Sonntag, 10. Juli 2011

Noch ein Wort...

... zum "Aufruf zum Ungehorsam":

Im heutigen Evangelium spricht Jesus zu Menschen, die "sehen" aber "nicht erkennen", die "hören" aber "nicht verstehen". Solche Menschen brauchen Hilfe. Sie brauchen andere Menschen, die ihnen das Gesehene und das Gehörte erklären.

Und was macht Jesus, nachdem er den nicht Erkennenden und den nicht Verstehenden das Gleichnis erzählt hat? Er erklärt es seinen Jüngern! Obwohl es diesen doch – wie Jesus selbst sagt – bereits gegeben ist, die Geheimnisse des Himmelreiches zu erkennen.

Warum tut er dies?

Jesus erfaßt - wie üblich - die Situation sehr genau. Er weiß, daß die Leute nicht erkennen und nicht verstehen. Er weiß darüber hinaus auch noch, daß das Nicht-Erkennen und das Nicht-Verstehen nicht nur zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort ein Problem ist, sondern daß es sich wie ein roter Faden durch die gesamte Menschheitsgeschichte zog, zieht und ziehen wird. Jesus - fleischgewordenes Wort - sieht sich gezwungen, seine eigenen Worte zu erklären. Da er aber nicht immer unter den Menschen sein wird, sondern bald nach Tod und Auferstehung zum Vater im Himmel auffahren wird, setzt er, indem er den Jüngern das Gesagte erklärt, als Gegengewicht zur Tradition des Nicht-Erkennens und des Nicht-Vertehens eine Tradition des Erläuterns, des Auslegens ein: Die Tradition des Lehramtes, welches auch nach Christi Auferstehung und Himmelfahrt durch die Jahrhunderte hinweg den Suchenden und Fragenden, den nicht Erkennenden und den nicht Verstehenden zur Seite gestellt wird, auf daß die Glaubensinhalte dort erhellt werden, wo es nötig ist.

Diese Lehramtstradition ist zweifach hilfreich: Einerseits nimmt sie den Menschen aus der Pflicht, alles immer und überall auf Anhieb verstehen zu müssen. Wenn es einmal Fragen gibt, wenn es kompliziert oder zu vielschichtig wird, dann ist immer ein kirchliches Dokument mit einer offiziellen lehramtlichen Aussage zur Hand, welches Klarheit schafft.

Andererseits wird der gläubige Mensch – vorausgesetzt, er ist guten Willens und an der Einheit der Kirche interessiert – auch wieder in die Pflicht genommen: Denn wenn die lehramtlichen Aussagen einmal bekannt sind, dann kann man bestimmte Inhalte unseres Glaubens nicht mit der Entschuldigung übersehen oder abtun, man hätte sie nicht verstanden. Dann muß man sich schon auf einen persönlichen Unwillen zum Hinhören berufen.

Ich weiß nicht, ob es in einem überraschenden Anfall von Hellsichtigkeit geschah oder ob es Zufall ist, daß die Priester-Initiative zum "Ungehorsam" aufrief, aber kein Wort könnte passender sein.

Zum "Nicht-Verstehen" konnte man schwerlich aurufen, denn wenn z.B. in dem Schreiben die Priesterweihe für Frauen gefordert wird, dann kann jeder interessierte Katholik – vorausgesetzt, er ist guten Willens und an der Einheit der Kirche interessiert – das Apostolische Schreiben "Ordinatio Sacerdotalis" vom Seligen Papst Johannes Paul II aus dem Jahre 1994 einsehen, in welchem geschrieben steht:

"Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben."

Gibt es an diesen Sätzen irgendetwas Mißverständliches? Ich denke, nein. Somit muß also die Pfarrer-Initiative zum "Ungehorsam" aufrufen. Das Wort "Ungehorsam" leitet sich vom Wort "hören" ab. Was die Pfarrer-Initiative also sagt, ist: "Das päpstliche Schreiben ist klar und verständlich formuliert. Jeder Mensch, der zwei Gehirnzellen besitzt, die miteinander SMS austauschen können, kapiert das Geschriebene auf Anhieb. Unsere einzige Chance ist es also, die Leute dazu aufzurufen, einfach nicht hinzuhören." Ungehorsam...

Diese Situation ist besonders tragisch, da es sich hier nicht um Leute handelt, die Ohren haben, aber nicht hören bzw zwar hören aber nicht verstehen, sondern weil hier Leute im Grunde den Rat bekommen, von ihrem Gehör gar nicht erst Gebrauch zu machen.

Sollen wir wirklich glauben, daß das Wort dort Frucht bringen kann, wo man den Leuten nicht das Verstehen, sondern gleich das Hinhören ausreden will?

Vergessen wir nie, was Jesus am Schluß des Evangeliums sagt: "Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach."

Keine Kommentare: