Montag, 25. Juli 2011

Zu den Attentaten in Norwegen...

... habe ich direkt eigentlich nicht so arg viel zu sagen. Daß ich im Gebet bei den Opfern und ihren Angehörigen bin, versteht sich von selbst.

Ansonsten besteht zwischen den offenen Fragen und den auf englischen und deutschen Blogs wachsenden Interpretationen, Kommentaren und Szenarien (von denen einige eher nach grotesken Verschwörungstheorien klingen, andere dagegen aber sehr plausibel sind) einfach ein zu großer Spielraum.

Die eigentlichen Fakten sind daher momentan eher in den verschiedenen Weisen zu finden, auf die mit dem Thema in den Medien (offizielle und inoffizielle, "System" und unabhängige) umgegangen wird.

Diese sind immerhin bezeichnend genug, titelte doch z.B. der Spiegel vorgestern: "Mutmaßlicher Attentäter: Blond, blauäugig, skrupellos", während es in den Salzburger Nachrichten im Artikel "Die furchtbare Ernte der Haßprediger" heißt:
    Wir erleben in jüngster Zeit immer öfter das europäisch-christliche Gegenstück zu islamistischen Hasstiraden.

Auf Blogs und Foren, die man im weitesten Sinne der Counterjihad-Szene zuordnen kann, wird beklagt, daß die Medien und Politiker nun eine Hetzjagd auf alles beginnen werden, was sich rechts von ihrem Standpunkt befindet und somit das Massaker von Norwegen für ihre Zwecke instrumentalisieren. Das kann man so einschätzen, dann sollte man aber fairerweise zugeben, daß man auf der ein oder anderen Internetseite mit der Instrumentalisierung auch nicht immer sparsam umgeht, wenn es den eigenen Interessen dient.

Interessant fand ich eine Überlegung, die ich im Kommentarbereich bei Manfred fand:
    Nach islamistischen Anschlägen gab es in der Vergangenheit stets Diskussionen darüber was die Gesellschaft falsch gemacht haben könnte damit der Täter zum Täter wurde. Also beispielsweise mangelhafte Partizipation, böse Diskriminierungserfahrungen oder westliche Truppenpräsenz in islamischen Ländern.

    So eine Diskussion wird es jetzt sicher nicht geben. Es wird keinen einzigen Beitrag in Zeitungen oder Fernsehdiskussionen geben, der darauf hinweist das die Überfremdungspolitik in Europa früher oder später auf militanten Widerstand stoßen musste und weiter stoßen wird. Niemand wird öffentlich ein Ende der Masseneinwanderung als Prävention gegen eine Eskalation fordern.
Wenn der Haupttenor wirklich lauten soll, daß der Täter der Einwaderungspolitik Europas gegenüber feindlich gesonnen ist (MSM-vulgo: islamkritisch bzw ausländerfeindlich) und die Realität so aussieht, daß er als einziges Zeichen, welches er setzen konnte, einen irren Massenmord an Landsleuten wählte, dann sollten die für ihre Völker in den verschiedenen Ländern Europas Verantwortlichen sich schon im eigenen Interesse die Frage stellen, was sie falsch gemacht haben. Hier einfach nur auf eine mentale Unbalanciertheit beim Täter hinzuweisen, das greift deutlich zu kurz (wenn es sich auch letztlich in diesem Fall als korrekt erweisen mag), denn die möglicherweise bedeutend weniger irren Copycats lauern unter Umständen schon schwer bewaffnet in den Kellern und Garagen europäischer Großstädte.

Ich weiß nicht mehr, wann und wo ich es schrieb (weiß nicht einmal mehr, ob es hier war oder auf am römsten), aber ich habe schon in der Vergangenheit einmal die Befürchtung geäußert, daß sich in den Großstädten Europas bürgerkriegsähnliche Szenen abspielen können, wenn man die nicht von der Hand zu weisenden Probleme, welche die europäische Einwanderunspolitik der letzten Jahrzehnte mit sich brachte, nicht nüchtern und sachlich beim Namen nennt und dann auch angeht, sondern nur versucht, sich irgendwie durchzuschäublen.

Wenn ich z.B. an die Reaktionen auf das Sarrazin-Buch zurückdenke, die ich in allen möglichen Kommentarbereichen aller möglichen Online-Angebote großer Tageszeitungen fand, dann müßte ich einigermaßen realitätsfern leben, wenn ich nicht erkenne, daß es alleine in Deutschland schon eine gewaltig Menge von Leuten gibt, die sich übergangen, verarscht, bedroht, ausgenutzt, verraten und verkauft vorkommen. Dieses Potential nicht ernst zu nehmen, sondern es weiterhin fleißig in die Schubladen "Stammtisch", "Irrationaler Fremdenhaß" oder "Christlicher Fundamentalismus" zu schaufeln, kann uns teuer zu stehen kommen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dieser Kommentar ist wohl keine Lösung, sondern eher Teil des Problems, aber folgendes: Das System der Demokratie basiert darauf, dass die Bürger (erspart mir bitte die -Innen) rationale Entscheidungen treffen, um anstehende Probleme zu lösen. Das ist das Konzept, das seit dem 18. Jahrhundert immer weiter gedacht wurde.

Das Problem dabei ist: Es stimmt so nicht. Rationale Entscheidungen sind in unserem Alltag nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Meist folgen wir bzw handeln aufgrund Emotionen, die offenbar einfach mächtiger sind als die kühle Vernunft. Positive Emotionen betreffen oft den Besitzstand (wir wollen ... haben / bewahren), negative häufig Menschen (wir brauchen / wollen ... nicht).

