Samstag, 11. Juni 2011

Das Dossier...

Der bei kath.net schon heiß gehandelte focus-Artikel über ein im Vatikan die Runde machendes Dossier, welches die Sorge über eine Kirchenspaltung in Deutschland zum Thema hat, liegt grade vor meiner Nase (Danke, P. und J.!).

Gleich mal zu Beginn: Über das Dossier erfährt man in diesem Artikel nicht viel. Es liegt dem focus vor, wird mal als "inoffiziell" mal als "geheim" bezeichnet und warnt vor einer "konspirativen Hierarchie" innerhalb der Kirche in Deutschland. Vertreter dieser Hierarchie finden sich laut Artikel...
    ...im katholischen Cusanuswerk, im katholischen "Foyer für Gespräche zwischen Kirche, Gesellschaft, Politik" zu Berlin, in der katholischen Bischofskonferenz, in der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, im Jesuitenorden unter Provinzial Stefan Kiechle und natürlich auch in der CDU (Lammert, Schavan & Co.) und unter deutschen Theologen (Memorandisti).
Der Vorwurf der Verfasser des Dossiers an diese "Hierarchie":
    Besagtes Netzwerk verwende Kirchenmittel zur "Durchsetzung der eigenen kirchenpolitischen Vorstellungen". Und diese nähmen den Bruch mit der Weltkirche zumindest in Kauf: Das Zölibatsgebot solle für Deutschland geschliffen, die mehrfach für unmöglich erklärte Frauenordination vorangetrieben, der Papst mannigfach "in die Enge gedrängt werden".
Der focus schließt:
    Zwei Gegensätze stehen damit zur Wahl: eine horizontale Kirche der Abstimmung und des Dauerdialogs, in der auch Glaubenssätze Mehrheitsfragen werden können, und eine vertikale Kirche, die die überlieferten Sakramente durch die Zeiten trägt. Momentan scheint ein Schisma wahrscheinlicher als eine Einigung; unüberbrückbar sind die politischen wie theologischen Differenzen. Papst Benedikt XVI weiß, dass er im September auf eine zutiefst gespaltene Kirche treffen wird. Den bisher letzten Beweis für das Vordringen neukirchlichen Gedankenguts lieferte die katholische Hilfsorganisation Renovabis mit Sitz im bayerischen Freising. Im Gebetstext zur Vorbereitung auf das diesjährige Pfingstfest wird jungen Katholiken empfohlen, sie sollten sich öffnen für das Wirken des Heiligen Geistes im "stummen Dasein Buddhas", im "bewegten Tanz der Derwische" und im "ehrfürchtigen Kniefall der Muslime".
Also, ich find des Artikel jetzt nicht so spannend und das Dossier reißt mich, ehrlich gesagt, auch nicht vom Hocker. Ich habe ja selbst schon Anfang Februar meine Verschwörungstheorie dargelegt und bin mir auch heute noch sicher, daß das Memorandum Teil eines größeren Planes ist. In wie weit dieser Plan nun ausgefeilt und abgesprochen ist, will ich mal dahingestellt sein lassen. Aber ich will nicht so recht glauben, daß CDU-Appell, Memorandum, BDKJ-Thesenanschlag, Küng-Gezeter (okay, der mault natürlich einerseits immer, aber andererseits ist da das neue Buch....) alle "zufällig" in das Halbjahr vor dem Papstbesuch fallen. Und ich denke, daß man da auch im Vatikan weniger von Paranoia als von Erfahrung mit deutschen "Weg von Rom"-Bewegungen geleitet wird.

Warten wir's ab. Ich für meinen Teil wäre froh und dankbar, wenn da mehr heiße Luft als Substanz drinsteckt. Aber ich bin schon der Meinung (und weiß, daß diese nicht überall und von jedermann geteilt wird), daß in der deutschen Kirche (und hier und dort auch in der österreichischen) langsam mal der Hammer kreisen muß.

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Verschwörung? Glaub ich nicht. Ich glaube nicht an Verschwörung ich glaube - und das ganz intensiv -an Verblödung.

