Dienstag, 28. Juni 2011

Hell in a Handbasket...

In Schweden hat eine Vorschule die Geschlechtsbezeichnung abgeschafft.

Das Benutzen der Pronomen "sie" und "er" ist an der Egalia-Schule streng untersagt. Stattdessen werden "sie" und "er", im schwedischen "hon" und "han", durch das geschlechtsneutrale "hen" ersetzt.

In der Daily Mail gibt es einen etwas ausführlicheren Artikel. Dort kommt auch die Direktorin der Schule, Lotte Rajalin, zu Wort. Sie sagt (ÜS meine):
    Wir gebrauchen das Wort "Es" wenn z.B. ein Doktor, Polizist, Elektriker oder Klempner oder so in den Kindergarten kommt. Wie wissen nicht, ob es ein Er oder eine Sie ist, also sagen wir einfach "Es kommt gegen 14:00 Uhr". Dann können die Kinder sich einen Mann oder eine Frau vorstellen. Das weitet ihre Sichtweise."
Am Arsch die Hühner! Das weitet die Sichtweise der Kinder wofür? Für die Tatsache, daß es sowohl Männer als auch Frauen gibt? Weil die Kleinen das natürlich in den unseligen Zeiten, als man noch "sie" und "er" sagte, nicht wußten? Und was dann? Es kommt also der Klempner und ist nicht, wie sich 85% der Kinder vorgestellt hatten, ein Mann, sondern eine Frau. Okay... Spricht man "sie" dann trotzdem weiterhin mit "es" an? Sagt man den Kindern "Hey! Eure Sinne belügen euch! Laßt euch nur nicht auf dieses Spielchen ein, euch von der Natur einreden zu lassen, dies sei etwas anderes als ein 'Es'!"?

Richtig tragisch wird es, wenn man sieht, wie weit die Gehirnwäsche auch schon bei den Eltern fortgeschritten ist. So sagt Jukka Korpi, 44, daß er und seine Frau sich für die Egalia-Schule entschieden, "um ihren Kindern alle Möglichkeiten zu geben basierend auf dem, was sie sind und nicht auf ihrem Gender". Denn was wir sind, das hat natürlich nur mit unserem sozialen Geschlecht zu tun und rein gar nichts mit unserem biologischen Geschlecht.

Kommt ein Egalia-Abgänger in die Kneipe, trinkt drei Bier, stellt sich in die Ecke und strullt auf den Boden. "Hey!" brüllt der Wirt. "Bist du doll? Du kannst doch hier nicht rumpinkeln! Es gibt schließlich Klos!" Sagt der Egalia-Abgänger - auf die Toiletten-Türen zeigend: "Ja, aber ich habe mich noch nicht entschieden..."

Kommentare:

ultramontanus hat gesagt…

Das geschlechtsneutrale Pronomen ist "hen" (nicht "hon"). Diesen Vorschlag gibt es in Schweden schon länger, mit inspiriert durch das Finnische, das eben nur ein solches kennt ("hän").

Das ist auch nicht gleichbedeutend mit "es". Das Schwedische unterscheidet beim Artikel zwischen Neutrum ("det" = das) und einer gemeinsamen Form, Utrum, ("den" = der/die). An diese Unterscheidung lehnt sich "hen" an.

Anonym hat gesagt…

Der Name der Schule ist für mich etwas undeutlich. Soll Egalia nun auf "gleich (im Sinne von gleichwertig)" verweisen oder auf "gleich (im Sinne von wurscht)"?

für diejenigen von uns, die Katastrophenfilme mögen: Wir kombinieren Egalia-Schüler, Alkoholkonsum und die Pubertät ...

Braucht jemand einen Platz im Bunker?

Pompous Ass

Alipius hat gesagt…

Ich meinte auch "hen", hab mich nur vertippt.

Verstehe ich das richtig, daß es im Schwedischen eine Form gibt, die weder "der" noch "die" bedeutet ("det") und eine Form, die sowohl "der" als auch "die" bedeuten kann ("den")?