Und der Souverän in einem demokratischen System ist regelmäßig nicht das Volk, sondern die Parteien. Diese haben sich darauf eingestellt, statt rationaler Entscheidungen Emotionen zu produzieren und zu bedienen. Ob das zukunftsfähig ist?

Meine Mutter sagt immer, daß das Hirn in Österreich ein unanständiger Körperteil sei; ich glaube, das gilt für alle westlichen Demokratien. Da stehen wir also, von Emotionen (positiven wie negativen) beherrschte Bürger von Demokratien, deren Parteien in der Regel nicht weiter als bis zur nächsten Wahl denken und dabei alles Geld, das man irgend wie irgend wo auftreiben könnte, auch verläßlich ausgeben.

Ich glaube, schon die Tatsache, daß es uns unter solchen Umständen immer noch gibt, ist ein Gottesbeweis für sich.

Pompous Ass

Arminius hat gesagt…

Was jetzt kommt, Hat Lichtmesz bereits am Samstag treffend vorausgesagt.

Stegi hat gesagt…

Die Kreuznattern (....) haben plausibel dargelegt, dass es sich beim Attentäter um einen Freimaurer handeln soll. Und tatsächlich existiert ein Foto von ihm in entsprechender Vereinstracht.
Demzufolge ist er Christ nur auf dem Papier- man sollte den Fall also konsequenterweise weiter verweisen.

Morgenländer hat gesagt…

Lieber herr Alipius,

in Norwegen leben weniger als 150.000 Muslime. Das sind - bei einer Bevölkerungszahl von über 4,5 Millionen etwa drei Prozent der Bevölkerung.

Dass der mutmassliche Attentäter angesichts solcher Zahlen von der drohenden Islamisierung seiner Heimat spricht, ist aus meiner Sicht ein deutlicher Hinweis auf eine schwer verzerrte Wahrnehmung von Wirklichkeit.

Viele Grüße
Morgenländer

Le Penseur hat gesagt…

@Morgenländer:

Immigrants & Norwegian-born to immigrants

Immigrants & Norwegian-born to immigrants

Na, sieht doch gleich total beruhigend aus, wenn man die Zahlenreihe (1970) 3.549 - ('80) 22.382 - ('90) 76.782 - ('00) 140.269 - ('10) 284.246 ansieht. Besonders, wenn man sie fortschreibt.

Und noch viel beruhigender ist es, wenn man dann hier liest:
"During 2010, the number of Norwegian-born to immigrant parents increased from 93.000 to 100.400 persons. Those with Pakistani parents made up the largest group of all Norwegian-born to immigrant parents, with 14 400. Norwegian-born to Somali parents were the second largest group (7 800), followed by those with parents from Vietnam (7 400), Iraq (6 600) and Turkey (5 900)."

Da erkennt man doch glasklar, daß es sowas wie Ethnomorphose in Norwegen doch überhaupt nicht gibt. Aber nein, ganz sicher nicht ...

Anonym hat gesagt…

Zitat Alipius: Zu den Attentaten in Norwegen...
... habe ich direkt eigentlich nicht so arg viel zu sagen./Zitat

Das wundert mich schon sehr. Wenn sonst jemand stirbt, auch wenn nur ganz bestimmt Gläubige das für einen Menschen halten und diesen Tod als "Mord" rubrizieren (eine befruchtet Eizelle zum Beispiel), dann ist das geistliche Gedonner riesengross und manch einer versteigt sich gar zu den in katholischen Kreisen so beliebten Nazivergleichen.
Und jetzt, wo, nach neuesten Meldungen, fast siebzig Kinder, Jugendliche und Erwachsene ermordet wurden, haben Sie wenig zu sagen Alipius? Und auch von allen anderen selbst ernannten "Lebensschützern", wie Meisner, Laun und Co nur dumpfes Schweigen? Sind Ihnen die ermordeten Kinder weniger wichtig, denn die befruchteten Eizellen in den Bäuchen der Frauen? Den Verdacht habe ich schon sehr lange. Sie bestäigen ihn jetzt mit Ihrem "... habe ich wenig zu sagen". Schade.

Chris Mirabilis hat gesagt…

Lieber Morgenländern,

das mag ja stimmen, aber ersten ballt sich das natürlich in Oslo und anderen großen Städten, und zweitens gibt es leider Fakten, die zeigen, daß es doch ein Problem gibt. Ein ganz erhebliches. Dafür muß man sich nur mal die Vergewaltigungsstatistik anschauen. Täter weit überdurchschnittlich mit "nichtwestlichem" Migrationshintergrund, Opfer überwiegend Norwegerinnen. http://www.aftenposten.no/english/local/article190268.ece

Alipius hat gesagt…

@ anonym (25. Juli, 19:20 Uhr): Sie machen hier aber ganz schön auf dicke Hose, dafür, daß sie nicht einmal die Cojones haben, sich namentlich erkenntlich zu geben.

Es ist mir zwar fast irgendwie ein wenig peinlich, das einem offenbar Erwachsenen Menschen erklären zu müssen, aber es besteht ein meilenweiter Unterschied in der gesellschaftlichen Akzeptanz von Morden, wie sie in Norwegen stattfanden und Morden, wie sie sekündlich im Mutterleib stattfinden. Dementsprechend werden diese Themen bei mir auch anders behandelt. Daß die Tat in Norwegen abscheulich war, das entzieht sich, hoffe ich, jeder Debatte. Daß Abtreibung ebenfalls abscheulich ist, daß muß man der Gesellschaft eben immer wieder mal sagen.

