Freitag, 30. September 2011

Seltsam, seltsam...

Ich habe heute auf einem dieser "Ich bin ein cleverer Atheist"-Blogs gelesen, daß Papst Benedikt XVI auch ein Atheist ist. Er glaubt nämlich nicht an Odin, Zeus, Osiris etc...

"Echte" Atheisten gehen nun einfach nur den letzten, logischen Schritt und glauben auch an keinen der heute "aktuellen" Götter.

Ich habe keine Probleme damit, daß selbsternannte Atheisten nicht (mehr) wissen, wovon sie reden, wenn sie Worte wie "Gott" oder "Religion" in den Mund nehmen.

Bauchschmerzen bereitet mir, wenn sie so argumentieren, daß es nur eine Möglichkeit gibt sie zu verstehen: Alles, was die Atheisten als Nicht-(Mehr-)Glaubende über den Glauben nicht wissen oder schon wieder vergessen haben, müssen gläubige Menschen ebenfalls vergessen. Somit können Atheisten zumindest auf diese Art höchstens zu den Leuten predigen, die ohnehin schon ihr Lied singen, nämlich zu anderen Atheisten.

Kommentare:

Phil hat gesagt…

Tja, da hat jemand wohl nicht verstanden, daß Christentum nicht einfach ein Polytheismus mit nur einem Gott ist.

Letztlich stehen die viele Atheisten dem Polytheismus deutlich näher als dem Monotheismus (was sie sogar z.T. zugeben). Die Dogmen eines monotheistischen Glaubens will halt ein "Glaube", dessen höchstes Credo "Jeder macht seins" ist, nicht akzeptieren.

Bei eher wissenschaftsfernen Atheisten habe ich dann auch dank des Postmodernismus Marke "What the bleep do we know" auch eine Form von säkularen Aberglauben gesehen, die man bei Christen, die an eine konsistente Offenbarung glauben (d.h. daran, daß das Wirken und die Entscheidungen Gottes nicht einfach eine temporäre Laune Gottes wären, sondern bestand haben) schon lange nicht mehr sieht. Fairerweise sei hier aber auch gesagt, daß der Vergleich zw. ungebildeten Atheisten und gebildeten Christen unfair ist.

AleXander hat gesagt…

Das katholische Christentum, so habe ich kürzlich erfahren, sei gar keine Religion, vielmehr ein Ereignis, eine Frohe Botschaft, mithin Wahrheit.

Unter Zuhülfenahme dieser umwerfenden Logik fällt es mir leicht, über den Aberglauben sowohl der Atheisten als auch der anderen Religösen, seinen sie nun Christen oder Nichts, zu lächeln.

Die Wahrheit braucht keinen Glauben. ;)

Alipius hat gesagt…

@ AleXander: Das kann kein echter Katholik gesagt haben. Natürlich ist das katholische Christentum eine Religion. Es ist aber dazu AUCH Wahrheit.

Wäre das katholische Christentum REINE Religion, wäre es so bekloppt wie Scientology; wäre es REINE Wahrheit, wäre es so langweilig wie Mathe.

Anonym hat gesagt…

Die Welt überschlägt sich förmlich vor Bereitschaft, uns immer aufs neue dies zeigen:

Wer nicht mehr an Gott glaubt, der glaubt nicht etwa automatisch an "Nichts"; vielmehr glaubt so jemand oft an "Alles".

Wo der Glaube verschwindet, da hat der Aberglaube freie Hand.

Pompous Ass

Anonym hat gesagt…

Statt des Kopfschüttelns über den "atheistischen" Papst könnte man auch kurz darlegen, wo der zentrale Denkfehler der "cleveren" Atheisten liegt. Das wär dann was zum Verlinken, wenn man mal wieder auf so ne Aussage stößt.

Giovanni hat gesagt…

o.k. langsam: tatsächlich lautete die Anklage gegen die ersten Christen im röm. Reich: Atheismus- weil sie ganz einfach konsequent dien röm. Staatskult verweigerten.
Die These dass der strikte Monotheismus nur eine Vorstufe zum aufgeklärten Atheismus ist hat auch schon einen langen Bart. Insofern argumentieren die von Alipius zitierten Brüder vermutlich einfach nach etwas rückständigen. Denn sie nehmen nicht zur Kenntnis, dass Christen keine so eifach gestrickten Monotheisten sind sondern ihr Gottesbild um die Offenbarung der Trinität wesentlich weiter ist, als ihnen offenbar bewusst ist. Sie argumentieren in historisch interessanten Denkmustern sind asber nicht ganz up to date. Warum sie überhaupt mit einem posting bedenken? - "KA"-"konservative Atheisten" würde ich so was nennen.

