Sonntag, 31. Juli 2011

Zum heutigen Evangelium

Die Begebenheit, die uns im heutigen Evangelium berichtet wird, ist wohl eine der bekanntesten Stellen des Neuen Testaments. Das Wunder der Brotvermehrung beschäftigte und beschäftigt die Gläubigen seit ältester Zeit. Bereits in der Lehre der Apostel, der Didache, welche von den meisten Gelehrten auf das späte erste oder das frühe zweite Jahrhundert nach Christus datiert wird, heißt es im neunten Kapitel:

“Wie dieses (gebrochene Brot) zerstreut war auf den Bergen, und zusammengebracht ist es eins geworden, so soll deine Kirche zusammengebracht werden von den Enden der Erde in dein Reich.”

Bereits hier steht das Zusammentragen der Brotreste für das Zusammenbringen der Völker in der einen Kirche.

Selbstverständlich ist die Szene auch ein Aufruf zum Teilen: Diejenigen, die etwas haben, geben es ab und alle werden satt.

Man kann auch wegen dem von Jesus gesprochen Lobpreises und dem Brechen des Brotes an eine Vorahnung des letzten Abendmahles denken.

Und natürlich soll der Text uns ebenfalls zeigen, daß es Christus ist, der uns nährt durch seine Liebe zu den Kranken, die er zu Beginn des Textes heilt, und zu den Hungrigen; wobei die Hungrigen hier nicht nur jene sind, in deren Magen es brummt, sondern auch jene, in deren Seelen Löcher gähnen.

Ebenso wichtig wie die verschiedenen Dinge, die man in den Bericht hineinlesen kann, ist das im Text tatsächlich wiedergegebene Geschehen.

Vor einiger Zeit hörte ich in einer Predigt folgende Interpretation: Als die Leute sahen, daß die Jünger ihre fünf Brote und zwei Fische herausholten und begannen, sie zu teilen, wurden ihre verhärteten Herzen weich und sie holten ihre bis dahin versteckten Vorräte heraus, so daß letztlich alle satt wurden.

Schön und gut... Aber gibt der Text Aufschluß darüber, daß es sich so verhielt?

Ist es notwendig, eine für den menschlichen Verstand nachvollziehbare Erklärung für die Vermehrung der Brote und der Fische zu finden, wenn wir bedenken, daß hier das Fleischgewordene Wort am Werk ist, welches aus dem Nichts ein ganzes Universum geschaffen hat?

Ich denke, wir können hier ohne weiteres dem Wunder den ihm gebührenden Platz einräumen.

Denn wenn wir tatsächlich eine für Menschen einleuchtende Erklärung dem Wunder vorziehen wollen, untergraben wir damit nicht die Ursache unseres Heils? Wenn das zusammengetragene Brot die Menschen symbolisiert, die in der Kirche zusammenkommen, dann muß Christus die Ursache des Zusammengetragen-Werdens sein. Wenn das Brot aus den Taschen der Menschen kam und die Menschen somit ihren Hunger gestillt haben, indem sie aßen, was sie selbst mitbrachten, dann heißt das übertragen auf das Bild, daß wir unser eigenes Heil wirken, indem wir unser Verlangen nach Erlösung aus unseren eigenen Vorstellungen stillen.

Daß wir nie vergessen, Christus als den wunderbaren Urheber unserer Erlösung und unseres Heils zu erkennen und zu verstehen, dabei helfe uns der allmächtige Gott.

Kommentare:

Veni Sponsa hat gesagt…

Die oben dargestellte naturalistische Deutung musste ich mir sogar in der Dankmesse für Erstkommunionkinder anhören. Das Teilen der Leute war dann das Wunder... ^^

Johannes hat gesagt…

Vielen Dank! Mal wieder eine katholische Predigt.

Andrea hat gesagt…

"Als die Leute sahen, daß die Jünger ihre fünf Brote und zwei Fische herausholten und begannen, sie zu teilen, wurden ihre verhärteten Herzen weich und sie holten ihre bis dahin versteckten Vorräte heraus, so daß letztlich alle satt wurden."

Das ist übrigens m.E. gnadenlos deutsch / mitteleuropäisch / industrieländisch gedacht. So ängstlich-geizig benimmt sich eine orientalische Volksmenge doch nicht!

MiriamJM hat gesagt…

Vielen Dank! Sehr einleuchtend und logisch - das war die Meinung eines befreundeten Mathematikstudenten dazu :-)