Anonym hat gesagt…

Mir scheint, ein Schisma ist praktisch gesehen schon längst Realität - wenn auch (noch) nicht kirchenrechtlich festgestellt. Diese Truppe an den dt. (und wohl auch österr.) Universitäten, in den "Bildungshäusern" und bei diversen anderen Organisationen (von der Caritas bis zur kath. Jugend) ist eigentlich so weit von Rom im Allgemeinen und vom Magisterium von vor den 60ern im Speziellen entfernt, wie das überhaupt möglich ist. Als wesentlich weiter davon entfernt kann man auch die Protestanten eigentlich nicht mehr ansehen. Die einzige Frage, die sich mir dabei stellt, ist, wann denn nun genau das Schisma offen "ausbricht".

Interessanter finde ich in diesem Zusammenhang viel eher, wie die Organisation dessen, was jetzt noch offiziell eine einzige Kirche im dt. Sprachraum ist, dann aussehen wird, vor allem, da die renitente Canaille in Deutschland und Österreich die Unterstützung der Politik (speziell der ehemals christlichen "Volksparteien") genießt. D. h. wie wird sich die wohl eher kleinere, ungeförderte romtreue Fraktion dann organisieren und welchen Status wird sie haben u. v. m.?

Anonym hat gesagt…

Ich hatte bereits vor einem Jahr ein sehr aufschlussreiches Gespräch mit einer nicht ganz einflusslosen Person aus dem Dunstkreis der Memorandisti (Diözesanrat). Diese Person hat mir eine regelrechte Brandrede gehalten, dass endlich etwas passieren müsse und die deutsche Kirche ihre Positionen notfalls auch im Alleingang gegen Rom durchsetzen müsse usw. Dann war ich vor einigen Wochen in einer Diskusionsveranstaltung mit einem Unterszeichner des Memorandums. Genau der hat berichtet, dass es eine Gruppe von Personen gibt, die nun endlich etwas unternehmen wollte und so sei dann das Memorandum entstanden. Es scheint also tatsächlich bereits seit längerer Zeit eine Sektierergruppe zu geben, die systematisch an der Surchsetzung ihrer Ziele arbeitet. Ob es das Vatikan-Dossier wirklich gibt oder das eine Ente ist, halte ich für zweitrangig. Entscheidend ist für mich, dass der Inhalt sich mit meinen eigenen Erfahrungen im Grunde deckt. An der Sache selbst ist etwas drann!

Anonym hat gesagt…

Hmm, ich kann Alipius Gedankengänge nachvollziehen. Meine Pfarre scheint auch immer weltlicher zu werden und ich habe den Eindruck, dass kommt von der Diözese. Ich gehe jetzt zum Pfingstgottesdienst und versuche es zu geniessen. Sollte der Focus Recht behalten, wird es wohl zum Schisma kommen und die Gottesdienste werden in anderen Kirchen besucht ...

Radio Maria Schweiz hat gesagt…

... und in der Schweiz ist die Situation keinen Deut besser, ganz im Gegenteil... da will man nun sogar staatlicherseits den Druck erhoehen http://bazonline.ch/basel/land/Fuer-Frauenpriestertum--gegen-Pflichtzoelibat/story/24528305

Man sollte wirklich klare (Trenn)Linien ziehen...

Leo hat gesagt…

Das Wort "Spaltung" steht jetzt tatsächlich im Raum. Irgendwie bildet dieses Wort nur ab, was wir eh schon haben: die meisten deutschen "Katholiken" basteln ihren Glauben selber zusammen, sind mehr oder weniger bewusste Häretiker im Sinne des Wortes, weil sie bestimmte Glaubenslehren für sich auswählen, andere ablehnen. Exemplarisches Beispiel: Widernatürliche Unzucht wird der kirchlichen Lehre nach als schwere Sünde bezeichnet, modernistische Kreise sehen praktizierte Homosexualität als legitime Ausdrucksform von Liebe. Das passt wirklich nicht zusammen, das ist Spaltung.