Dienstag, 5. Juli 2011

Hirt und Hund und Herde

    Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.

    (Mt 9,36)

Geht mir auch oft so. Ich schlendere so durch die Straßen Wiens, schau mir die Leute an, die müde und erschöpft daherkommen, oft geistlich verwahrlost wirken und im Alltagstrott zwischen immer neuen Sorgen und vorübergehenden Freuden hin- und hergeschaukelt werden. Und dann denke ich: 'Ach Mann! Was ging's diesen armen Schäflein gut, wenn sie nur einen Hirten hätten!'

Als Arbeiter, der vom HErrn für seine Ernte ausgesendet wurde, packe ich gerne mit an. Aber mehr als das kann ich nicht tun. Mehr als das kann ich nicht sein. Naja... Okay... Vielleicht noch ein Hirtenhund. Ich kann vielleicht mal knurren und hinterherflitzen, wenn ein Schaf sich zu weit von der Herde entfernt. Aber nicht, weil ich sagen will "Alles tanzt hier nach meiner Pfeife". Eher, weil ich sagen will "Zu Christus geht's da lang".

Aber wie die Schafe heut halt so sind, fangen sie dann gleich an zu fragen und zu debattieren...

"Woher willst'n das wissen?"

"Ich finde aber, daß ich so genau so gut und genau so schnell zu Christus komme!"

"Hey! Red' mir hier nicht in mein Ding rein!"

"Wenn Jesus heute auf die Erde käme und dein edel gearbeitetes Hundehalsband und deine schnieke Hundehütte sähe [Glaub zwar nicht, daß Hirtenhunde eine Hütte haben, aber sei's drum...], dann würde er, der nicht mal einen Platz hatte, an welchen er sein Haupt legen konnte, sich traurig abwenden. Also sag mir nicht, wo's langgeht!"

etc...

Dennoch: Ich werde mich in der Rolle des Arbeiters im Weinberg oder in der Rolle des hechelnd hinter abirrenden Schafen hersprintenden Hundes wohl immer etwas behaglicher fühlen, als in der Rolle des Hirten.

Denn der Hirte - der gute Hirte (eigentlich: der beste Hirte) - ist Christus.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Schöne Worte. Danke!