Dienstag, 30. August 2011

Kirche + Sex = ** gäääähhhnnn **

Gestern habe ich noch über profil gestaunt. Heute reicht es grade noch zu einem Facepalm. Über die ORF-Serie Braunschlag liest man in dem Qualitätsmdeium:
    Mit der TV-Serie „Braunschlag“ beweist der ORF außergewöhnliche Courage. Denn ihr Autor und Regisseur David Schalko demontiert die Macht der Landesfürsten und katholische Verlogenheiten. Schon vorab sorgt das Projekt für Aufregung.

    Banyardi ist eine Art „Prada-Priester“, der überprüfen soll, ob das Wunder von Braunschlag in Form einer Marien­erscheinung auch tatsächlich stattgefunden hat. Wunder-Checker, das klingt nach einem überzogenen Satire-Einfall, existieren aber tatsächlich. Im ­Vatikan ist eine eigene Kongregation ausschließlich mit der Verifizierung von übernatürlichen Erscheinungen beschäftigt (profil 42/2010), jeder Beglaubigungsprozess wird mit immensem Personalaufwand betrieben und verschlingt etwa 50.000 Euro. „Es braucht eben die Unterschrift des Himmels“, erklärte Kardinal Schönborn damals im profil-Interview.

    Banyardi gibt es billiger – in der sexuellen "Grauzone" mit einer Dorfschönheit, wo beide artig nebeneinander Hand an sich legen, um in der Leichtversion zu sündigen. "Denk an den Papst!", fordert sie ihn auf, hoffend, dass dieses Kommando als eine Art Verbal-Viagra Wirkung zeige. Später wird Banyardi, den "Falco"-Hauptdarsteller Manuel Rubey als androgynen Pater Ralph des 21. Jahrhunderts anlegt (rasierte Augenbrauen inklusive), diesen weltlichen Ausrutscher einem Amtskollegen beichten, und zwar so anschaulich, dass dieser bei der Schilderung des Vergehens ebenfalls zu onanieren beginnt.

    "Es wundert mich schon, dass das in so einem katholisch geprägten Land möglich ist", meint der laut Eigendefinition "fröhliche Agnostiker" Rubey. "Aber ich finde es großartig, dass es passieren kann. Man muss den ORF wirklich einmal loben. Ich bin jetzt bei einer deutschen Agentur, wo viele oft erstaunt sind, was bei uns im öffentlich-rechtlichen Fernsehen möglich ist."
Irgendwie ist es mittlerweile eigentlich nur noch traurig.

"Komm, wir brechen mal ein Tabu und sind total mutig!"

"Okay, aber was nehmen wir für ein Thema?"

"Oh, Alter! Du bist aber noch nicht lange bei Film, Funk und Fernsehen, gelle?"

"Wieso?"

"Weiß doch jeder, daß man nur "Katholisch" und "Sex" draufschreiben muß, damit die Leute ein warmes Kribbeln in den Kniekehlen verspüren ob soviel "Courage" und "Wagnis"."

"Ja, aber... Dann ist es doch eigentlich kein Tabubruch mehr, wenn es so berechenbar ist?!"

"Man muß halt immer weiterbrechen. Dieses Mal machen wir etwas ganz Verschärftes und ganz aus dem richtigen Leben Abgegucktes. Man muß ja auch mal katholische Verlogenheiten demontieren. Ist doch allgemein bekannt, daß die Beichte nur eingeführt wurde, damit die Pfaffen ein paar heiße Sexgeständnisse zu hören bekommen, zu denen sie sich prima einen pellen können."

"Hähä... Boah! Ist das nicht gefährlich? Ich meine, die haben doch schon bei den Karikaturen Botschaften angezündet und Leute gekillt. Wenn wir jetzt so'nen Film drehen...?"

"Pff! Das mit den Botschaften waren die Moslems. Keine Angst! Die Katholiken werden sich nur irgendwo beschweren. Dadurch können wir dann demonstrieren, daß sie die Freiheit der Meinung und der Kunst abschaffen wollen!"

