Montag, 27. Juni 2011

Justice is blind...

USA: Ein Firmenboss, der Anleger um insgesamt 3 Milliarden US $ betrog, wird zu einer Gefängnisstrafe von 40 Monaten verurteilt. Ein hungriger Obdachloser, der eine Bank überfiel, um 100 US $ zu bekommen und, als er vom Kassierer mehr erhielt, den Rest zurückgab, stellte sich am nächsten Tag wegen seines schlechten Gewissens dre Polizei. Er bekommt 15 Jahre.

[HT: Mark Shea]

Kommentare:

Josef Bordat hat gesagt…

Sowas kotzt mich an! JoBo

Le Penseur hat gesagt…

Es wird manchen, ja vielen jetzt zynisch erscheinen, wenn ich sage: es wundert mich nicht.

Justiz ist eben nicht »Gerechtigkeit« sondern (bestenfalls) »Gerechtigkeit nach Maßgabe der Beweisbarkeit«.

Wer eine Bank überfällt, dem kann das Delikt (wenn man ihn schnappt, oder er sich stellt) leicht nachgewiesen werden. Und Mark Shea versorgt uns auch nicht mit Infos über den Obdachlosen und seine Vorgeschichte, über die Begründung des Richterspruchs etc. — doch all das wäre interessant für eine Beurteilung der prima facie sehr hart erscheinenden Strafehöhe.

Im Fall des Managers wird wohl ein ganzes Konglomerat von legalen, halblegalen (aber immer noch auch legal interpretierbaren) und illegalen Geschäften zusammengekommen sein, wo die Beweislage für eine Verurteilung vermutlich sehr dünn war. Und verurteilt wird man nicht für vermutlich begangene Straftaten, sondern für nachgewiesene (Gott sei Dank!). Wenn ich z.B. an Herrn Madoff denke (wo der Betrug eindeutig war), dann ist der ja nicht gerade billig davongekommen (150 Jahre Gefängnis).

Ich bin halt zu sehr Jurist, um mich bloß von einer plakativen Gegenüberstellung beeindrucken zu lassen, sorry ...

Alipius hat gesagt…

Klar: Hinter der knapp gehaltenen Geschichte kann sich mehr verbergen, als gesagt wird. Aber auf den ersten Blick wirkten die beiden Urteile einfach sehr krass. Im Artikel kann man lesen, daß der 54-jährige Bankräuber die 100$ brauchte, um nicht aus dem Detox-Center geworfen zu werden, also hat er zumindest eine Alkohol/Drogen-Vorgeschichte. Aber sein gesamtes Verhalten - er nahm sich aus einem ihm ausgehändigten Geldscheinbündel nur 100$ heraus, gab den Rest der Kassiererin zurück und stellte sich am nächsten Tag der Polizei - wirkt auf mich nicht wie das eines knallharten Gewohnheitstäters. Zumindest Gewohnheit wittere ich dann eher da, wo unter Umständen ein ganzes Konglomerat von Taten variierender Legalität vorliegt.

Richtig ist aber auch, daß angesichts von Madoffs Strafe die des Bankers sicherlich auch höher ausgefallen wäre, hätte man ihm mehr nachweisen können.

Anonym hat gesagt…

Kann mich da - als ebenfalls §§verbieger - nur Le Penseur anschließen. Als Jurist hätte man doch gerne die Hintergründe dieser beiden Urteile näher gekannt.

Der Realist hält fest, daß die US-Gesellschaft einen Hang zu harten Strafen hat - "the punishment fits the crime", wobei aber üblicherweise diejenigen, die einen guten Anwalt bezahlen können, besser davonkommen (das scheint auch hier der Fall gewesen zu sein). Die Tendenz hin zum Knast als Universal-Heilmittel (anstatt vieler Einzelbeispiele etwa "Three strikes and you are out" in einigen Bundesstaaten: Bei der dritten Verurteilung MUSS der Richter auf lebenslang erkennen, das Gesetz läßt ihm keine Wahl) ist dagegen nicht auf die USA beschränkt.

Der unchristliche Zyniker könnte lästern, daß der Obdachlose jetzt wenigstens für die nächste Zeit ein festes Quartier und drei Mahlzeiten täglich habe; der Pessimist kann nur beklagen, daß in Gefängnissen der Drogenhandlung blüht - neben den üblichen Gewaltexzessen usw.

Pompous Ass