Freitag, 22. Juli 2011

Hauptsache, du hast ein "Ja-Gefühl"...

Ob es geschickt ist, in der Überschrift gleich von "Christenverfolgung" zu sprechen, weiß ich nicht. Aber daß Eltern, die ihre Kinder aus religiösen Gründen nicht am Theaterprojekt "Mein Körper gehört mir" teilnehmen lassen wollen, in Erzwingungshaft genommen werden, das finde ich schon problematisch.

Wenn es sich wirklich so verhält, wie in den Artikeln beschrieben, dann vermittelt das Theaterstück den Kindern den Eindruck, jeglicher sexueller Kontakt (also auch solcher, der laut § 176 StGB unter Strafe steht) sei okay, so lange nur "mein Körper" dabei ein "Ja-Gefühl" hat.

Und wenn es sich so verhält, dann sollten eigentlich nicht nur religiöse Eltern auf die Barrikaden gehen.

Unterm Strich wieder mal eine Geschichte aus der Ecke "Papa Staat weiß aber besser, was eure Kinder brauchen".

Kommentare:

Leise Ahnung hat gesagt…

Die Liborius - Grundschule Salzkotten bezeichnet sich i. Ü. als "katholisch", auf der Website prangt eine Zeichnung, die wohl den Heiligen darstellen soll.
"An unserer Grundschule setzen wir auf ein vertrauensvolles Miteinander, das durch die inten- sive Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Eltern und Kindern entsteht." heißt es dann. Die Praxis dessen beschreibt der Artikel.
Morgen wird im Bistum PB das Hochfest des Heiligen gefeiert:
Heiliger Liborius, schütze die Kinder und Eltern vor denen, die sich in Deinem Namen derart an ihnen versündigen!

Chrysostomos hat gesagt…

An sich wäre Sexualerziehung schon wünschenswert. Aber so? Kann ein Grundschüler wirklich abschätzen ob er ein "Ja-Gefühl" hat? Soll man via Ermunterung zum "Nein" sagen (was ja begrüßenswert wäre) umgekehrt einem "Ja" in diesem Alter das Wort reden? Nichts ist leichter als ein Kind subtil zu manipulieren und zu einem "Ja" führen. Und dann? dann ist es kein Mißbrauch, oder wie?

Vincentius Lerinensis hat gesagt…

Naja, das geht ja schon länger und immer mal wieder durch die Medien. Irgendwann habe ich mir mal die Website genauer angeguckt und dabei den Eindruck gewonnen: Ja, es wird nicht unbedingt katholische Sexualmoral vermittelt, aber auch nicht der Versuch gemacht, die Kinder zu Sex zu verleiten.

Lies das alles mal unter der Prämisse, daß Kinder Sex prinzipiell unangenehm finden. Dann geht es nämlich darum, den Kindern klar zu machen, daß sie sich wehren dürfen und sollen, wenn es ihnen unangenehm wird. Die meisten Kinder sind sonst angesichts des Unbekannten einfach hilflos.

Ob dieses Ziel tatsächlich erreicht wird, läßt sich angesichts der Website nicht beurteilen, aber die Absicht ist keine Frühsexualisierung.

Andererseits ist natürlich die Reaktion der Schule (euphemistisch gesagt) etwas unsensibel. Denn wie dieses Stück auf die Kinder wirkt, sollten die Eltern immer noch am besten beurteilen können (und selbst, wenn die Eltern sich irren sollten, sind es immer noch ihre Kinder). Insofern tatsächlich "wieder mal eine Geschichte aus der Ecke 'Papa Staat weiß aber besser, was eure Kinder brauchen'."

Leise Ahnung hat gesagt…

@Vincentius Lerinensis

ich muß Ihnen entschieden widersprechen. Sex ist einem Kind nicht "nur unangenehm" sondern schlicht wesensfremd. In meiner Grundschulzeit war "Sexualerziehung" was für ein Begriff!), außer in "68er"-Zirkeln undenkbar, Deo Gratias!, dennoch wußte jedes Kind im Empfinden, um was es da ging. Ich habe treffendste spätere Zeugnisse von Freundschaften der Kindheit wie auch eigene Erfahrungen, wie man von kranken Erwachsenen "angebaggert" wurde und wie rigoros man dies abwehrte, in vollem Bewußtsein, um was es diesen ging, das war - abgesehn von konkretem Vollzug - eben nichts Unbekanntes.
Das "drüberreden" in diesen jungen Jahren führt fast immer zu einer ungesunden Sexualisierung und wird keinen in schlimmem Umfeld vor Übergriffen bewahren.
Besonders aber: der Staat hat sich da rauszuhalten und es ist ein Verbrechen, Eltern zu kriminalisieren, die Ihre natürliche Erziehungshohheit ausüben.
Sorry Pater Alipus für das breite Raumeinnehmen in Ihrem Blog, ich hab's so kurz wie möglich gemacht!

Teresa hat gesagt…

Ich kenne das Stück auch und würde es als schädlich für die Kinder bezeichnen, da es einen versteckten geistigen Kindesmißbrauch darstellt. Das Kind befindet sich in dem Alter in den "Jahren der Unschuld". Angesichts des Kindesmißbrauchs muß mit den Kindern (vorrangig von den Eltern) über das Thema gesprochen werden, ergänzend auch von einer vertrauten Lehrperson. Das Theaterstück kam mir auch wie ein Subventionsprogramm für grottenschlechte Schauspieler vor, die anderweitig wohl nie zu einem Engagement gekommen wären.