Sonntag, 17. Juli 2011

Zum heutigen Evangelium

Vor nicht allzu langer Zeit traf ich einen jungen Mann aus dem Gewerbe, der stramm auf seine Priesterweihe zumarschierte. Wir unterhielten uns über die Tauffeier. Er erklärte mir, daß er in diesem Rahmen die Absage an den Teufel nicht mit dem Wort Satan oder Teufel formulieren könne. "Ich kann nicht Satan sagen" hieß es wörtlich.

Ich machte ihn auf den in diesem Satz enthaltenen Widerspruch aufmerksam. Denn wenn er den Satz "Ich kann nicht Satan sagen" ausspricht, dann beweist er ja genau mit diesem Satz, daß er die Fähigkeit besitzt, daß Wort Satan zu sagen.

Er gestand dann auch, daß er Satan natürlich sagen kann aber nicht sagen will, da die Vorstellung eines persönlichen Widersachers einem alten Glaubensbild entspricht und nichts mit dem zu tun hat, was aufgeklärte Christen über die Welt wissen oder wissen sollten. Es lief darauf hinaus, daß er zwar die Existenz des Bösen in der Welt anerkannte, die Existenz des Teufels als Person aber nicht.

Man muß hier natürlich differenzieren. Wer mit dem Bild eines rot behaarten, pferdefüßigen, spitzschwänzigen, gehörnten, feuer-spuckenden Unholds mit Mistgabel in der Hand Angst verbreiten will, bedient sich in der Tat eines gewagten und nicht zulässigen Bildes. Wie der Teufel aussieht, daß muß uns nun wirklich nicht interessieren.

Ist das aber ein Grund, gleich die Existenz des Teufels zu leugenen?

Der vatikanische Chef-Exorzist Gabriel Amorth sagte in einem Interview, der größte Erfolg des Teufels ist, die Menschen glauben zu machen, daß er nicht existiert.

In der Tat ist dies ein grandioser Erfolg. Machen wir uns den Unterschied klar zwischen einem Menschen, für den der Teufel als Sämann des Bösen - so, wie er im hautigen Evangelium auftritt - existiert und einem Menschen, der nur vom "Bösen" redet.

Der erstgenannte Mensch ist viel eher dazu in der Lage zu erkennen, daß er mit jeder bösen Handlung eine persönliche Antwort auf ein persönliches Angebot gibt; daß er mit jeder Sünde dem Lockruf des Teufels nachgibt. Das nimmt den Menschen in die Verantwortung und zwingt ihn, den täglichen Versuchungen fest entgegenzusehen, sie zu prüfen und aus einem informierten Gewissen heraus sie als Angebot des Widersachers abzutun.

Wo ein Mensch nur das "Böse" gelten läßt aber nicht den Teufel, ist die Gefahr viel größer, den Versuchungen nachzugeben. Das "Böse", das ist ein schwammiger Begriff. Das läßt sich leicht verkaufen als ein Element, welches nun mal leider irgendwie zu unserer Welt gehört. Man kann nun mal nichts dagegen unternehmen und es ist doch vollkommen verständlich und einleuchtend, daß ein Mensch dieser Gewalt gegenüber hin und wieder einmal einknickt.

Der Mensch, der eine schlechte Tat als eine persönliche Antwort auf ein persönliches Angebot des Teufels anerkennt, wird damit auch seine Verfehlungen als Sünde anerkennen und nach Vergebung suchen. Der Mensch, der sich der diffusen Macht des Bösen ausgesetzt sieht, wird sich mit einer Schwäche entschuldigen und darauf verweisen, daß er schließlich niemandem weh getan hat.

Der Eine kommt von den Sünden befreit gestärkt aus dem Beichtstuhl und wird mit Freuden und in kurzer Zeit die üblicherweise geringe und erträgliche Buße erledigen. Der Andere verlegt den Beichtstuhl in seinen Kopf, wo er sich im Bedarfsfalle selbst die Absolution erteilt und vielleicht noch augenzwinkernd einen guten Vorsatz formuliert.

Es wird wohl kaum ein Zufall sein, daß einerseits die Leute immer weniger von der Existenz des Teufels wissen (und wissen wollen) und es gleichzeitig vor unseren Beichtstühlen immer leerer wird.

Schauen wir noch einmal, was Christus heute im Evangelium sagte: "...; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel." Und: "Wer Ohren hat, der höre!"

