Montag, 19. September 2011

Im SPIEGEL nichts Neues...

Ich bin jetzt also mit einigen Klosterneuburger Chorherren aug Bildungsfahrt in Rothenburg. Nach einer endlosen Busfahrt sind wir um 18:00 Uhr im Hotel angekommen, haben die Vesper gelesen und dann zu Abend gegessen. Rothenburg scheint ganz reizend zu sein, was ich so bisher sehen konnte (war nicht viel).

Im Fernsehen läuft als entspannung ein Billig-Eastern auf Tele5 (genialster Kanal, wenn es um obskuren Trash geht) und vor mir liegt Der Unbelehrbare, also die neue SPIEGEL-Ausgabe.

Der Artikel hält, was der Untertitel auf der Titelseite verspricht: So, wie eben nur die katholische Kirche gemeint sein KANN, wenn in irgendeinam Medium von "der Kirche" die Rede ist, so ist es eben auch der Papst alleine, der die Deutschen vom Glauben abfallen läßt.

Es steht auch wirklich kaum etwas in dem Artikel, das Wert ist, zitiert zu werden. Aber um einen kleinen Einblick in den Abgrund der Dummheit zu gewähren, sei dennoch etwas erwähnt. Da heißt es:
    Dass diese [die Kirche, A.] um der Menschen und nicht einer absoluten Idee willen gegründet wurde, dieser Gedanke spielt in Ratzingers Theologie keine Rolle mehr.
Ja...

Ich weiß...

Aber es geht noch weiter. Denn vier Absätze später heißt es:
    Ein radikales Anti-Papst-Bündnis ... hat bereits eine Gegenpäpstin aufgestellt. Rosa I. rüttelte schon vor Wochen am Zaun der vatikanischen Botschaft in Berlin und bezeichnete Benedikt als "falschen Papst mit einem falschen Menschenbild"
Mit welchem Bierernst hier auf die Äußerungen einer hüftgesteuerten Aktivistin eingegangen wird, die Ende Juli im strömenden Regen mit einer Handvoll Gleichgesinnter zur Anbetung des Lustkreuzes aufgerufen hat, das wirkt eigentlich schon beinahe wieder rührend, wenn man das erste Zitat noch im Kopf hat.

Klar, Matusseks "Fels im Sturm" macht wieder ein wenig Boden gut, aber der Artikel wird unter dem Schlagwort Polemik präsentiert, was aber wiederum witzig ist, wenn man vorher den Hauptartikel und das Küng-Interview gelesen hat.

Ach ja, hey: Weiß irgendwer, ob in dieser Woche irgendwo ein Talk gezeigt wird, der uns nicht erklären will, wie "lebensfern", "weltfremd" und "menschenverachtend" der Papst ist?

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Keine Ahnung. Hab meinen Fernseh zum Elektroschrott gebracht. Was ist ein "Talk"?

Freiburgbärin hat gesagt…

Wohl wahr. Dieser Kommentar geht noch weniger pfleglich mit den neusten Ergüssen des Spiegels um

Le Penseur hat gesagt…

@Johannes:

»Talk« ist bloß ein Tippfehler. Sollte eigentlich »Talg« heißen — das ist so eine fettig-schmierige Substanz, die in sogenannten »Talgdrüsen« produziert wird, und wenn zuviel davon, Pickel und Eiterpusteln verursacht.

Das ist alles, was ich über Talg weiß ... ;-)

Catocon hat gesagt…

Wer fern sehen möchte, der benutze ein Teleskop.
Wer sich informieren möchte, der verwende das Internet.
Wer sich ärgern möchte, der stelle einen Antrag (egal welchen) bei einem deutschen Amt. :-)
Wer braucht den Flimmerkasten?
P.S. Zum Thema "lebensfern" und "weltfremd" habe ich morgen auf meinem Blog einen längeren Artikel. Ihr könnt ja vorbeischauen. Auf meiner elektronischen Veranda ist genug Platz!

ancillaDomini hat gesagt…

"Weiß irgendwer, ob in dieser Woche irgendwo ein Talk gezeigt wird, der uns nicht erklären will, wie "lebensfern", "weltfremd" und "menschenverachtend" der Papst ist?"

Im zweiten Semester hatte ich gelernt, dass es beser ist, nix in der Mensa zu essen, wo "lecker" in Menutitel war. Was so scheusslich schmeckt, dass man lecker draufschreiben muss, sollte man nicht essen wenn man eine Alternative hat.

So ähnlich ist es auch mit de4n Talkshows:
Jeder muss drüber reden, dass katholisch sein total out ist damit es auch der letzte Katholik irgendwann begreift. Dann kann man endlich das Licht ausmachen...
Deswegen muss man drüber reden. Immer wieder.

Ich empfehle den Kasten auszustellen, ein kurzes Gebet um Erleuchtung für die Dauermauler zu sprechen und sich irgendwas nettem zu widmen: Glas Wein, Abend mit dem Ehegatten, stricken, früh schlafen gehen, lesen, was auch immer.
Odfer die Tüte Chips holen, sich den Kram angucken und das ganze als absurdes Theater betrachten.