Montag, 5. September 2011

Pong!

Also: Elsa hat "To Be A Lover" von Billy Idol vorgelegt und sich dazu eine ganz fiese Kategorie ausgerdacht: Poser, aber rockt (und das in den 80ern)!

Jetzt saß ich rum und grübelte mir'n Ast. Ich kenne eine Tonne von 80er-Bands, die rocken und ich kenne eine Tonne von 80er-Bands, die posen. Aber ich fand nichts in der Schnittmenge.

Dann lehnte ich mich mal zurück und überlegte, was "Posen" eigentlich so bedeutet. Es wird ja zumeist auf das Äußerliche heruntergekocht, also Kerle in engen Lederhosen, die breitbeinig dastehen und ihre Instrumente mit großen Gesten dem langsamen Abnutzungstod näherführen. Und was man gegen Poser so einzuwenden hat ist, daß das eben irgendwie leicht überzüchtet und "un-street" wirkt, wenn man es so plakativ an den Mann bringen will.

Naja und jetzt habe ich das einfach mal weg von den Äußerlichkeiten hin auf den Inhalt übertragen und - ** schwupp ** - hatte ich mein PONG!

Denn es gibt da diese Combo aus England, die zwar heute auch noch aktiv ist, aber in den 80ern ihre ersten Platten herausbrachte und ihren Kult-Status auch damals schon festigte. Ich spreche von der New Model Army, den Jungs mit und um Justin Sullivan, seinerseits eine der bekannteren Zahnlücken des Rock.

Ich habe nach dem Album "Thunder and Consonlation" (1989) die Band nicht mehr weiter verfolgt, halte aber besagtes Album musikalisch für eines der schärfsten der späten 80er. Post-Punk vom aller-aller-allerfeinsten, fast jeder Song ein Hit, klasse Bass, schöne Grooves, spitzen Mitgröhl-Refrains, alles dabei. Problem (und hier nähern wir uns dem Posertum): Die gaia-umarmende, antichristliche Zivilisationskritik, die "Ein wenig Selbstjustiz muß halt manchmal sein"-Attitüde und das ständige Getobe gegen die Bösen "da oben" und die einfach echt total mißverstandenen jugendlichen Aussteiger und Euren-Scheiß-nicht-Mitmacher, die doch einfach nur wollen, daß ihnen jemand ihr Leben beim Lagerfeuer und Haschpfeifchen finanziert, Du: All das wird sehr schnell sehr öde und wirkte für mich immer ein wenig..., naja... nach links-heidnischem Kampfposertum.

Daher hatte ich zwischenzeitlich so ein wenig Probleme mit der Combo. Mittlerweile bin ich da etwas gelassener und denke mir, daß die halt schon von der Welt singen dürfen, so, wie sie sie gerne hätten (tät ich ja auch, wenn ich eine Band hätte). So lange die Musik akzeptabel ist, gehe ich gerne bis zu einem bestimmten Punkt mit.

Okay, lange Vorrede... Hier ist die New Model Army mit "White Coats" vom angepriesenen Album in der Live-Version (die wahrscheinlich in Deutschland eher laufen wird, als das Original, was es nur beim EMI-Chanel von Youtube gibt). Das Lied ist ein schönes Beispiel für alles, was ich über die Band schrieb: Astreiner Post-Punk mit total engagiertem "Mach meine Heiden-Erde nicht an"-Text.



Für Leser außerhalb Deutschlands stelle ich noch das Original-Video mit rein, weil da der Sound doch bedeutend crisper ist:



Hoffe, Daß Elsa meine Definition von "Rumgepose" gelten läßt...

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Hihi, der "Knaller" (im wahrsten Sinne des Wortes) kommt beim Originalvideo ja am Schluß.

Elsa hat gesagt…

Also - ich habe ein bisschen Bedenkzeit gebraucht, ob ich diese Sorte von "Posen" akzeptieren kann:-) Ich komme zum Ergebnis - jawoll! Originelle und gute Lösung für das Dilemma - und NMA hab ich früher wirklich sehr gerne gehört. Schließlich ist das Konzertpublikum ja AUCH einwandfrei am rumposen - also: GILT! Sehr schön, Hochwürden!

Alipius hat gesagt…

@ Elsa: Juchu! Danke!