Montag, 8. August 2011

Exklusiv-Interview!

Der niederländische Theologe Klaas van de Wiedpijpje, Vorsteher der Friends United (Zesty, Zeal-free Youngsters)-Gemeinde (FUZZY-Gemeinde), hat sich bereit erklärt, Klosterneuburger Marginalien in einem Exklusiv-Interview ein wenig über seinen Glauben zu erzählen.



K.M.: Herr van de Wiedpijpje, eine Studie der freien Universität Amsterdam fand heraus, daß einer von sechs Klerikern der PKN und sechs kleineren Denominationen entweder Agnostiker oder Atheist ist. In diesem Zusammenhang fiel auch ihr Name und der ihrer Gemeinde. Zu Recht?

Van de Wiedpijpje: Also die Etikettierung überlasse ich lieber Außenstehenden. Die Brüder und Schwestern, die meine Gemeinde besuchen, sind Konzepten wie Religionszugehörigkeit, Atheismus, Agnostizismus, Rechtgläubigkeit etc längst entwachsen.

K.M.: Interessant. Wie äußert sich dieses 'Entwachsen-Sein'?

Van de Wiedpijpje: Nun, wir leben einen Ansatz, der gleichzeitig fundamental genug ist, um die Leute in einem Kernpunkt gemeinsam zu verankern und doch oberflächlich genug, um möglichst viele Anlegepunkte zu bieten, von denen aus der Anker geworfen werden kann.

K.M.: Was ist ihrer Meinung nach dieser Kernpunkt?

Van de Wiedpijpje: (Überlegt für einige Sekunden) Ich denke es sind in erster Linie die menschlichen Erfahrungen und die menschlichen Bedürfnisse.

K.M.: Aber gibt es nicht Unzählige von Erfahrungen und Bedürfnissen?

Van de Wiedpijpje: Natürlich! Aber ihnen ist gemeinsam, daß sie Erfahrungen und Bedürfnisse sind.

K.M.: Verstehe (nimmt einen großen Schluck Weizenbier). Aber zurück zur eigentlichen Frage: Sind die Bezeichnungen atheistisch oder agnostizistisch überhaupt nicht zutreffend, oder wenn sie zutreffen, tun sie es, weil sie als Gemeinde einfach nicht näher auf Gott eingehen wollen bzw können oder weil sie ihn als den Gott, so wie er sich uns mitgeteilt hat und in den Schriften überliefert ist, ablehnen?

Van de Wiedpijpje: Ich denke, ich würde sagen, daß ich auf eine ganz undogmatische Art und Weise, wenn ich von Gott spräche, eher zu Konzepten greifen würde, die sich objektiv in unserer Lebensatmosphäre aktualisieren als Phänomene, die in ihrer subjektiven Intersubjektivität Spielraum lassen, für eine Gestaltung des gemeinschaftlichen Raumes, die sich aus persönlichen Bedürfnissen speist, welche in der gelebten gemeinschaftlichen Erfahrung konkret kontextualisiert werden.

K.M.: (Den Duden zurücklegnd) Ähhh... Gut... Um tatsächlich einmal konkret zu werden: Wie gehen sie zum Beispiel mit der Person des historischen Jesus um und mit den Wundern, die in der Bibel berichtet werden?

Van de Wiedpijpje: Ich denke, daß die Figur des "Jesus" uns sehr viel beibringen und sagen kann. Er war ganz offensichtlich ein Mann, der - um es einmal ganz platt auszudrücken - den göttlichen Geist mit der Heugabel gefressen hat und der daher ganz aus diesem Geist und der von diesem Geist genährten Liebe lebte.

K.M.: Würden sie sagen, daß er Gott war bzw ist?

Van de Wiedpijpje: Ach, wissen sie... Gott, Gottes Sohn, Jungfrauengeburt, Auferstehung... Wir müssen vorsichtig sein, daß wir den Menschen mit diesen Geschichten nicht zuviel zumuten. Stellen sie sich einmal vor, es kommen junge Menschen zu mir, die dringende Fragen haben über ihre Sexualität, über Geschlechtergerechtigkeit, über Umweltschutz, über Arbeitslosgkeit... Die kann ich doch nicht einfach mit frommem Geschwätz abfertigen.

