Dienstag, 27. September 2011

"Viva Benedetto!"

So lautet der Titel eines Textes, den Michael Klonovsky im aktuellen focus veröffentlicht hat. Motto:
    "Der Atheismus wird immer geistloser, und die Papstkritik ist peinlich. Hier bekennt sich ein gottloser Nichtchrist zum Katholizismus."
Das Ding ist online noch nicht zu finden. FPA von Sicut incensum hat gestern aber bereits erste Highlights aus dem Text geliefert. Und ich lege heute mit drei Auszügen nach:
    Die wütende Verve der Papstkritik erklärt sich erstens aus ihrer absoluten Ungefährlichkeit, zweitens daraus, dass sich Benedikt der Unterwerfung unter den herrschenden Zeitgeist des spaßgesteuerten Individualismus und der Transzendenzferne verweigert. Dessen Lautsprecher reagieren darauf mit modernen Inquisitionsvokabeln wie "rückwärtsgewandt", "antimodern", "mittelalterlich", "sexualfeindlich". Der Katholizismus ist abendlanduntergangsweit das letzte Bollwerk gegen Kulturrelativismus und Gleichmacherei. Störrisch ragt dieses uralte Denk- und Regelwerk in die Gegenwart und beharrt auf seiner Exklusivität. Allein dafür mag ich den Katholizismus.

    ...

    Dass der westliche Mensch nicht mehr niederkniet, sich nicht mehr bekreuzigt, nicht mehr in die Kirche geht, wird allgemein als ein der Aufklärung zu dankender Fortschritt betrachtet. Ästhetisch ist es ein Verlust. Der postreligiöse Mensch, mag er sich auch kolossal befreit fühlen, das ist zugleich der formlose Mensch. Ich konnte es neulich an mir selbst studieren, als ich, ein liturgischer Fremdkörper, an einer katholischen Trauung teilnahm. Wie peinlich, keine Religion zu haben!

    ...

    In der Tat sind die aktuellen Ersatzreligionen ziemlich unsinnig, weil deren Anhänger nicht zu glauben meinen, sondern zu wissen wähnen. Obendrein (und folglich) tendiert ihr Vermögen, Trost zu spenden, gegen null, ihre Verheißungen sind dürftig, ihre Riten ohne Glanz, ihre Tempel geheimnislos und bar jeden Zaubers. Da ist das heilig-schiefe, aber ehrwürdig-vielerprobte, altmodische, aber eben auch allem Modischen ferne, abseitige, aber prachtvolle Original denn doch weit achtenswerter."

1 Kommentar:

Johannes hat gesagt…

Klonovsky in Hochform. Muß wohl mal wieder ein paar Euro in eine Zeitung investieren.