Samstag, 25. Juni 2011

Zum Aktionsbündnis "Der Papst kommt!"...

... gab es hier bereits ein Posting.

Henryk M. Broder schreibt jetzt in der WELT:
    Schwule und Lesben haben ein Feindbild: den Papst. Sie halten ihn für einen Hauptverantwortlichen für die Unterdrückung Homosexueller. Eine verquere Logik.
Denn:
    Was also müsste noch passieren, damit der LSVD erklärt: Mission accomplished! Gay-Games? Gay-Hotels? Gay-Kreuzfahrten? Gay-Banking? Gay-Kreditkarten? Gay-Parenting? Gibt es alles schon. Das Einzige, das noch fehlt, sind Gay-Parkplätze in Parkhäusern und ein Beschluss des Heiligen Stuhls, eine Kongregation für die Belange der Gay-Community einzurichten. Eher aber wird die al-Qaida eine Frau an die Spitze der Organisation berufen.
Und überhaupt:
    Würden sich die im Anti-Papst-Bündnis vereinten 33 Organisationen in den nächsten drei Monaten um die Opfer der iranischen "Justiz“ kümmern, könnten – vielleicht – ein paar Leben gerettet werden. Immerhin ist im Vatikan lange keine Ehebrecherin gesteinigt und kein Schwuler aufgehängt worden.
Wer sich die Bilderstrecken im Artikel anschaut, der erkennt auch ziemlich schnell, daß es weniger um die gehobene Lebensqualität der weltweiten GLBT-Community geht, als darum, die anscheinend immer noch nicht ausreichend mit Gay-Events versorgte europäische Öffentlichkeit aus dem Zustand ihrer trägen Toleranz und zaghaften Zustimmung zu holen und zu allumfassender Anbetung zu bewegen. Dies streng innerhalb der Tellerrand-Grenzen des eigenen, halbnackten, party-machenden, hedonistischen, strahlenden Lebens, welches offenbar das Kennzeichen derjenigen ist - es handelt sich immerhin um die Pride-Parade im Rom - die unter einem der "Hauptverantwortlichen für die Unterdrückung von Lesben, Schwulen und Transgender auf der Welt" zu leiden haben.

Wenn es heute in Europa noch christlich geprägte Länder gibt, in denen Übergriffe auf Gay-Pride-Paraden stattfinden, dann hat das weniger damit zu tun, daß der Papst dies stillschweigend klasse findet oder gar fordert, sondern damit, daß zu viele Leute, die sich Christen nennen, zu wenig von dem verstanden haben, was ER, der ihnen diesen Namen hinterließ, ihnen mitzuteilen versuchte.

Ein normaler Mensch muß nicht einmal in den Katechismus schauen, um zu verstehen, daß Gewalt gegen Schwule und Lesben und Bisexuelle indiskutabel ist*. Aber deswegen kann man vom Vatikan nicht verlangen, daß er gleichgeschlechtliche Beziehungen nun so betrachtet, wie eine Verbindung zwischen Mann und Frau.
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* A propos "normal": In dem Zusammenhang frage ich mich schon, wie es sein kann, daß Lebensschützer auf offener Straße zusammengeschlagen werden...

Kommentare:

Arminius hat gesagt…

In diesem toleranten Europa kann man schwul sein, Moslem oder pädophil. Das wird alles verziehen.
Wenn man sich aber wirklich ausgrenzen möchte, dann muß man zugeben, katholischer Christ zu sein.

Anonym hat gesagt…

Ad Arminius:

Na, katholischer Christ, das geht noch, ist eine läßliche Sünde - Spenden für die Caritas und "Wir sind Kirche" sind mildernde Umstände ...

Aber wenn Du hierzulande wirklich zum Dhimmi werden willst, dann sag "praktizierender katholischer Christ" und gib zu, daß Du gerade das Jesus-Buch eines gewissen Ratzinger J. a) liest und b) gut findest; Du würdest ja gerne noch länger darüber reden, aber Du mußt jetzt gerade zur Eucharistischen Anbetung.

Um Dich wird sich ein wahrer Pestkordon auftun.

Der Predigtgärtner hat gesagt…

So also geht Toleranz. Von anderen fordern sie diese lautstark, aber wenn es sie selbst betrifft...
Siehe auch:
http://predigtgarten.blogspot.com/2011/06/homosexuelle-wir-fordern-mehr-toleranz.html

Anonym hat gesagt…

Daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Die Aufmerksamkeit unserer Medienwelt ist ihnen sicher. Ebenso sicher gibt es auch hier eine schweigende Mehrheit, die es zwar toleriert, daß gleichgschlechtliche Paare zusammmenleben, aber persönlich einen ebenso natürlichen Ekel davor empfinden.ovelvul