Freitag, 1. Juli 2011

Hmm...

Ein Sprecher des Bistums Magdeburg zum gesegneten Brot:
    Es gehe vielmehr darum, hier den weitgehend nichtchristlichen Lesern – das seien in der Region an die 80 Prozent der Bevölkerung – das Geheimnis „Fronleichnam“ in einer Weise nahezubringen, "wie sie es vielleicht in ihrem säkularen Kontext einigermaßen nachvollziehen können, ohne sich sofort kopfschüttelnd von uns katholischen Christen abzuwenden". Wörtlich spricht Lazar dann gegenüber KATH.NET: "Ja, das ist und bleibt eine Gratwanderung. Doch ich bin überzeugt, dass wir in Ostdeutschland, wenn wir überhaupt gehört werden wollen, eine Sprache sprechen müssen, die interessieren und gewinnen kann. In einem solchen Umfeld zu schreiben, wir tragen den Leib und das Blut des Gottessohnes Jesus Christus durch die Straßen und beten es an, würde mit Sicherheit Irritation und Abneigung hervorrufen.
Also wenn ich nur wüßte, daß das Phänomen "Religion" existiert, aber von einzelnen Religionen keine Ahnung hätte, dann würde ich mich viel eher kopfschütteld anwenden, wenn ich erfahre, daß irgendwo Leute ein Brot verehren (von Bernd vielleicht mal abgesehen).

Sollte mich andererseits der Gedanke, daß irgendwo Brot angebetet wird, total antörnen, so daß ich auf das gemachte Angebot positiv und mit Interesse reagiere, dann fühlte ich mich ein wenig vergackeiert, wenn es hieße: "Ätsch! Ist natürlich kein Brot. Ist Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus".

Stell mir grade vor, was passieren könnte, wenn sich dort jemand nach dem Kreuz erkundigt, das es zu tragen gilt: "Och, das ist ein kleiner, mit Samt überzogener, wassergefüllter Gummiball, den man einfach in der Hosentasche mit sich rumtragen kann und der unglaublich handschmeichlerisch und angenehm ist..."

Warum nicht von Anfang an mit offenen Karten spielen, liebes Bistum? Irritation und Abneigung liegen näher am Ärgernis, welches das Kreuz immer noch ist, als fragwürdige Anschmieg-Aktionen mit hinterhergeschobenen Erklärungen.

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Dito!

Anonym hat gesagt…

Schon alleine rein marketing-strategisch gesehen, ist das, was dieser Sprecher vorschlägt, so ziemlich das Dümmste, was man tun kann. Kein Mensch wird aufmerksam auf oder interessiert sich für Sachen, die er ohnehin bereits kennt und die ihm keinerlei Nutzen oder sonstigen Mehrwert bringen (nicht einmal eine Form von Irritation), dabei bietet das Christentum und die Kirche den eigentlich ultimativen Mehrwert - das Heil -, noch dazu auf eine sehr effektvolle Art und Weise an. Es mag ja sein, daß man mit der rechten, alten Lehre nur einmal einen eher kleinen Teil der "DDRler" anspricht, deren Köpfe noch mit materialistisch-marxistischer Ideologie vollgestopft sind, aber das ist immerhin schon einmal etwas und wohl ziemlich sicher mehr, als man mit irgendwelchen primitiven Floskeln - Marke "In-Zuckerwasser-getauchte-Habermas-Texte" (wie es in einem anderen Blog so treffend zu Predigten à la Käßmann & Co hieß) - und Brot aus dem Supermarkt erreicht.

Josef Bordat hat gesagt…

Hm... Stehe gerade vor dem Problem, morgen einen Vortrag halten zu sollen, bei dem "allzu religiöse Sprache" unerwünscht ist, um das Publikum nicht zu verschrecken (es geht um Toleranz, es handelt sich um eine Veranstaltung im weitestgehend kirchlichen Raum). Aber aus Rücksicht auf die Atheisten und Agnostiker Kataloniens, die (auch) erwartet werden, bin ich gebeten worden, mein Manuskript nochmal neu zu norden. Mal sehen, wie es wird.

JoBo

Sophie hat gesagt…

Absolut beschämend und aus Marketing-Sicht einfach nur blöd. Ich schließe mich da meinem Vorredner an: Was bringt ein Produkt, das dem potentiellen Käufer aus seiner Sicht rein gar nichts bietet? Das Besondere und Einzigartige wird verschwiegen, stattdessen tut man - freilich ohne dies zu beabsichtigen - so, als wären Katholiken Freaks:
"Stell dir vor, die beten Brot an." => Da wird ja wohl keiner antworten: "Boah super, das will ich auch."
Es ist nicht das erste Mal, das ich mich frage, nach welchen Kriterien die Kirche eigentlich ihre Presseleute rekrutiert.

UralteSage hat gesagt…

Ich war just letztes Wochende in Magdeburg: Kanu, Kugelstoßen, Kasernen. Und mittendrin ein unübersehbares Marketinginstrument mit übrigens phantastischem Figurenschmuck, der gerade zu einer Ausstellung in Naumburg fortgeliehen war…

Im Magdeburger Dom finden sich so manche absonderlichen Darstellungen, die bei Unkundigen Irritationen und Abneigungen hervorrufen können: Was soll man denn zum Beispiel von einer Himmelfahrt halten? Oder von einer Auferstehung? Vielleicht wäre es marketingtechnisch gut, den größten Benefit allem anderen voranzustellen: Uns wird ja "von der Kirche" die Auferstehung des Leibes versprochen. Zu diesem Angebot kann man doch nicht nein sagen!

Anonym hat gesagt…

Also bei uns in der Predigt zu Fronleichnahm war auch nur die Rede vom "Heiligen Brot".