Dienstag, 7. Juni 2011

Flynn vs. Harris

Mike Flynn zerpflückt in Attack of the Brain Atoms auf wunderbare Weise Sam Harris' Versuch, uns einzureden, wir besäßen keinen freien Willen.

Beides sind Artikel in englischer Sprache und nicht eben kurz, aber es lohnt sich.

Bei der Lektüre mußte ich gleich an Chesterton denken, der in "Orthodoxy" schrieb, daß ein Christ frei ist, an eine beträchtliche Menge von unabänderlichen Entwicklungen und festgefügten Ordnungen im Universum zu glauben, währen ein Materialist nicht frei ist, auch nur dem kleinsten Bißchen Spiritualität oder Wunder Zugang zu seiner makellosen Maschine zu gestatten.

Ganz ähnlich - so schien es mir zumindest an einigen Stellen - verhält es sich bei Sam Harris: Es DARF einfach keinen freien Willen geben, weil man alleine durch die Existenz dieses freien Willens so gefährlich nahe an einen Gott rückt (bzw sich so gefährlich weit von einem rein empirisch erfaßbaren Universum entfernt), daß es für einen Atheisten unbequem wird.

[HT: Mark Shea]

1 Kommentar:

Schopenhauer hat gesagt…

Die Frage nach der Willensfreiheit ist wirklich ein Probierstein, an welchem man die tief denkenden Geister von den oberflächlichen unterscheiden kann, oder ein Gränzstein, wo beide aus einander gehn, indem die ersteren sämmtlich das nothwendige Erfolgen der Handlung, bei gegebenem Charakter und Motiv, behaupten, die letzteren hingegen, mit dem großen Haufen, der Willensfreiheit anhängen.

"Des Menschen Thun stehet nicht in seiner Gewalt, und stehet in Niemandes Macht, wie er wandele, oder seinen Gang richte."
Jeremias (10,23)

... Besonders aber berufe ich mich auf Luther, welcher in einem eigens dazu geschriebenen Buche, De servo arbitrio [Vom unfreien Willen], mit seiner ganzen Heftigkeit die Willensfreiheit bestreitet. Ein paar Stellen daraus reichen hin, seine Meinung zu charakterisiren, die er natürlich nicht mit philosophischen, sondern mit theologischen Gründen unterstützt...

... Aber das völlig entwickelte Bewußtseyn unsers Problems, mit Allem, was daran hängt, finden wir zuerst beim Kirchenvater Augustinus, der deshalb, obwohl weit mehr Theolog, als Philosoph, hier in Betracht kommt. Sogleich jedoch sehn wir ihn durch dasselbe in merkliche Verlegenheit und unsicheres Schwanken versetzt, welches ihn bis zu Inkonsequenzen und Widersprüchen führt, in seinen drei Büchern de libero arbitrio...