Das Thema "Ohren – Hören –Verstehen" ist uns noch vom letzten Sonntag in Erinnerung: Alle Menschen, die gut funktionierende Ohren haben, hören. Aber nicht jeder Mensch, der hört, versteht auch. Dennoch sagt Jesus am Ende des heutigen Evangeliums: "Wer Ohren hat, der höre!", nicht "Wer Ohren hat, der verstehe!"

Jesus wünscht, dass die Menschen erst einmal hören. Denn die Kunst des Verstehens beginnt mit der Fähigkeit, genau zuzuhören, ebenso, wie die Kunst des Erkennens mit der Fähigkeit beginnt, genau hinzusehen.

Ich wünsche uns allen, daß wir immer unsere Ohren von Jesus spitzen lassen und unsere Augen von ihm schärfen lassen, damit wir die Angebote des Teufels als den Schall verstehen und den Rauch erkennen, der sie nun einmal sind.

Kommentare:

Josef Bordat hat gesagt…

"Ich wünsche uns allen, daß wir immer unsere Ohren von Jesus spitzen lassen und unsere Augen von ihm schärfen lassen, damit wir die Angebote des Teufels als den Schall verstehen und den Rauch erkennen, der sie nun einmal sind."

Danke! - Und: Gut gesagt!

JoBo

Tiberius hat gesagt…

Was der wohl zum alten Taufritus sagen würde. Ich muß zugeben, daß ich - als ich mich für die Taufe meiner Frau und meines Sohnes damit beschäftigt habe - erstmal mit den Ohren geschlackert habe. Das ist ein noch viel stärkerer Tobac, mit all seinen Exorzismen. Dagegen sollte der neue Taufritus auch für moderne Gemüter noch ziemlich eingängig sein.

Alipius hat gesagt…

@ Josef: Gerne und selber Danke!

@ Tiberius: Ja, der neue Taufritus ist im Vergleich zum alten Kindergeburtstag.

Johannes hat gesagt…

Die ganze moderne Liturgie ist ein einziger Kindergeburtstag (natürlich nicht, wenn man auf dem Land lebt und einen Landpfarrer hat) Aber die heutige Lesung wurde schon mal - der Landpfarrer ist in Urlaub - verkürzt vorgelegesen. Offenkundig ist die volle Dröhnung Bibel heute niemandem mehr zuzumuten.

Kai hat gesagt…

Super!
Zufällig war ich heute seit über einem halben Jahr wieder beichten und muss sagen, deine Worte treffen den Nagel auf den Kopf.

Le Penseur hat gesagt…

Sehe ich irgendwie anders.

Wer die Existenz eines »Satan« annimmt, dem wird nicht die Verantwortung genommen, sondern vielmehr erst so richtig gegeben!

Für die Schweinereien, die ich begehe, habe ich keinen pöhsen Teufel, der mich verführte, als Ausrede, sondern ich selbst bin es, der gesündigt hat, und niemand anderer.

Mal von den Theodizee-Fragen, die mit einem Teufel, der von Gott zugelassen wird, zwangsläufig virulent werden, abgesehen ...

Alipius hat gesagt…

@ Le Penseur: Ich glaube, hier gibt's ein Mißverständnis. Ich habe nicht gesagt, daß den Menschen, die die Existenz eines Satan annehmen, die Verantwortung genommen wird. Ganz im Gegenteil:

"Der erstgenannte Mensch ist viel eher dazu in der Lage zu erkennen, daß er mit jeder bösen Handlung eine persönliche Antwort auf ein persönliches Angebot gibt; daß er mit jeder Sünde dem Lockruf des Teufels nachgibt. Das nimmt den Menschen in die Verantwortung und zwingt ihn, den täglichen Versuchungen fest entgegenzusehen, sie zu prüfen und aus einem informierten Gewissen heraus sie als Angebot des Widersachers abzutun."

Ich will auch nicht sagen, daß man sich mit einer Verführung durch den Teufel entschuldigen kann. Der Text gibt - hoffe ich - ziemlich klar wieder, daß die Verführung nicht die Sünde bewirkt, sondern nur ich als derjenige, der in einer persönlichen Entscheidung der Verführung nachgibt. Somit bin natürlich ich es, der gesündigt hat und niemand anderer.

Der Teufel ist deswegen "zugelassen" worden, weil Gott ihm dieselbe Freiheit gab, die er auch uns gibt: "Serviam" oder "Non serviam"

Imrahil hat gesagt…

@Le Penseur: Kleine Seitenbemerkung: Icg kann den Gedankengang nicht nachvollziehen, daß es schwieriger ist, auf die Frage nach der Existenz des Teufels zu antworten als auf die nach der Existenz des Bösen ohne Teufels. Ich würde umgekehrt denken und das für offenkundig halten.