Anonym hat gesagt…

"Kindern alle Möglichkeiten zu geben basierend auf dem, was sie sind und nicht auf ihrem Gender"

Ich dachte immer, Gender wäre das, was man sich selbst aussucht und sex das Biologische...? Wenn die Kidner dann basierend auf dem was sie sind (sex) und nicht auf dem gender alle Möglichkeiten haben sollen, ist das nicht die altmodisch-konservative Variante, die noch wußte, welche Toilette benutzt wird?

ultramontanus hat gesagt…

Im Deutschen gibt es drei grammatische Genera. Im Schwedischen (wie auch in den anderen festlandskandinavischen Sprachen) ist Maskulinum und Femininum formal zusammengefallen, so dass es jetzt formal ein zweigliedriges System gibt: Utrum und Neutrum. (Das bezieht sich nur auf das grammatische Geschlecht. Bei Personen wird im Singular wie im Deutschen, Englischen usw. durch die Pronomen han (er) und hon (sie) unterschieden.)

Übrigens handelt es sich um eine Vorschule. Es gibt also keine »Egalia-Abgänger«.

Alipius hat gesagt…

@ ultramontanus: Ah, okay. Ich frage trotzdem nochmals nach, weil mich die Geschichte schon interessiert und ich sprachliche Gebräuche ziemlich faszinierend finde: Wäre es demnach in Schweden sprachlich und grammatikalisch korrekt, eine Person, deren Geschlecht man noch nicht kennt, mit "hen" zu bezeichnen und erst nach dem ersten Treffen mit "han" oder "hon"?

Das war mir übrigens klar, daß irgendwer den "Abgänger"-Schnitzer findet. Ich wollte nur nicht schreiben, daß ein Egalia-Schüler in eine Kneipe geht. Dafür sind die dann doch noch zu jung.

ultramontanus hat gesagt…

> Wäre es demnach in Schweden
> sprachlich und grammatikalisch
> korrekt, eine Person, deren
> Geschlecht man noch nicht kennt,
> mit "hen" zu bezeichnen und erst
> nach dem ersten Treffen mit "han"
> oder "hon"?

Nein. »Hen« ist kein Bestandteil der Standardsprache. Im Wikipädieartikel http://sv.wikipedia.org/wiki/Hen steht, dass der Vorschlag, ein geschlechtsneutrales Pronomen »hen« einzuführen 1994 vom Linguisten Hans Karlgren gemacht worden sei. In gedruckten Texten komme »hen« praktisch nicht vor, ausgenommen vielleicht Texte zu Gender-, Sprach- und Gleichstellungsfragen. Das entspricht genau meinem Eindruck. Mit gleichem Recht könnte man für das Deutsche ein geschlechtsneutrales Pronomen »sier« vorschlagen.

Alipius hat gesagt…

@ ultramontanus: Hähä... "sier"...

Okay! Danke für die Aufklärung!

Iris Kammerer hat gesagt…

Erinnert sich noch jemand an Gert Brantenbergs Satire "Die Töchter Egalias"? ;-)

Die Feststellung von Ungerechtigkeiten auf der Basis sprachlicher Analysen ist ja durchaus richtig - aber Neusprech zu oktroyieren beseitigt kein Unrecht, sondern produziert nur neues Unrecht.

Phil hat gesagt…

Ich sehe es wie Iris Kammerer. Letztlich erinnert mich der Kampf um Geschlechter (bzw. Gender) gleichberechtigung in der Dt. Sprache an diverse Euphemismustretmühlen. Eine Frage zum meiditieren an dieser Stelle: Wie redet man korrekt über Leute mit dunkler Hautfarbe? Daß N**** falsch ist, ist klar. Schwarzer soll zu negativ klingen. Farbiger - darüber regen sich viele Betroffene auch auf. Und Afrikaner? Findet auch nicht jeder gut.

Viel wichtiger, als die Sprache anzupassen ist doch, was man bei Benutzung der Sprache denkt! Klar ist es abzulehnen, wenn jemand beim Satz "Also meine Physiklehrerin" gleich an Küchenphysik (hurr durr) denkt. DAS ist nämlich die reale Diskriminierung (die aber inzwischen seltener vorkommt als gerne behauptet).

antifo hat gesagt…

Im Grunde wundert es mich, daß die Gender-Fetischisten da ja jetzt erst drauf kommen.

Diesen Schwachsinn sollen diese Fanatiker mal mit den Russen versuchen. Im Russischen werden sogar die Verben geschlechtsabhängig konjugiert, z.B.:

я был = ich (männlich) war
я была = ich (weiblich) war

он был = er war
она была = sie war

оно было = es war
они были = sie waren

http://masterrussian.com/vocabulary/bit.htm