"Genial!"



Ich wundere mich ja ständig, warum ausgerechnet die Kirche, die 2000 Jahre Alte, die Unbewegeliche, die Dogmatische, die Starre, warum ausgerechnet sie es ist, die sich in dieser Zeit so frisch und jung und knackig anfühlt. Aber wenn ich dann sehe, mit welcher Verkrampfung, welcher Fixiertheit, welcher Hysterie, welchem Mief diese "Der neueste Kirchenbank-Report"-Filmchen auch noch im Jahre 2011 angekündigt werden, dann wundert es mich schon wieder nicht mehr.

Wer da mitmischt und sich deswegen irgendwie mutig oder avantgardistisch oder modern vorkommt, der war lange nicht mehr sonntags in der Messe und hat lange nicht mehr im Evangelium geblättert.

Wie gesagt: Eigentlich nur noch traurig...

Kommentare:

Elsa hat gesagt…

Die Serie gibt es wirklich? Das liest sich ja eher wie eine Satire auf eine Serie?

Leise Ahnung hat gesagt…

Wirklich "mutig" aber jedenfalls lustig wär's, wenn man mal im ÖR -TV mal eine Serie drehen würde, in dem so etwas wie Alipius genialer Dialog über "Tabubruch - the making of" vorkäme!
Im medialen aber auch künstlerischen Bereich sind wir noch leider einigermaßen unterbelichtet, auch katholische Medien haben das Spektrum der Möglichkeiten jenseits von Meßübertragungen und Non - Stop - Katechesen leider noch nicht entdeckt- der gegen uns gerichtete Kulturkampf wird (noch) nicht adäquat beantwortet.
Auch dank Euch Bloggern sieht's journalistisch -und auch literarisch- da schon etwas besser aus!

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

Ja, Elsa!
Ih habe gerade auf der Seite von Rubey den Link zur Serie verfolgt.
Mal wieder runtergekommene Häuser und heruntergekommene Gesichter..., gähn...

Raphaela hat gesagt…

Mmpff. "Mutig" wäre im Zeitalter der serienmäßigen Tabubrüche eigentlich nur noch der Vorsatz, irgendeinen Tabu (egal welchen) einmal demonstrativ nicht zu brechen.

Dafür würden die Nichtbrecher besagten Tabus allerdings wohl im Namen des Zeitgeists gelyncht...

Catocon hat gesagt…

Die offiziellen Tabubrüche sind heute ohnehin alle ziemlich langweilig geworden. Um die Leute so richtig zu schocken gibt es allerdings ein garantiert wirkendes Dreipunkteprogramm:
1. In der Öffentlichkeit den Rosenkranz beten.
2. Jede Woche zur Messe gehen (in der außerordentlichen Form um die Wirkung zu verstärken).
3. Eine Familie gründen, viele Kinder zeugen und sich selbst um ihre Erziehung kümmern.
Darüber sollten die professionellen Tabubrecher eine Serie machen. Das gäbe wenigstens mal wieder einen empörten Aufschrei.

Anonym hat gesagt…

Abgesehen von der phösen Kirche auch noch ein wenig Österreich-Bashing, weil es ja so lustig ist: Sind doch Österreicher schließlich nur dauerbesoffene, bigotte Schluchtensch***er - zumindest, wenn sie nicht mindestens zum ganz linken Rand der SPÖ gehören und solche dümmlichen Sendungen nicht mindestens für eine gelungene, progressive Gesellschaftskritik halten ...

Yon hat gesagt…

Ich hatte den selben Gedanken wie Elsa.
Da dem aber wohl nicht so ist: *gähn*

Yon hat gesagt…

Mooooment. Das wurde vom Land gefördert? Mit welchem Geld? Wo muss man da jetzt demonstrieren? Und als was verkleidet man sich dabei?

Phil hat gesagt…

Und was verbrennt man da? Ich bin nicht mehr in Demos geschult...