Donnerstag, 11. August 2011

Schlimmer geht's immer...

"Alles im grünen Bereich" höre ich immer wieder mal, wenn der nächste ahnungslose Berliner-U-Bahn-Kunde von angetrunkenen, wichtigtuerischen Halbstarken halbtot auf einem Bahnhof zurückgelassen wird. "Die Leute jammern schließlich schon seit Erschaffung der Welt, daß die Jugend immer schlimmer und die Gesellschaft immer verrohter wird."

Das wäre um so erstaunlicher, wenn man sich überlegt, daß z.B. Gladiatorenspiele, Sklaverei, Folter etc im Laufe der Jahrhunderte in den Ländern, die für sich beanspruchen, zivilisiert zu sein, in die Rumpelkammer der Geschichte gesperrt wurden. Trotzdem wurde alles immer schlimmer? Wenn ja, was ist hier das Kriterium für schlimm?

Ist es vielleicht eine abnehmende Bedeutung des Gemeinwohls gegenüber einem steigenden Fokus auf Einzel- oder Gruppeninteressen?

Ist es eine "Ich will's, ich nehm's, ich hab's"-Attitüde, die sich nicht nur momentan in den Straßen Englands manifestiert, sondern überall vom heruntergekommenen Sozialhilfeempfänger-Viertel bis hinauf in die Nobeletagen wohlbezahlter Schlipsträger zu beobachten ist?

Kommt dazu vielleicht noch eine "Und wenn ich's nicht sofort kriege, dann gehe ich auf die Straße, stelle mich als Opfer dar, stampfe mit dem Fuß auf und laß es vielleicht auch mal krachen, so lange, bis ich's habe"-Einstellung, die immer sehr genau auf den persönlichen Nutzen aber nie auf die für die Gemeinschaft entstehenden Kosten schaut?

In der PRESSE gibt es heute einen Artikel über den Zwist zwischen Kirche und Staat im Fürstentum Liechtentein. Streitpuntke sind die Abtreibung, die gleichgeschlechtliche Ehe und die Weise, auf die die Trennung von Kirche und Staat erfolgen soll (Erzbischof Haas: "Konkordat mit dem Vatikan!"; Regierung: "Gleichstellung aller Religionen!").

Wie man zu den einzelnen Punkten auch stehen mag, ist jetzt gar nicht so wichtig. Interessant finde ich das Fazit, welches im Artikel gezogen wird:
    Das kleine katholische Fürstentum schließt jedenfalls politisch und sozial zu den anderen Staaten Europas auf.
Angesichts der Schlagzeilen aus Europa, die während der letzten Wochen die Medien dominieren, kann ich nur sagen: "Na, da gratuliere ich aber!"

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