K.M.: Nicht nur. Aber böte eine Unterweisung, die soweit im Glauben fußt, daß sie auch dessen Inhalte kommuniziert, nicht eine Abwechslung, welche viele dieser Leute als erfrischend empfinden könnten?

Van de Wiedpijpje: Erfrischend? Wir bieten kostenfrei eisgekühlte Softdrinks aller großen Hersteller an. Und was die sogenannten "Wunder" betrifft: Ich bin sehr der Meinung, daß man hier die Mehrzwekgemeindehalle mal schön im Dorf lassen sollte.

K.M.: Welche über das irdische Leben hinausgehende Hoffnung können sie den jungen Leuten in ihren Gesprächen vermitteln?

Van de Wiedpijpje: Ich verstehe ihre Frage nicht...

K.M.: Unsere Zeit geht leider zuende. Hand auf's Herz: Christus - Gott oder nicht?

Van de Wiedpijpje: Die Frage ist daher schwer bis unmöglich zu beantworten, da das Konzept "Gott" bereits den Schimmel der Jahrtausende trägt, so daß die ursprüngliche Idee der Liebe, so wie ich sie verstehe, leider reduziert wurde auf ein verwirrendes System von Geboten und Strafen, welches mit der Zeit den Menschen die Einsicht geraubt hat, daß die eigentliche "göttliche" Liebe als glühender Ofen in uns allen selbst residiert und auch nur aus und selbst kommend, von uns selbst geschenkt, der Welt ein neues Gesicht verleihen kann.

K.M.: Herr von de Wiedpijpje, wir danken für dieses Gespräch.

Van de Wiedpijpje: Gerne!

Kommentare:

kleinschreiber hat gesagt…

... köstlich, einfach köstlich. "van de Wiedpijpje" - selten so gebrüllt vor lachen. wirklich *selten*.

aber fehlen nicht im interview ein paar handlungsanmerkungen, wie sie für den (bewundernswert standhaften und die ruhe bewahrenden interviewer) angeführt sind? etwa:

"Van de Wiedpijpje: Ach, wissen sie... (zieht) Gott, Gottes Sohn, Jungfrauengeburt, Auferstehung... (zieht tiefer, hustet, weiter mit gepresster Stimme) Wir müssen vorsichtig sein, daß wir den Menschen mit diesen Geschichten nicht zuviel zumuten. Stellen sie sich einmal vor, es kommen junge Menschen zu mir, die dringende Fragen haben über ihre Sexualität, über Geschlechtergerechtigkeit, über Umweltschutz, über Arbeitslosgkeit... (zieht) Die kann ich doch nicht einfach mit frommem Geschwätz abfertigen."

... und dergleichen mehr.

Arminius hat gesagt…

Über seinen Glauben?

Imrahil hat gesagt…

>>nimmt einen großen Schluck Weizenbier

...Prost...

wobei ich gestehen muß, daß ich es in dem Punkt eher mit der Konkurrenz vom Franziskanerorden halte als mit den Augustinerchorherren. Aber gell, katholisch sind wir alle und folglich Geschwister.

Aber:
>>Er war ganz offensichtlich ein Mann, der - um es einmal ganz platt auszudrücken - den göttlichen Geist mit der Heugabel gefressen hat und der daher ganz aus diesem Geist und der von diesem Geist genährten Liebe lebte.
ist eine viel zu kernige Aussage, um dem Interviewpartner zuzutrauen zu sein.

Anonym hat gesagt…

* rofl* war das Erwähnte das Erste von 23 Bieren?

mary

Laurentius Rhenanius hat gesagt…

"Ich verstehe ihre Frage nicht..."
Habe fast den Kaffee in mein Notebook gehustet.
Sehr genial!

Gruß,
Laurentius

Phillip hat gesagt…

Alipius, herrlich! Ich saß gerade in der Bibliothek, in der man anghalten ist, ruhig zu sein und dann las ich dein Interview... Du machst es einem nicht leicht....^^

Nepomuk hat gesagt…

Wirklich gut! Herr v.d.W. könnte auch Direktor einer katholischen Akademie in Süddeutschland werden!