, wie Guido Horst schreibt:
    Die Zahl der Parlamentarier, die vor dem Papst einfach wegliefen, lässt da Dunkles ahnen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Es ist eine alte Journalisten-Weisheit, daß zu viel Recherche die beste Geschichte "killt" - also, wozu das Risiko eingehen?

Wenn Fakten die Geschichte widerlegen, bring die Geschichte ...

Pompous Ass