Dienstag, 12. Juli 2011

Umkehr/Erneuerung/Reform

Inspiriert durch einen Kommentar von Tiberius zu diesem Posting, möchte ich ein paar Zeilen zum Thema Umkehr/Erneurung/Reform loswerden.

Ich kann mit der Kirche, so wie sie ist, sehr gut leben. Ich konnte es immer und werde es immer können. Was den Klerus und die Laien betrifft, habe ich hier und da Änderungswünsche und Verbesserungsvorschläge. Aber die Kirche, die darf gerne bleiben, was sie ist.

[Wer sich nun fragt, was die Kirche denn ist: Die Dogmatische Konstitution Lumen Gentium über die Kirche ist online in Deutscher Sprache verfügbar]

Hier jetzt erst einmal das "Bingo!"-Zitat aus Tiberius' Kommentar:
    Ob ich alles beim Alten lassen möchte? Auf keinen Fall: Meine Liebe zu Gott will ich teilen, eifern für den Glauben und mit der Kirche streiten. Ein anderer werden. Christus ähnlicher. Jeder weiß doch, daß das nicht ohne Veränderung - ohne persönliche Veränderung geht.
Auch ich will - wie Tiberius - erst einmal mich selbst ändern. Ich will immer wieder umkehren, will fort von den lahmen, alten, ausgetreten Pfaden der Sünde, des Lauwarmen und des Mittelmaßes hin zu einer Annäherung an Christus, hin zu einem IHM-Ähnlicher-Werden. Natürlich ist das für uns Menschen ein in seiner Montrosität beinahe lächerlich anmutendes Vorhaben. Daß es dennoch nicht komplett in den Bereich des Wunschdenkens gehört, haben zahllose Selige und Heilige bewiesen.

Und weil die Kirche nun mal...
    ...in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit...
...ist, steht der Empfang der Sakramente an erster Stelle: Verzeihung und Versöhnng durch das Sakrament der Buße; Stärkung und Einheit durch den Leib Christi in der heiligen Eucharistiefeier. In der Buße kehren wir um, weg von der Allee der Sünden hin zum Pfad, der zu Gott führt. In der Eucharistie erfahren wir die Erneuerung unserer Kräfte. Umkehr und Erneuerung stehen mir in der Kirche also jederzeit zur Verfügung. Brauche ich da auch noch die Reform der Kirche?

Eigentlich nur dann, wenn ich selbst das Angebot zur Umkehr und Erneuerung nicht annehmen möchte und stattdessen lieber die Kirche so lange "umkehren" und "sich erneuern" lasse, bis sie exakt meinem Unwillen zu Umkehr und Erneuerung gerecht wird.

Ich habe gestern bei Elsa einigermaßen entgeistert die als "Kirchenbilder 2015" entworfenen und an die "Ergebnis-Wand" gepinnten "Top-Forderungen" des "Gesprächsprozesses" in Mannheim gelesen: Weder "Jesus" noch "Christus" taucht in irgendeiner der "Top-Forderungen" auf.

Kirche 2015? Ein Stuhlkreis von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen. Wer als Erster auf die Idee kommt "Reise nach Jerusalem" zu spielen, darf die Regeln und Bedingungen für die Reform reformieren festlegen.

Kommentare:

curioustraveller hat gesagt…

"Strebt voll Eifer nach Frieden mit allen und nach der Heiligung, ohne die keiner den Herrn sehen wird." Hebr. 12,14

Mir scheint, die Ziele sind von Gott her klar definiert. Und mit dem "Jesus ähnlicher werden" kann ich mich genauso gut identifizieren.

Wenn man es lange genug betrachtet, führt die ganze Diskussion letzten Endes zu der einen Frage:

Wer ist eigentlich Herr der Kirche?

Flugwolf hat gesagt…

"... wenn ich selbst das Angebot zur Umkehr und Erneuerung nicht annehmen möchte und stattdessen lieber die Kirche so lange "umkehren" und "sich erneuern" lasse, bis sie exakt meinem Unwillen zu Umkehr und Erneuerung gerecht wird."

BRILLIANT formuliert! In dieser formelhaften Kürze und Prägnanz ist ungemein viel enthalten. Danke!

Anonym hat gesagt…

»Kirche 2015? Ein Stuhlkreis von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen.«

Das ist zu befürchten ...