Um anzunehmen, ermordete Kinder seien mir "weniger wichtig" als "befruchtete Eizellen", nur, weil ich kein öffentliches Lamento starte, muß man ideologisch übrigens schon sehr verblendet sein.

F. M. hat gesagt…

@ anonym (25. Juli, 19:20 Uhr): Sie machen hier aber ganz schön auf dicke Hose, dafür, daß sie nicht einmal die Cojones haben, sich namentlich erkenntlich zu geben.

Ich hab mir schon genug bleidigende Briefe, meist anonymer Genese, im Briefkasten eingefangen, weil ich nicht genug gläubig bin für die ganzen Edelkatholiken. Deswegen, zum Schutz meines Beifkastens und den Nerven meiner Familie, anonym.

Und dass Abtreibungen "abscheulicher" sind als die Morde an Kindern in Norwegen ist eine speziell katholische Glaubenswahrheit, die die allermeisten Menschen und davon sehr viele Katholiken NICHT teilen. Ach ja, die sind dann ja nicht mehr katholisch; aber die würden alle, aus dem brennenden Krankehaus das Baby retten und nicht die Petrischale.
Gesegnete Nachtruhe wünsch ich auf Ihrem gut katholischen Gewissenskissen.
Wenn Sie nur feste genug auf Abtreiberinnen und Abtreiber eindreschen wird alles gut. Für Sie.

Alipius hat gesagt…

F.M.: Sie sind ein echter Spaßvogel! Anläßlich meines Postings, das sich rein mit der Situation in Norwegen bzw. der Berichterstattung darüber beschäftigt, jubeln Sie mir zuerst die nölige "Menno! Sie finden befruchtete Eizellen aber besser als Kinder"-Karte unter und stemmen sich von dort ab zum festen Eindreschen auf Abtreibungsbefürworter, nur weil ich Ihnen die Unlogik ihrer Gedankengänge vorhalte?!

Sind Sie sicher, daß die ganze Post in ihrem Briefkasten von bösen Inquisitoren stammt, oder könnte vielleicht auch die ein oder andere Schrift dabei gewesen sein, die ihnen beibringen wollte, Texte richtig zu lesen?

Oder wo genau entnehmen sie meinem Kommentar, daß Abtreibungen "abscheulicher" sind als die Morde an Kindern in Norwegen (Rhetorische Frage; ich wäre nicht unentzückt, wenn Sie hier nicht weiter herumtrollen)?

Anonym hat gesagt…

Lieber Alipius,

leider wird die Diskussion etwas bösartig. Dennoch muss ich als regelmäßiger Leser dieses und anderer katholischer Blogs auch anmerken, dass mich das dröhnende Schweigen der Blogozöse etwas enttäuscht.

Genügt es wirklich, zu schreiben "Zu den Attentaten in Norwegen... habe ich direkt eigentlich nicht so arg viel zu sagen. Daß ich im Gebet bei den Opfern und ihren Angehörigen bin, versteht sich von selbst."

Ich hätte mir da in der Blogozöse mehr erhofft.

Beste Grüße
Ein wohlmeinender Mitleser, der es vorzieht, anonym zu bleiben.

Anonym hat gesagt…

"Und dass Abtreibungen "abscheulicher" sind als die Morde an Kindern in Norwegen ist eine speziell katholische Glaubenswahrheit ..."

Und DAS alles (v. a. "abscheulichER") steht WO GENAU?


Ach, wieso frage ich überhaupt, wenn es sich doch um reine Einbildung und abgeschmackteste Polemik handelt ...

F. M. hat gesagt…

Sind Sie sicher, daß die ganze Post in ihrem Briefkasten von bösen Inquisitoren stammt, oder könnte vielleicht auch die ein oder andere Schrift dabei gewesen sein, die ihnen beibringen wollte, Texte richtig zu lesen?

Na ja, eine Unterstellung. Was sollte ich auch andres erwarten. Lassen wirs lieber.

Lisje Türelüre aus der Klappergasse hat gesagt…

Ich stimme Ihnen vollständig zu und danke vor allem, daß Sie das Wort "Überfremdung" gelten lassen,denn darum geht es ja. Leider fürchte ich, daß dieses Verbrechen von den Medien ganz furchtbar instrumentalisiert werden wird. Halten wir uns folgendes vor Augen: In der aufziehenden Diktatur, in der wir leben,gilt Religion wie rauchen: besser nicht. Und wenn doch,dann gilt: alle Religionen sind gleich. Und jetzt kann man sagen: Seht ihr, bei euch gibts auch Terroristen !! Daß Priester bei dem Geschwafel "Alle Religionen sind gleich" mittun und sich schwer versündigen, versteht sich von selbst.

Anonym hat gesagt…

Ich halte die sehr tendiziöse Berichterstattung ("Irrer Täter, Teufel") für einen seriösen Journalismus recht voreilig, da einfach zu wenig über das Vorleben des Täters bekannt ist. Die Art der Opferauswahl und der Ausführung sprechen eher für einen methodisch vorgehenden Verstand, was sich mit den wenigsten Geisteskrankheiten verträgt. Den Einzeltäter als geisteskrank hinzustellen erspart für manche schlichte Geister, wie mir scheint, ein hintergründiges Nachdenken über die Tat und dient wohl auch der Verarbeitung. Hier muss man den ganzen Schrecken aushalten, um jeden Aspekt dieses Verbrechens zu erhellen und so die Möglichkeit einer lebenswerten Zukunft zu gewinnen.

