Donnerstag, 7. Juli 2011

Finnland!?

Die islamistische Internet-Nachrichtenagentur Kavkaz-Center berichtet hauptsächlich über den Konflikt zwischen Russland und Tschetschenien bzw. der 1991 von Dschochar Dudajew ausgerufenen Tschetschenischen Republik Itschkeria, also der Gegenregierung der von Moskau anerkannten und gestützten Regierung von Ramsan Kadyrow. Auf der Webseite wird in Artilen und Videos fleißig für den Dschihad, das Rebellenleben und das Märtyrertum geworben. Dabei stolpert man über Artikel mit Überschriften wie:
    World needs new superpower Islam to resist Capitalist Democracy and stop its atrocities
oder
    Afghanistan of Islam rejects pollution by democracy and westernization
oder
    Muslims of Chechnya intensify fight against lust and filth
Ach ja... Kampf gegen Lust und Schmutz:
    In seiner Heimat [Tschetschenien] liefen die Jungen derweil in Scharen zu den Islamisten über. Mit Geld und Waffen wurden sie geworben, der neue Glaube, von arabischen Predigern verbreitet, gab ihnen die Rechtfertigung für ihr gewaltsames Treiben. Söhne erschossen die Eltern, weil diese Fernsehen schauten. Schulräume gingen in Flammen auf, weil sie als Diskothek genutzt wurden. Mädchen wurden gezwungen, sich islamisch zu kleiden. Zwischen 1996 und 1999 herrschte die Scharia in Tschetschenien. Auf den Marktplätzen wurde ausgepeitscht, gehängt, erschossen. Oft führten die Verwandten eines Opfers die Todesstrafe selbst aus. Die Scharia habe für ein Mindestmaß an Ordnung gesorgt, sagen manche. Denn das Land versank damals im Chaos. Mit Entführungen konnten Millionen Dollar verdient werden, auch die Geschäfte mit Waffen und Rauschgift, Öl und Falschgeld blühten.

Ortswechsel nach Finnland. Dort hat Pastor Juha Molari in einem Interview die Webseite Kavkaz-Center kritisiert und den "Gurerilla-Kämpfer", ehemaligen "Präsidenten der Tschetschenischen Republik Itschkeria" und jetzigen "Emir des Kaukasischen Emirats", Doku Chamatowitsch Umarow, als Terroristen bezeichnet.

Umarow übernahm die politische Verantwortung für die Terroranschläge in der Moskauer Metro (29.3.2010, 39 Tote) und am Flughafen Moskau-Domodedowo (24.1.2011, 36 Tote) und steht auf der von den Vereinten Nationen geführten Terroristen-Liste.

Nun werden Umarow und seine Mitstreiter sich natürlich die Bezeichnung "Terrorist" nicht gefallen lassen, da sie sich selbst als Freiheitskämpfer sehen. Zwar ist der Kampf seit Jahren schon weg von der Unabhängigkeit eines Ex-UDSSR-Fitzels hin zur Errichtung eines größtmöglichen "Gottesstaates":
    Doch richtig ist auch, daß die islamistischen Truppen den Nordkaukasus längst erreicht haben. Eine Hauptfront ihres Kampfes liegt nur drei Flugstunden von Deutschland entfernt. Längst geht es nicht mehr nur um Tschetschenien. Davon zeugen die Überfälle auf Inguschetien, Dagestan und jetzt Nordossetien.
Aber Freiheitskämpfer sind sie natürlich immer noch. Sie müssen sich jetzt aber nicht zitternd und jammernd an ihren Kampfgewehren und Sprengstoffgürteln festhalten, nur weil ein finnischer Pastor das Offensichtliche ausgesprochen hat. Denn hilfreich zur Seite treten den "Freiheitskämpfern" die Polizei und die Leitung der Lutherischen Kirche Finnlands:
    „Die Leitung der Lutherischen Kirche Finnlands hat Juha Molari, dem Pastor des lutherischen Raseborg-Sprengels gekündigt. Er wurde verstoßen und hat sein Einkommen verloren,“ sagte Johan Backman, der finnische Menschenrechtsaktivist und Vorsitzende der Finnisch-Kaukasischen Freundschafts-Gesellschaft Interfax am Donnerstag.

    Juha Molari war davor in Helsinki wegen des Schürens von Rassenhass angeklagt worden, nachdem er einen der weltweit meistgesuchten Kriminellen als „Terrorist“ bezeichnet hatte.

    ...

    ... die Reaktion kam schnell. Er erhielt eine Email, offenbar aus Dagestan, in der es hieß, daß „wenn er seinen Kampf gegen das Kavkaz-Zentrum nicht einstellt, sie ihm und seiner Familie den Kopf abschneiden werden.“

    Juha Molari ging zur Polizei, wurde dort dann aber selbst verfolgt. Die Polizei weigerte sich die Website zu schließen und wollte auch keine Anzeige wegen der Drohungen gegen den Pastor aufnehmen.


Keine Ahnung, ob Finnland in den tschetschenischen Rebellen die gerechte Strafe sieht, die Rußland nun wegen des Winterkrieges heimsucht. Aber deswegen gleich ein solcher Realitätsverlust...?

Kommentare:

curioustraveller hat gesagt…

Da wird offensichtlich versucht, einen Brand zu löschen, in dem man den Feuermelder kaputt schlägt ... peinlich!

Lioba Kauk hat gesagt…

Juha Molari konvertierte übrigens bald darauf zur Orthodoxen Kirche.