Gabriel hat gesagt…

"Denn sie nehmen nicht zur Kenntnis, dass Christen keine so eifach gestrickten Monotheisten sind sondern ihr Gottesbild um die Offenbarung der Trinität wesentlich weiter ist, als ihnen offenbar bewusst ist."

Ein beliebtes Missverständnis seit Hegel... Ein Blick in die Kirchenväter, welche die Trinitätslehre überhaupt erst entfaltet haben, zeigt: Selbige ändert nichts am strikten ["einfach gestrickten" ;-)] Monotheismus, sondern setzt ihn vielmehr voraus und lässt ihn völlig intakt. Wo dagegen die Trinitätslehre diesen strikten Monotheismus auflöst oder von innen her sprengt, ist es nicht mehr weit zu neopaganer, gnostischer Mythologie im Gewande der Dreifaltigkeit - siehe eben gerade Hegel...

Josef Bordat hat gesagt…

Das grundlegende Problem ist wohl, dass unsere Sprache ungeeignet ist für eine Annäherung an den christlichen Gott, schon weil das Substantiv „Gott“ grammatisch die Möglichkeit birgt, mit Artikel geführt und damit spezifiziert („ein Gott“, „der Gott“) oder im Plural verwendet zu werden („Götter“), was sinnlos wird, wenn man Gott als Urgrund allen Seins denkt (hier geht keine nähere Bestimmung) und zudem als Ursache allen Heils (hier braucht es keine Pluralisierung). Unser begrenztes Denken ist aber auf eine sprachliche Gestalt angewiesen, die das Missverständnis jedoch schon in sich trägt. Umso dramatischer, wenn wir die religiöse Sprache verlieren, die dieses mitbedenkt und statt dessen die Semantik allein an der Logik der sprachlichen Form, also der Grammatik, orientieren. Die Differenz von Wort und Bedeutung geht dabei verloren. Das ist dann wirklich das Ende aller Verständigungsmöglichkeiten zwischen Glaubenden und Nicht-Glaubenden.

Das besondere Problem ist wohl die scharfe Trennung zwischen empirisch signifikant (=wissenschaftlich beschreibbar, also sinnvoll) und empirisch nicht signifikant (=beliebig, also sinnlos), die einige besonders forsche Religionskritiker vornehmen. Vor diesem Hintergrund ist es freilich unlogisch, dass man zwei Elemente aus einer der beiden Mengen ungleich behandelt. Wer an Gott glaubt, muss dann in der Konsequenz auch an das gestreifte Einhorn glauben oder an den Osterhasen. Zumindest gibt es keine Möglichkeit, den Glauben an Gott als vernünftig und wahr zu verteidigen, wenn man gleichzeitig den Glauben an Einhörner als unvernünftig und falsch ablehnt. Dabei wird freilich die Geschichte des Gottesvolkes und die Erfahrung des Einzelnen Gläubigen ausgeblendet, weil sie eine derart vorgenommene Trennung der Sphären auch nicht überwinden können (schon deshalb nicht, weil man sie als empirisch nicht signifikant markieren kann und daher nicht weiter ernst zu nehmen braucht).

Zudem wird die scharfe Trennung bei empirisch nicht signifikanten, gleichwohl im Hinblick auf Religion unverdächtigen Themen nicht konsequent durchgehalten. Ein Beispiel: Das biblische Zeugnis über Jesus Christus gilt als präjudiziert, weil es von seinen Schülern stammt, den Aposteln, deren Aussagen überliefert wurden und in die Evangelien einflossen. Über Sokrates wissen wir auch nur von seinen Schülern. Nicht zwölf, sondern zwei: Platon und Xenophon. Platon und Xenophon sind in Sachen Sokrates mindestens so parteiisch wie die Apostel in der Sache Jesu. Die Schüler des Philosophen verehren ihren Lehrer so sehr, dass sie – im Falle Platons ist das greifbar – ihm bzw. seinen Ideen ihr Leben widmen. Die Parallelen zur „Generation Jesu“ sind augenfällig. Während mit Blick auf Jesus aber regelmäßig der Verdacht der Verblendung seiner Anhänger ins Feld geführt wird, verbucht die Szene Xenophons und Platons Angaben zu Sokrates als gesichertes ideengeschichtliches Wissen. Zweierlei Maß.

Also: Wo man differenzieren sollte, wird zusammengewürfelt, wo Parallelen bedacht werden sollten, werden Unterschiede unterstellt. Philologisch unsauber.

Josef Bordat