@ F. M.: Als Katholik teile ich die ethischen Grundhaltung von Padre Alipius von der Gleichwertigkeit allen menschlichen Lebens und kann mich, der ich einen Autisten in der weiteren Verwandtschaft habe, über Ihren euthanistischen und eigentlich menschenverachtenden Unsinn nur wundern. Wenn der Mensch sich zum Schöpfer und Richter erhebt, dann kam dabei bisher nichts vernünftiges bei herum,
My two cents for this day...

Anonym hat gesagt…

ich wäre nicht unentzückt, wenn Sie hier nicht weiter herumtrollen

Was tut man nicht alles aus purer Nächstenliebe? Adieu! F. M.

.U. hat gesagt…

F.M.,
ich empfehle die Lektüre von
http://jobo72.wordpress.com/2011/06/08/gedanken-uber-gedankenexperimente/

Alipius hat gesagt…

@ wohlmeinenden Mitleser: Es ist völlig legitim, sich mehr zu erhoffen. Mich nervt, wenn den nicht erfüllten Hoffnungen dann gleich Klagen wie "Ihr findet befruchtete Eizellen wertvoller als Kinder" folgen. Schön wäre auch, wenn nicht nur gehofft wird, sondern konkret gesagt wird, wie die Hoffnungen erfüllt werden könnten. Ich meine, bei einer Tat wie dem Massenmord von Norwegen bleibt in erster Instanz nur das Gebet.

Morgenländer hat gesagt…

@Le Penseur:

Die mir vorliegenden Prognosen für 2012 sind noch dramatischer als die von Ihnen genannten:

Schon im kommenden Jahr werden in Norwegen keine christlichen Kinder geboren werden. Verantwortlich dafür sind allerdings nicht die Immigranten, sondern die Tatsache, dass Christen nicht geboren, sondern wiedergeboren (getauft) werden.

Dem Herrgott dürfte es einerlei sein, ob die auf der Erde lebenden Menschen Türken, Norweger, Vietnamesen oder Deutsche sind. Nicht egal aber dürfte ihm sein, ob wir seine Weisung Ernst nehmen:

"Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe."

@Chris Mirabilis:

Was die Großstädte betrifft, haben Sie gewiss Recht. Ich lebe selbst in einer (Bremen), und es liegt mir fern, die Probleme der Einwanderung klein reden zu wollen.

In dem Stadtteil, in dem ich wohne, ist jeder Vierte ein Einwanderer; weitere fünfundzwanzig Prozent haben mindestens ein Elternteil, das nicht in Deutschland geboren worden ist.

Keine Frage, Bremen hat sich durch die Zuwanderung der letzten fünfzig Jahre stark verändert. Nur noch eine Minderheit der Bremer werden sich noch als 'Hanseaten' verstehen, und das sehe ich als jemand, dem Traditionen wichtig sind, nicht ohne Kummer.

Aber als Christ weiß ich eben auch, dass es im Leben jedes Menschen etwas Wichtigeres gibt als Traditionen, nämlich den Bruch mit der Tradition eines sündigen und gottfernen Lebens.

Diesen Bruch muss jeder von uns vollziehen, ob er nun als Deutscher oder Türke zur Welt gekommen ist. Und eben dies eint uns auch, über alle Unterschiede von Geburt, Geschlecht und Volkszugehörigkeit hinweg.

Viele Grüße
Morgenländer

Anonym hat gesagt…

Noch ein anonymer Mitleser, der seinen Senf dazugeben muß:

Mich erinnert die ganze Chose sehr an einen gewissen Herrn Karl Kraus aus Wien, der dem einen oder anderen bekennenden Nicht-Analphabeten vielleicht bekannt sein wird. Kraus war ein großer Kritiker seiner Zeit und vor allem der dort begangenen Sprach-Verhunzungen. Im ominösen Jahr 1933 schrieb Kraus über Monate hindurch, publizierte aber nichts. Erst 1952 erschien dann seine "Dritte Walpurgnisnacht", von der vor allem der erste Satz bekannt geblieben ist: "Mir fällt zu ... (bitte Namen einsetzen) nichts ein." Das ist der einzige Satz, den viele Leute von Karl Kraus zitieren können. Die folgenden 400-und-etliche Seiten dieses fürchterlich hellsichtigen Werkes werden gerne vergessen.

Ob "habe ich nicht so arg viel zu sagen" oder "fällt zu ... nichts ein" - wer sich nur an einem Satz aufhängt, der hat den Rest aber wirklich glorreich verschlafen.

Übrigens, lieber Herr F.M., Mord zählt seit dem Alten Testament unter die "himmelschreienden Sünden". Solche braucht der Mensch eigentlich nicht eigens zu verurteilen, da die Sünde selbst zu Gott schreit. Daß Mord nicht unter die läßlichen Sünden fällt, dürfte bekannt sein.

Pompous Ass

Le Penseur hat gesagt…

@ Mitleser, der es vorzieht, anonym zu bleiben (den ersten ;-) ):

Als recht eigentlicher (oder eigentlich rechter — pun intended) Nicht-Bestandteil der "Blogözese" erlaube ich mir, zu Ihrem Gravamen

... muss ich als regelmäßiger Leser dieses und anderer katholischer Blogs auch anmerken, dass mich das dröhnende Schweigen der Blogozöse etwas enttäuscht.

Ihre geneigte Aufmerksamkeit auf folgende Einträge (der Blogroll von Rev. Alipius entnommen) zu lenken:

http://www.dernotizblog.com/2011/07/prayer-for-people-of-norway.html

http://elsalaska.twoday.net/stories/34638451/

http://jobo72.wordpress.com/2011/07/25/logik-des-bosen-ausweg-gesucht/
und
http://jobo72.wordpress.com/2011/07/25/christlicher-fundamentalismus-ein-mediales-deutungsmuster/

http://epistulaetiberii.blogspot.com/2007/07/norwegen.html

Von "dröhnendem Schweigen" i.S.v. "was interessiert uns das" kann ich da nicht wirklich was finden. Fassungslosigkeit, ja — aber wundert Sie das?

Den politisch interessierten Medien ist hingegen "dröhnendes Schweigen" fremd. Die dröhnen dahin in ihrer Effekthascherei (bevor das Thema "gegessen" ist), und in Verfolgung ihrer Agenda — treffend zusammengefaßt bei
http://www.politplatschquatsch.com/2011/07/stampede-der-schamlosen.html

Ob das wirklich besser ist als betroffenes "Schweigen" ...?

Le Penseur hat gesagt…

@Morgenländer:

Recht witzig repliziert!

Aber nun verraten Sie uns bitte noch, wieviele der pakistanisch-, somalis- und türkischstämmigen Neugeborenen getauft werden. Dann wird unsere Beruhigung gleich wachsen ...

Morgenländer hat gesagt…

@Le Penseur:

Nun, Zahlen aus Norwegen kenne ich nicht; hier im norddeutschen Raum (Bremen, Hannover) waren in den vergangenen Jahren aber zahlreiche Konversionen zu verzeichnen, übrigens besonders unter afghanischen und iranischen Flüchtlingen.

Sehen Sie, die Frage der Volkszugehörigkeit oder kulturellen Herkunft eines Einwanderers zum entscheidenden Gesihctspunkt zu machen, das ist keine christliche, sondern eine durch und durch heidnische Sicht der Dinge, und es befremdet mich (pun intendet), wenn auch in der Blogozese dieses Neu-Heidentum mehr und mehr Zuspruch findet.

@Alipius:

Lieber Herr Alipius, beim erneuten Lesen Ihres Beitrags ist mir noch eines aufgefallen: Sie kommen recht schnell vom norwegischen Attentat auf die (echten und vermeintlichen) Probleme der Zuwanderung in Europa.

Nun hat der Attentäter aber nicht Einwanderer, sondern junge Sozialdemokraten zur Zielscheibe seines Hasses gemacht, und sein online nachlesbares Elaborat beginnt nicht mit einem Angriff auf den 'Multikulturalismus', sondern auf den 'Kulturmarxismus', der in seinen Augen hierzulande kulturelle Hegemonie gewonnen habe.

Der Hass, der den Attentäter hat morden lassen, war also primär nicht ein Hass auf Fremde, sondern auf Andersdenkende.

Und hier sehe ich unsere Verantwortung: wir sollten in unseren Reden und Schriften bei aller Kritik an Laizismus, Atheismus usw. sorgsam darauf achten, verächtliche Reden zu meiden und keinen Hass zu schüren.

Es gibt auch einen Extremismus der Mitte, und der ist nicht weniger gefährlich als der linke, rechte oder islamistische.

Viele Grüße
Morgenländer

Anonym hat gesagt…

"Und hier sehe ich unsere Verantwortung: wir sollten in unseren Reden und Schriften bei aller Kritik an Laizismus, Atheismus usw. sorgsam darauf achten, verächtliche Reden zu meiden und keinen Hass zu schüren."

Es wäre nett, wenn sich (radikale) Atheisten, Laizisten etc. auch daran halten würden - tun sie aber nicht, während gewöhnliche Christen so zurückhaltend sind, daß es ihnen bei selbigen die Sprache verschlägt. Ständig höflich, lieb und nett zu sein, zu solchen, die sich überhaupt nicht scheuen, gläubige Christen (oder sonstige religiöse Personen) ständig als dumm, geisteskrank, verkommen etc. hinzustellen und öffentlich auch so zu betiteln, ist nicht jedermanns Sache und es besteht wohl keine Pflicht, sich das gefallen zu lassen (zumindest nicht in jeder Religion).

Und "Extremismus der Mitte" erinnert mich nicht gerade wenig an einen - im linken Lager gebrauchten - Kampfbegriff (s. http://pickelhaube.wordpress.com/2011/04/25/von-der-nichtexistenz-des-linksextremismus/).

Anonym hat gesagt…

Donnerwetter! Das ist schon eine intellektuelle Leistung! Da bringt ein Norweger fast 100 seiner Landsleute um, davon die meisten Kinder und Jugendliche (werden wahrscheinlich allerdings auch ein paar Einwandererkinder dabei gewesen sein) und trotzdem lässt sich ohne Weiteres der Bogen zu den Einwanderern und der Einwanderungspolitik als den eigentlich Schuldigen schlagen. Ich muss gestehen, ich hab auch als erstes an ein islamistisches Attentat gedacht. da hat mich dann doch beeindruckt, dass es laut eines FAZ-Artikels (verdächtg?)) und dort lt Europol (manipuliert?) im vergangene Jahr in der EU 249 terroristische Anschläge gegeben hat - davon 3 mit islamistischem Hintergrund. Auch wir sind übrigens Einwanderer in Norwegen. Die fehlten allerdings in den hier aufgeführten Listen. Ach und noch was, der Bischof von Oslo - hat der nicht eine Beziehung zum Herrn Alipius :)? - hat auch was gesagt: http://www.kath.net/detail.php?id=32476
Gabriele

Morgenländer hat gesagt…

@Anonym:

Sicher wäre es wünschenswert, wenn sich auch Atheisten und Laizisten an die Umgangsformen zivilisierter Menschen halten würden. Aber dass sie es oft nicht tun, entbindet uns doch aber nicht von der Beachtung dieser Regeln. Auch meine ich, dass wir als Christen auf ein derartiges Aufrechnen doch wohl verzichten sollten.

