Freitag, 2. September 2011

Langhaarig und mit der Gesamtsituation irgendwie unzufrieden

Ich bin ja mit der Szene nicht so vertraut, aber wenn ich solche Bilder von irgendwelchen Black oder Death oder sonstigen etwas düstereren Metal-Bands sehe, dann frage ich mich immer, ob das jetzt tatsächlich ausschließlich Spaß ist, oder ob bei dem Styling tatsächlich auch ein wenig Bierernst mitschwingt:









Also ich frage deswegen, weil ich es eher lustig finde und Death Metal Black Metal, wenn ich es richtig verstehe, eigentlich nicht so lustig sein soll.

Vielleicht kann mich ja einer unserer blogoezesanen Metallurgen mal ein wenig aufklären. Phil? Vincentius Lerinensis?

Kommentare:

Matthias Moser hat gesagt…

Also, die dargestellten Bands sind nicht dem Death Metal zuzurechnen, sondern dem Black Metal. Das erkennt man schon allein am Corpsepaint (der Bemalung), die im Death Metal unüblich ist. Im Black Metal gibt es durchaus Bands, die ganz bewußt antichristliche oder sogar satanistische Symbolik verwenden, Gorgoroth zum Beispiel, die von sich behaupten Satanisten zu sein. Wenn man auch nicht verkennen darf, dass es sowas gerade im Black Metal tatsächlich gibt (so gehen z.B. Kirchenbrandstiftungen in Norwegen in den 90er Jahren auf das Konto von Black Metallern), so dürfte es doch in vielen Fällen mehr Show und Image als Wirklichkeit sein (der Ex-Sänger von Gorgoroth hat sich z.B. vor kurzem als schwul geoutet, so böse wie sie tun sind sie also auch nicht immer. Christlichen Metal bezeichnet man übrigens im Gegensatz dazu als "White Metal" oder "Unblack Metal".
Ich persönlich höre keinen Black Metal, zum einen wegen der oben genannten Inhalte, andererseits gefällt er mir aber auch musikalisch einfach nicht. Bei Death Metal ist das was anderes, da gibt es schon tolle Bands, z.B. Amon Amarth oder Death, die Begründer des Death Metal, deren Mastemind aber leider schon jung an Krebs gestorben ist. Ich hoffe das reicht als kleiner Crashkurs erstmal aus.
Viele Grüße aus dem evangelischen Lager,
Matthias Moser

Anonym hat gesagt…

Nicht 'spätrömische' - die ausgerechnet 'Schwesterwelle' diagnostizierte - sondern urbane Dekadenz ist es, in der sich die nihilistische Todessehnsucht des Stadtmenschen spiegelt.

Der Stadtmensch gleicht einer gebrochenen Blume in einer Vase. Schön anzuschauen, aber flüchtig und impotent. Nach drei Tagen landet sie in der Mülltonne, während das schlichte Feldgewächs im nächsten Jahr zur neuen Blüte erwacht. Ewigkeit ruht auf steter Erneuerung - die Bilder strahlen augenscheinlich das genaue Gegenteil aus.

Das sind Kunstblumen, die mit dem Leben nichts mehr gemein haben wollen und die schon durch ihre äußere Erscheinung ihre innere Fremdheit, ja Feindschaft, zu allem Natürlichen offenbaren. Die wollen keine Menschen mehr sein, sondern Kunstwesen in einer selbst erschaffenen Märchenwelt, in der das wirkliche Leben keinen Platz mehr hat.

Zumindest solange, bis sie das reale - nein 'grausame' - Leben einholt.

Phil hat gesagt…

Wie schon erwähnt, sind gezeigte Bands dem Black Metal zuzurechnen. Ich muß gestehen, daß ich zum Teil Black Metal höre (Emperor und Immortal ftw!), wobei die Probleme mit den Texten natürlich vorhanden sind. Anders ist es mit genanntem Unblack Metal, Horde, alte Kekal und Crimson Moonlight rocken schon derbst.

Wie dem auch sei, obige Bands sind Dimmu Borgir (glaub ich), Gorgoroth, Satyricon und Immortal.

Das Facepaint wurde ja schon z.T. erklärt. Zum Humorfaktor der Bemalung: da kommt es stark auf die einzelne Band an! immortal sagten schon in frühen Interviews, daß sie eigentlich ne Show abziehen, während Isahn von Emperor Anfang der 90er noch ultrapeinlich ernst im Interview wirkte.

Zum Thema friedlich und Gorgoroth im speziellen: Well, der Ex-Sänger war auch Hauptverdächtiger in einer Mißhandlung, die an Folter grenzte, Tormentor dieser Band hat vor seiner Polen-Tour vor einigen Jahren einen Obdachlosen krankenhausreif geschlagen - und wurde, nachdem Polen die Band aus dem Land geworfen hat, in den Knast gesteckt. Sind ergo nicht alle friedlich. Zudem sind rechte Tendenzen bei diversen Black Metal Bands durchaus vorhanden, Stichwort NSBM.

Von den eher ruhigen, erwachsenen und positiven Seiten des Black Metal zeugt der Film "the Misanthrope" von Nocturno Culto der Band Dark Throne. Ich fand den Film ganz nett.

Alipius hat gesagt…

@ Matthias, Phil: Danke für die Infos!

dilettantus in interrete hat gesagt…

Willst Du mich eigentlich mit der Überschrift provozieren?

Erst "Bub" und jetzt das............

Alipius hat gesagt…

@ Thomas: Es wird Zeit, daß ich mich aus dem Geschäft zurückziehe; ich werde einfach immer berechenbarer...

Lauda Sion hat gesagt…

das kann man jetzt nicht pauschalisieren, aber mich erinnern sie immer an (ängstliche)bellende Hunde: "komm mir bloß nicht zu nahe, ich bin voll böse" ^^

Leise Ahnung hat gesagt…

@Mathias Moser:
"der Ex-Sänger von Gorgoroth hat sich z.B. vor kurzem als schwul geoutet, so böse wie sie tun sind sie also auch nicht immer".
@Anonym
"Nicht 'spätrömische' - ...sondern urbane Dekadenz ist es, in der sich die nihilistische Todessehnsucht des Stadtmenschen spiegelt"
--------------
Äh, darf man daraus schließen, daß a)nur böse sein kann, wer nicht schwul ist?
b)Rom damals keine Stadt war?

Ich tat mich schon in jungen Jahren, mit "Paranoid" von Black Sabbath als einmaligem Berührpunkt mit der eigentümlichen Philosophie des Metal - Genres sehr schwer :-)

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Reflexive anti-reflexivity: Ich weiß, daß das übertrieben und ein wenig lächerlich ist, weigere micht aber bewußt, darüber nachzudenken, weil die ernstgemeint ästhetische Gesamtbotschaft (etwas verkürzt gesagt: es gibt das Böse) wichtiger ist.

Vergleiche hier. Falls der Link nicht auf die richtige Seite verweisen sollte: Keith Kahn-Harris, Extreme Metal. Musik and Culture on the Edge, S. 146ff. Dort wird (u.a.) anhand der Bilderserie zu Immortals At The Heart of Winter die Grundlage obiger Argumentation entwickelt, die Conclusion beginnt 152. Leider fehlen in der Vorschau einige Seiten.