Donnerstag, 28. Juli 2011

Die Fortsetzung des Pausenhofs...

... mit ähnlichen Mitteln?

In den MSM und im Internet wird im Laufe der Nachbearbeitung der Morde von Norwegen momentan vieles bis alles durcheinandergeworfen.

Zumindest für mein Empfinden steht dabei zwischen den Zeilen häufig allzu deutlich ein Ruf nach mehr Überwachung, die versuchte Herabwürdigung Andersdenkender/Andersschreibender und das Verfolgen bestimmter Ziele durch ein Zusammenrühren aller möglichen Zutaten, über welche in der Vergangenheit mühsam der Konsens hergestellt wurde, sie seien irgendwie unappetitlich: "christlicher Fundamentalismus", "Konservativismus", "neue Rechte", "Islamkritik", "Fremdenhaß", "Tea Party", "EU-Kritiker"...

Das erinnert mich irgendwie an den Pausenhof: Die sportlichen Muskeltypen mit der großen Klappe, die - lässig die Kippe im Mundwinkel haltend - die Mädels abzogen und für ihren gesamten Einflußbereich bestimmten, wer cool war und dazugehörte, reihten im Zweifelsfall - und ohne den geringsten Beweis für den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen - hämisch Vorwurf an Bloßstellung an Beschimpfung, um die pickligen Einser-Geeks draußen zu halten und so dem Horror-Szenario vorzubeugen, daß plötzlich originelle, eigene Ideen und anregender Gedankenaustausch über Gott und die Welt wichtiger sind als Mofas, Feten und Geschlechtskrankheiten.

Wehe dem, der es in dieser Situation wagte, durch einen kurzen Satz den Gockeln die Beschränktheit ihrer Welt und ihres Lebensentwurfes aufzuzeigen: Der wurde vom Kollektiv unter Aufbringung aller zur Verfügung stehenden Mittel mundtot gemacht.

Wohl gemerkt: Ich schreibe hier über die Methode, nicht über die zur Debatte stehenden Themen und auch nicht darüber, wer nun "Recht" hat.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lieber Herr Alipius,

Du hast damit nicht ganz unrecht. Dennoch bedienen solche Blogeinträge natürlich auch die Erwartungshaltung der von Dir Kritisierten - frei nach dem Motto "Getroffene Hunde bellen".

Dabei gäbe es über Breivik genügend anderes zu sagen. Breivik sieht das Christentum nur "kulturell", nicht religiös. Dann hat er eine Vernichtungsideologie gegenüber den Moslems: Deportationspläne etc.

Anstatt zu klagen, dass nun alles in einen Topf geworfen wird, sollte man sich doch lieber anschauen, was dieser Mann tatsächlich wollte und daraus seine Schlüsse ziehen. Wenn sich ein Attentäter ist das ein Thema mit dem man sich auseinandersetzen sollte. Und es wird wohl herauskommen, dass für B. das Christentum wohl nur eine folkloristische Staffage ist und nicht gelebte Religion. Diese Botschaft wäre wichtiger als die Klage, mit ihm in einen Topf geworfen zu werden.

Im übrigen sehe ich die Presselandschaft differenzierter. Die FAZ hat beispielsweise sehr seriös berichtet und klargestellt: "Als christlicher Fundamentalist kann Anders Breivik nicht gelten. Das ihm vorschwebende, ideale Christentum hat für ihnen keinen religiösen Zweck, sondern vor allem den, als kulturelle Klammer für ein wehrhaftes Abendland zu dienen."
http://www.faz.net/artikel/C32742/anders-breivik-und-die-religion-fanatische-fantasy-30472990.html

Mich wundert auch, dass bisher der Name Samuel P. Huntington in der Diskussion nicht gefallen ist.

Beste Grüße
Ein anonymer Mitleser

Alipius hat gesagt…

Okay, aber der Drops, daß B. das Christentum nicht "religiös" sieht, ist doch schon seit Tagen gelutscht. Ich fühle mich mit ihm auch weniger als Christ "in einen Topf geworfen", sondern eher als jemand, der zu oft zu bizarre Vorwürfe hören mußte, wenn er mal außerhalb der Box redet oder schreibt. Ich habe einfach das ungute Gefühl, daß in Zukunft einfach mal die "Breivik"-Keule ausgepackt wird, wenn man eigentlich auch vernunftgesteuert debattieren könnte.

Was dieser Mann TATSÄCHLICH wollte, darüber möchte ich mir angesichts seines mir unbekannten Geisteszustandes, seines nicht eben geringen Narzissmus und der seinen vermeintlichen Absichten und Zielen nicht eben dienlichen Tat erst einmal kein Urteil fällen.

In dem Satz "Wenn sich ein Attentäter ist das ein Thema mit dem man sich auseinandersetzen sollte" fehlt irgendetwas.

Leise Ahnung hat gesagt…

Verleumdung, Diffamierung, Marginalisierung, Entwertung bis hin zur Dämonisierung, angesichts des Wankens der Macht und der Akzeptanz der medialen wie auch gremialen Meinungsbildungsmonopole. Tonfall und Mittel gegen Andersdenkende verlieren immer mehr Hemmschwellen. Nicht Argumente werden angegriffen, sondern die, die es wagen, andere zu haben.
"Hört denen allen gar nicht erst zu, die sind finster, wirr und gefährlich!"
Gelegentlich seit "Sarazin" neuerdings wieder kontroversere Beiträge in manchen MSM - Lichtblick oder Abonenntenstrategie? Die Hetze zieht jedenfalls gleichzeitig an. Die Rezeption nicht nur der Norweger Morde offenbart es.

Anonym hat gesagt…

Jepp, da fehlte was "Wenn sich ein Attentäter ist das ein Thema mit dem man sich auseinandersetzen sollte" - sollte heißten ""Wenn sich ein Attentäter auf das Christentum beruft, ist das ein Thema mit dem man sich auseinandersetzen sollte"