Sie fühlen sich an "linke Kmapfbegriffe" erinnert, wenn ich von einem "Extremismus der Mitte" spreche? Nun, ich hatte bei dieser Formulierung an die Studien des amerikanischen Geistesgeschichtlers Richard Hofstadter gedacht, insbesondere an seine Studie über die populistische Bewegung. Nun war Hofstadter gewiss kein Konservativer, aber gewiss auch kein Linker.

Seine Studien über "Anti-Intellectualism in American Life" (1953) und "The Paranoid Style in American Politics" (1965) lohnen eine Lektüre übrigens immer noch.

Viele Grüße
Morgenländer

Anonym hat gesagt…

Ich halte das für keine wie auch immer geartete "Regel", mich zusammenzuducken und den Mund zu halten, wenn man mich bzw. was mir wichtig ist attackiert, weswegen ich mich von vornherein gar nicht erst an solches in irgendeiner Weise gebunden fühle. Abgesehen davon: Sie sprechen hier für eine bestimmte Art Christen (in Ihrem Sinne), aber nicht alle die hier schreiben sind das bzw. überhaupt Christen im eigentlichen Sinne, auch, wenn sie mit dem Katholizismus/Christentum "sympathisieren" (siehe u. a. LePenseur).


Über irgendeinen "mittigen" Extremismus höre ich in erster Linie Linke schwadronieren (wogegen ihr Verweis auf Hofstadter so rein gar nicht spricht - v. i.) und halte die Sache für eine contradictio in adjecto bzw. einen ziemlichen Unfug, um ehrlich zu sein, einmal abgesehen davon, dass "Richard Hofstadter war gewiss kein Konservativer" wohl "leicht" untertrieben ist: "Richard Hofstadter was a Communist, and a member of the Young Communist League at university, and later progressed to Communist Party membership."

Morgenländer hat gesagt…

@Anonym:

Ja, schauen Sie, wenn Sie sich schon die Mühe machen, Hofstadters Biographie zu recherchieren, sollten Sie dann doch bitte auch den englischen Wikipedia-Artikel zu Ende lesen:

Hofstadter verließ die Kommunistische Partei nach dem Hitler-Stalin-Pakt. Damals war er dreiundzwanzig Jahre alt.

Die Essays und Bücher, auf die ich mich bezogen habe und für die er zweimal den Pulitzer-Preis erhielt, stammen aus den fünfziger Jahren. Seine damalige politische Position lässt sich am ehesten als 'liberal' (im europäischen, nicht im amerikanischen Sinn dieses Begriffs) bezeichnen.

Viele Grüße
Morgenländer

Morgenländer hat gesagt…

Ach, noch eine Ergänzung zum letzten Kommentar:

In "The Paranoid Style in American Politics" untersucht Hofstadter recht ausführlich die anti-katholische Propaganda der extremistischen Mitte. Diese Analyse war es übrigens, durch die ich auf diesen Geistesgeschichtler aufmerksam geworden bin. Hofstadter schreibt:

"Anti-Catholicism has always been the pornography of the Puritan. Whereas the anti-Masons had envisaged drinking bouts and had entertained themselves with sado-masochistic fantasies about the actual enforcement of grisly Masonic oaths,* the anti-Catholics invented an immense lore about libertine priests, the confessional as an opportunity for seduction, licentious convents and monasteries. (...) As a member of the avant-garde who is capable of perceiving the conspiracy before it is fully obvious to an as yet unaroused public, the paranoid is a militant leader. He does not see social conflict as something to be mediated and compromised, in the manner of the working politician. Since what is at stake is always a conflict between absolute good and absolute evil, what is necessary is not compromise but the will to fight things out to a finish. Since the enemy is thought of as being totally evil and totally unappeasable, he must be totally eliminated—if not from the world, at least from the theatre of operations to which the paranoid directs his attention. This demand for total triumph leads to the formulation of hopelessly unrealistic goals, and since these goals are not even remotely attainable, failure constantly heightens the paranoid’s sense of frustration. Even partial success leaves him with the same feeling of powerlessness with which he began, and this in turn only strengthens his awareness of the vast and terrifying quality of the enemy he opposes."

Diese Zeilen könnten auch heute geschrieben sein, man muss nur "Muslime" lesen, wo früher "Katholiken" stand.

Viele Grüße
Morgenländer

Alipius hat gesagt…

@ Morgenländer: Ich verstehe und teile Ihre Ablehnung von Extremismus. Der ist von dem, worauf er sich bezieht (links, rechts, islamistisch, christlich) in der Regel so weit enfernt, daß die Wurzeln gerissen sind, weshalb ich Radikalismus bevorzuge. Ich möchte aber an Ihren Prämissen noch etwas herumfeilen.

