Sonntag, 24. Juli 2011

Zum heutigen Evangelium

Die Bilder des heutigen Evangeliums sind, so meine ich, einigermaßen eindeutig: Wie bereits am vergangenen Sonntag spricht Jesus auch heute wieder in Gleichnissen vom Himmelreich.

Das Himmelreich wird mit einem Schatz bzw einer Perle verglichen. Beide haben für den, der sie entdeckte, einen so hohen Wert, daß er alles verkauft, was er hat, um in den Besitz des Ersehnten zu gelangen.

Spontan muß man an Paulus denken, der im Brief an die Philipper schreibt: „Ich habe alles aufgegeben, um Christus zu gewinnen.“

„ALLES aufgegeben“
...

Paulus lebt diese Worte bis zum Äußersten, wird er doch in Rom – vermutlich unter Kaiser Nero – den Märtyrertod für Christus erleiden.

Wenn man sich einmal überlegt, wie viele Menschen allein in Wien offiziell als katholisch gemeldet sind und wie viele dieser Menschen sonntags nicht die Heilige Messe besuchen, dann erkennt man schnell, daß das hohe Ideal, für den Glauben und für das Erlangen des Himmelreiches etwas aufzugeben, heute nur noch wenig zu gelten scheint.

Die meisten Katholiken sind nicht einmal bereit, ein bis zwei Stunden ihres Sonntagmorgens aufzugeben, um Christus zu gewinnen.

Es gibt hier zwei Möglichkeiten: Entweder diese Menschen sind in Wirklichkeit überhaupt nicht gläubig, sondern finden sich seit ihrer Taufe – die sie vermutlich als Kinder erhielten – in einer Kirche und in einem Glauben wieder, die ihnen einerseits nichts bedeuten, die zu verlassen ihnen andererseits aber auch nicht in den Sinn kommt.

Oder vielleicht sind diese Menschen in der Tat gläubig aber dafür faul in den Diensten der Liebe. Solche Menschen gibt es. Sie werden sich selbst nicht als solche bezeichnen, aber in ihren Worten geben sie doch genug preis, so daß man sie erkennen kann.

Ich möchte zwei exemplarische Sätze anbieten: „Ich glaube an Christus, aber kindermißbrauchende Priester und Klerikalismus sind inakzeptabel, daher bin ich aus der Kirche ausgetreten oder besuche zumindest aus Protest nicht mehr die Heilige Messe.“

Klerikalismus...

Was bedeutet das eigentlich? Klerikalismus bezeichnet das Bestreben, der Geistlichkeit einer Religion mehr Einfluß zu verschaffen, manchmal gegenüber dem Staat, in der Regel aber gegenüber den Laien.

Nun kommt es in der Kirche, die eine Gemeinschaft sich in Christus liebender Brüder und Schwestern ist, zu Missbrauchsfällen durch Priester. Das ist ein Schock nicht nur für die direkt Betroffenen, sondern für alle Katholiken, die guten Willens und an der Einheit ihrer Kirche interessiert sind.

Unsere ganze Gemeinschaft wird durch die Taten einiger Weniger in den Dreck gezogen und viele Gläubige erfahren dies als ein großes Leid. Kann da die Antwort „Austritt“ lauten, wenn man sich gleichzeitig gegen Klerikalismus ausspricht?

Was machen denn diejenigen, die wegen der Priester, die Kinder missbrauchten, aus der Kirche austreten? Sie sagen doch im Grunde nichts anderes als: „Meine nun leidenden Brüder und Schwestern, denen ich in diesen schweren Zeiten alleine schon durch meine Anwesenheit ein Zeichen des Liebesdienstes geben könnte, diese Brüder und Schwestern interessieren mich nicht. Ich schaue, bevor ich urteile und handle, nur auf das, was die Priester taten und tun.“ Das ist doch die perfideste Form des Klerikalismus.

Ein zweiter Satz, mit dem das Fernbleiben von der sonntäglichen Messe gerne entschuldigt wird, lautet ungefähr: „Ja, ich bin katholisch und ich glaube an Christus, aber ich gehe nicht in die Kirche. Ich gehe hin und wieder durch den Wald und bete dort, denn in seiner Schöpfung - in dem, was er geschaffen hat - ist mir Gott mindestens ebenso nahe, wie in der Kirche.“

Ist er das?

Man sollte diesen Leuten einmal raten, ihren Partnern ein kleines, selbst getöpfertes Tonplättchen mit eingeritzten Initialen in die Hand zu drücken und zu sagen: „Hier, das kannst du jetzt mit dir herumtragen, denn durch dieses Plättchen, das ich selbst geschaffen habe, bin ich dir ebenso nahe, als stünde ich direkt neben dir. Ich gehe jetzt erst einmal für ein paar Jahre ins Ausland.“

Man erkennt – denke ich – woran es hakt: Das Himmelreich ist in der Tat ein Schatz. Aber ein Schatz ist unter anderem deswegen ein Schatz, weil man nicht nur ganz genau weiß, was er wert ist, sondern weil man auch ganz genau weiß, wo er sich befindet und daß man ihn zwar erwerben kann, ihn aber bei der Übergabe nicht durch etwas beliebiges Anderes ausgetauscht sehen möchte.

Daß wir nie in Versuchung geraten, in den Sakramenten der Kirche und im Tabernakel nur ein nebensächliches, schmückendes Beiwerk unseres Glaubens und unserer Kirchengebäude zu sehen, dabei helfe uns der allmächtige Gott.

Kommentare:

Sponsa Agni hat gesagt…

Eine gute Predigt, danke!

Anonym hat gesagt…

Alipius, DAS, genau DAS ist der Knackpunkt!