Freitag, 8. Juli 2011

Kardinal Schönborn...

... an die "Pfarrer-Initiative":
    Wenn es zur Gewissensfrage wird, dem Papst und dem Bischof gegenüber ungehorsam zu werden, dann ist eine neue Stufe erreicht, die zu einer klaren Entscheidung drängt. Denn dem Gewissen ist immer Folge zu leisten, wenn es ein geformtes und sich selbst kritisch prüfendes Gewissen ist. Der selige Franz Jägerstätter hat in einsamer Gewissensentscheidung den Kriegsdienst in Hitlers Armee verweigert, um den Preis seines Lebens. Der selige John Henry Newman kam in einem jahrelangen intensiven Ringen zur Gewissheit seines Gewissens, dass die anglikanische Kirche von der Wahrheit abgewichen ist und dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche weiterlebt. So verließ er seine Kirche und wurde katholisch. Wer also im geprüften Gewissen zur Überzeugung kommt, dass "Rom" auf einem Irrweg ist, der gravierend dem Willen Gottes widerspricht, müsste im äußersten Fall die Konsequenz ziehen, den Weg nicht mehr mit der römisch-katholischen Kirche zu gehen. Ich glaube und hoffe aber, dass dieser äußerste Fall hier nicht eintritt.
Natürlich tritt dieser Fall nicht ein. Newman und Jägerstätter folgten einem vom Glauben informierten Gewissen, welches sie in schwierigen und schwierigsten Zeiten eine unpopuläre aber richtige Entscheidung treffen ließ. Die Unterzeichner der Pfarrer-Initiatvie folgen einem von den eigenen Vorstellungen informierten Gewissen und werden sicherlich nicht daran denken, sich die eigenen Fleischtöpfe zuzumauern und sich der Gelegenheit zu berauben, in den Medien durch Aufrufe zum Ungehorsam und künftige vergleichbare Beiträge auf sich aufmerksam zu machen.

Soweit die überspitzte Formulierung. Wieviele Unterzeichner des Aufrufes nun tatsächlich in welchem Maße hinter allen sieben Punkten des Schreibens stehen und wieviele von ihnen bereit sind, aus ihrem Mittun beim Aufruf die nötigen Konsequenzen zu ziehen, das wird die Zukunft zeigen.

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