Ja, ich komme auf Einwanderungsprobleme in Europa zu sprechen, aber nicht, weil mir das beim Schreiben zwischendurch so einfiel, sondern weil die Einwanderung (und der Islam) als vom Täter in Norwegen/Europa negativ wahrgenommene Phänomene in den ersten Berichten, die ich über Breivik las, eine Rolle spielen.

Ich formuliere in meinem Beitrag mit einem "Wenn" und erkenne an, daß als Opfer nicht Muslime herausgepickt wurden (Wenn der Haupttenor wirklich lauten soll, ...), sehe also die Möglichkeit, daß der Täter einem etwas breiter gestreuten Haß als nur dem auf das Islamische/das Fremde Luft machte bzw einer ihn letztlich besiegenden Verwirrtheit erlag.

Ich bin mit Ihnen der Meinung, daß verächtliche Reden und das Schüren von Haß negative Resultate einbringen werden, bin mir aber nicht immer sicher, wo wer wann genau die Grenze zwischen verächtlicher Rede/Schüren von Haß und Kritik/Ablehnung zieht bzw zu ziehen hat und wo wer wann für einen Anderen bestimmt, daß er diese Grenze überschritten hat.

In den von mir angesprochenen Kommentaren zu Sarrazins Buch schwangen kübelweise Verachtung und Haß mit, hier und da auf den Autor, häufiger aber auf Muslime. Und genau hier liegt meiner Meinung nach das Problem: Wenn dies die Wahrnehmung bei nicht wenigen Leuten ist, dann ist die Frage, ob die Probleme der Einwanderungspolitik echt oder vermeintlich sind, höchstens so wichtig wie die Frage, warum die Leute selbst Probleme, die unter Umständen vermeintliche sind, begierig aufgreifen und multiplizieren.

Ich als Katholik werde die anti-katholische Paranoia, die in der Mitte des 19. Jhdts. in Nordamerika herrschte, für den Rest meines Lebens nicht verstehen können. Aber daß sie existierte, daß sie von bestimmten Teilen der Bevölkerung aufgenommen wurde wie Wasser von einem trockenen Schwamm und daß sie zu Mord, versuchtem Mord, Sachbeshhädigung etc führte, das ist nun mal bittere Wahrheit.

Und genau diese schlummernde Gewalt bereitet mir (grade in Zeiten, in denen wirtschaftliche Unsicherheit eine Rolle spielt) nicht grade die ruhigsten Nächte.

Mir geht es gar nicht darum, aus welcher Ecke Gewalt und Haß kommen, sondern eher darum, daß sie in der Partie "Christen gegen Moslems" eine Jahrhunderte alte Tradition haben. Aber das könnte Unwichtig werden, wenn die entscheidende Frage endlich einmal nicht lautet "Christ oder Moslem?" sondern "Haß oder Zukunft?".

Ich gebe offen zu, daß ich in der heutigen Zeit die Bereitschaft zur Gewaltanwendung bedeutend eher auf der Seite der Moslems sehe und daß ich (zumindest in Deutschland und Österreich, wo ich privat und von Berufs wegen Erfahrungen sammeln konnte) den Willen zu dem, was man landläufig Integration nennt, nicht immer gegeben sehe. Auch sehe ich in puncto Gewaltverzicht eine Bringschuld auf Seiten des Islam, dessen extreme Vertreter unter Berufung auf ihren Glauben nicht einmal davor zurückschrecken, andere Moslems zu töten. Ich sage das nicht, um Haß zu schüren oder den Islam verächtlich zu machen, sondern weil es die Situation wiedergibt, wie sie sich mir momentan darstellt.

Le Penseur hat gesagt…

@Anonym*) - Posting vom 26. Juli 2011 20:51:

da hat mich dann doch beeindruckt, dass es laut eines FAZ-Artikels (verdächtg?)) und dort lt Europol (manipuliert?) im vergangene Jahr in der EU 249 terroristische Anschläge gegeben hat - davon 3 mit islamistischem Hintergrund.

Ich nehme an, Sie beziehen sich, so wie vermutlich die FAZ, auf diese Information.

Nun, klassischer Fall von Desinformation, würde ich sagen.

Die 40 (!) Fälle aus UK sind "non specified" (werden vermutlich alles grimmige Schottische Nationalisten gewesen sein, die Scotland Yard in die Luft jagen wollten, oder so ...). Welche "Separatisten" in Österreich einen Anschlag verübten (abtrünnige Vorarlberger, die den Anschluß an Liechtenstein erzwingen wollten?), tät mich auch interessieren ...

Wenig überraschend: die Korsen und Basken (beide mit stramm linken Terrororganisationen) verübten bzw. versuchten in FRankreich und Spanien Attentate. Wenn die beiden Länder diesen Narren ganz normale Freiheiten zugestehen würden, wäre das Problem gelöst — außer für die Separatisten, die dann auf einmal von der erwünschten Märtyrer-Rolle in die Niederungen einer Armenhaus-Politik gestoßen wären. Nun, sie hätten's verdient ...

Nur: was in Korsika und im Baskenland passiert, ist für die restlichen 99% der EU Jacke wie Hose. Korsische Separatisten werden in Wien nicht die U-Bahn sprengen, Basken nicht in Hamburg Eisdielen in die Luft jagen.

ÜBrigens: wenn Sie auf meinem Link auf Seite 2 klicken, sieht das Bild schon etwas anders aus: Das werden die Verhaftungen gelistet, und, simsalabim, da sind die Muselmanen mit 179 von 611 Verhafteten (UK spezifiziert wieder pc-konform nicht!) auf einmal fast 30%.

Naja, Statistiken sollte man sich immer anschauen, beovr man sie zitiert ...

P.S.: auf Seite 6 des Links wird Breivik als "christlicher Fundamentalist" geführt. Jaaaa, ganz sicher! Freimaurer, pro-gay und pro-Israel sind ja die typischen Zeichen christlichen Fundamentalismus' ...

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*) wäre doch irgendwie nett, wenn Sie sich jeder der Anonymi einen Nickname zulegte! Es erleichtert die Bezugnahme ...

Anonym hat gesagt…

@Morgenländer

Katholiken waren eine der Minderheiten dieser Zeit in Amerika und daß man dort und ebenso in England, Wales und Schottland nicht so die größte Freude mit Katholiken hatte (was - je nach Ort - natürlich noch zu beschönigend formuliert ist), wundert mich, im Ganzen gesehen, nicht so überaus (zur allgemeinen Abneigung der Protstanten gegen den Katholizismus, kam auch noch hinzu, daß ja zumeist die Gegenden aus denen sie kamen, im Vergleich, ökonom., sozial etc. "rückschrittlich" waren und von daher auch teilweise, ähnlich wie hier die Anatolier und Tschetschenen, ihr "Problemchen" einschleppten - wenn man denkt, wie sich bspw. irische Gastarbeiter noch in den 50ern/60ern in England aufführten, da wundert man sich nicht, daß die engl. Mittel- und Oberschicht in Ihren Ansichten zu Katholiken und Iren bestärkt wurde) - in Österreich, Italien oder Spanien hatte man damals (größtenteils) umgekehrt allerdings auch keine allzu große Freude mit Protestanten (nur gab es in diesen Gebieten, teilweise bis heute, nur recht wenige davon).
Nur bei Leuten wie Hofstadter sehe ich schon eine gewiße Motivation in seiner polit. Ausrichtung, seiner Herkunft von einer wohlbekannten Minderheit und in noch ein paar Dingen, die dazu führten, (auch) der Mitte den "Schwarzen Peter" zuzuschieben. Die Ähnlichkeit zwischen den Katholiken damals und den Moslems heute, ist mir auch bewußt bzw. geht es lateinamerik. Katholiken heute teilweise wohl auch noch ähnlich in den Staaten. Der Unterschied zwischen Leuten wie Hofstadter (und seinen gegenwärtigen Epigonen - deren Niveau mit Sicherheit weit unter dem Hofstadters liegt) und mir ist der, daß ich der gesellschaftlichen Mitte deswegen keinen spezifischen "Extremismus" unterstelle oder hineinkonstruiere (es scheint mir den Extremismusbegriff ad absurdum zu führen, aber egal ...).

Aber lassen wir das. Was ich noch kurz anmerken wollte ist, wo wir die Dinge ähnlich sehen, nämlich bei der Frage des Rassismus (und der christl. Religion): Christ wird man nicht durch die Biologie und volkstümliche Bräuche, sondern durch den "Heiligen Geist und Feuer" (cf. Mt III,11).

Morgenländer hat gesagt…

@Alipius:

Lieber Herr Alipius,

Ihr Kommentar bietet einigen Stoff zum Nachdenken. So sind die Grenzen legitimer Kritik? Ich denke, wir sollten den kritisierten Anderen immer als zukünftigen Bruder sehen; und wenn man dann noch im Auge behält, dass wir eines Tages vor demselben Richter werden verantworten müssen (und dass es nichgt an uns ist, über anderen den Stab zu brechen), dann wäre schon viel getan.

@Anonym:

Ich denke, der von mir verwendete Ausdruck "Extremismus der Mitte" hat zu Missverständnissen geführt. Ich meine selbstverständlich nicht, dass die Mitte extremistisch sei, sondern dass auch aus der Mitte unserer Gesellschaft heraus in Krisensituationen extremistische Positionen vorgetragen werden. Da werden plötzlich aus politischen Gegnern Feinde; man leugnet die Möglichkeit, dass auch der andere in gutem Glauben handelt; es werden apokalyptische Bedrohungsszenarien entworfen. Gibt man diesem Denken nach, verliert der normale demokratische Prozess (in dem man eben auch unterliegen kann) plötzlich seine Legitimität.

Um neuen Missverständnissen vorzubeugen: Auch für mich ist nicht alles verhandelbar; aber die meisten politischen Entscheidungen sind, meine ich jedenfalls, keine zwischen Gut und Böse, sondern nur zwischen Gut und Schlecht, genauer gesagt: zwischen besser und schlechter.

Viele Grüße
Morgenländer

Anonym hat gesagt…

@Morgenländer

"Ich meine selbstverständlich nicht, dass die Mitte extremistisch sei ..."

Das hoffe ich doch. Diese Ausdrucksweise wird nur leider, um diese zweifelhafte Botschaft an den Mann zu bringen, mißbraucht und ein Mißbrauch ist so eine Verfahrensweise zweifelsohne: Es kann ja nicht der Sinn der Extremismustheorie bzw. Ideologiekritik sein, z. B. Linksextremen damit die Hoheit über den (polit.) Diskurs zu verschaffen (bewußt nur Linksextreme, da das Gros der Rechtsextremen das (noch?) nicht wirklich handzuhaben versteht - zumindest scheint es mir so).

Ansonsten war es das hiermit, von meiner Seite, zu dieser Sache.

Gute Nacht.

Lauda Sion hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.